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Dschungelcamp
Ist Ricky Harris in Wirklichkeit eine fiese Möpp?

Ricky Harris im Dschungelcamp – in Wirklichkeit eine fiese Möpp?
Moderator Ricky Harris. FOTO: RTL
Gold Coast. Das TV-Teletubbie will nicht mehr knuddeln. Hinter dem lustigen Akzent von Ricky Harris verbirgt sich ein alternder Mann mit einem fragwürdigen Verhältnis zur Macht. Wird er bald zum Herrn der Fliegen? Von Sebastian Dalkowski

Als Mann mit vielen Talenten ist Ricky Harris nie in Erscheinung getreten. Beeindruckend war lediglich seine Unverfrorenheit, mit offensichtlichen Sprach- und Verständnisproblemen eine Talkshow zu moderieren. Doch putzig war der Teletubbie mit den Rastalocken schon.

Haben wir uns alle in Ricky getäuscht? Besteht sein größtes Talent in Wahrheit darin, seinen eigentlichen Charakter bisher erfolgreich vor uns verborgen zu haben? Hat er uns jetzt die düsterste seiner 50 Shades of Ricky gezeigt? Steckt hinter der Fassade des halbbeglatzten Sonnenscheins ein machtbewusster Monarch mit Hang zu autoritären Entscheidungen? Was sich am Montag im Dschungelcamp zutrug, legt dies nahe.

Alles beginnt mit einem einfachen Tausch. Sophia Wollersheim und Jenny Elvers haben Gunter überredet, sein Bett am Campfeuer aufzugeben und nach oben zu ziehen. Sie hätten eben so furchtbare Angst, und die habe er schließlich nicht. Gunter, von welchen Trieben auch immer beeinflusst, ist einverstanden. Doch Brigitte, die Vorsitzende des Interessenverbandes "Faltige Campbewohner", sieht den Vorgang kritisch, schließlich ist der Johnny Cash von Westfalen bereits 73.

Vielleicht hat Kult-Knuddel Ricky nur auf so eine Gelegenheit gewartet. Vielleicht ist sein Handeln von Spontaneität getrieben. Jedenfalls stimmt er Brigitte zu und liegt kurz darauf mit Sophia im Streit.
Sophia: "Du gehst mich nur noch an. Mir reicht es."
Ricky: "Ihr könnt reden, ich gehe was zu trinken holen."

Fotos: Dschungelcamp 2016: Gunter Gabriel verabschiedet sich FOTO: RTL

Die blonden Naturschönheiten Sophia und Jenny fühlen sich bereits als Siegerinnen, als Gunter, der vor seinem Abgang offensichtlich noch eine Bosheit hinterlassen will, Ricky zum neuen Teamchef macht. Und der hat von der Spiderman-Weisheit "Aus großer Kraft folgt große Verantwortung" noch nie gehört. Seine bisher verantwortungsvollste Tätigkeit war die eines Hausaufgabenbetreuers im Gymnasium seines Wohnorts. Sogleich stellt er sich vors Team und sagt: "Ich bin Chef. Ich möchte, dass der Gunter schläft, wo er vorher geschlafen hat." Die beiden Damen müssen nach oben. Sogleich beugt er einer Palast-Revolte vor: "Ich möchte nicht, dass Ihr untereinander irgendwie was anderes ausmacht. Es bleibt dann so, wie ich es jetzt sage."

Was befeuert Rickys autoritäres Auftreten? Kompensiert da jemand den Verlust seiner einstigen Bekanntheit? Das Scheitern als Talkshow-Master? Auf seiner Webseite schreibt der 53-Jährige, der im Impressum als Verantwortlicher aufgeführt wird, noch immer über sich selbst: "In farbenfrohen Outfits und mit peppigen Dreadlocks wurde Ricky bald als einfühlsamster, liebenswertester und aufgeschlossenster Gastgeber unter all den täglich laufenden Talkshows bekannt." Eine Einschätzung, die unter TV-Kritikern gelinde gesagt umstritten ist.

Doch der Betten-Beef ist nur der Auftakt der Rickymania. Das Team Snake Rock zieht ins Base Camp – unglücklicherweise genau in dem Moment, in dem Team Ricky das Siegermahl der Dschungelprüfung zubereiten will. Mit großen Augen schauen die ausgehungerten Immigranten auf die Steaks. Selbst der Mais beeindruckt Jürgen. Ricky ahnt, wonach sich die Neuankömmlinge sehnen, und ruft sein Team zusammen. "Punkt 1", beginnt er, ohne später einen Punk 2 oder 3 folgen zu lassen, Punkt 1 also: "Die haben alle Hunger, und das wissen wir auch. Aber wir haben das Essen verdient." Niemand im Team widerspricht. Ricky hat den Hunger seiner Untergebenen geschickt dazu genutzt, sie fest an sich zu binden. Welchen Plan auch immer er damit verfolgt. Sodann holt er Helena, die Teamchefin der Elendsflüchtlinge, zu sich. "Kannst du zu mir kommen?", ruft er ihr zu, wie ein Lehrer ein Kind zu sich holt, das gerade auf dem Schulhof mit den anderen Seil springt. Dann sagt er ihr ins Gesicht: "Wir haben heute gewonnen und da ist nicht sehr viel da, deshalb werden wir das Essen essen."

Gegenüber der Kamera rechtfertigt Ricky sein Verhalten so: "Wenn es eine Überlebensfrage wäre, hätten wir sofort alles aufgeteilt. Aber es geht die nicht so schlecht, die haben Bohnen und Reis." Redet sich da jemand eine Entscheidung schön, von der er weiß, dass sie fragwürdig ist?

Fotos: Dschungelcamp 2016: Sprüche von und über Gunter Gabriel

Selbst bei RTL ist man enttäuscht. Autor Jens Oliver Haas sagt gegenüber unserer Redaktion zum Schicksal der Snake-Rock-Flüchtlinge: "Sie haben auf ein besseres Leben gehofft, auf ein bisschen Nächstenliebe – aber wo sind sie gelandet? Offensichtlich mitten in Bayern! Und CSU-Ministerpräsident Ricky "the Horst" Harris würde am liebsten die Grenzen dicht machen. Spätestens morgen führt er ne Maut ein."

Ricky Harris – ein Mann will nicht mehr knuddeln. Sondern herrschen.

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