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Roy Frank „RJ“ Mitte
"Ich spiele gerne den Bösewicht"

Roy Frank „RJ“ Mitte aus Breaking Bad: „Ich spiele gerne den Bösewicht“
In "Breaking Bad" spielte Mitte den Sohn eines Drogenkochs. FOTO: afp, KEVIN WINTER
Neuss. Berühmt wurde Roy Frank "RJ" Mitte als Sohn des Drogenkochs Walter White in "Breaking Bad". Wie seine Schauspielkarriere nach dem Ende der Kult-Serie weitergeht, erzählt er bei der Filmbörse in Neuss. Von Julia Zuew

Nicht als Schurke, aber als Walter White Junior oder auch Flynn in der Kult-Serie "Breaking Bad" ist der 25-jährige Roy Frank "RJ" Mitte international bekannt. Seine Schauspielkarriere begann in einem weniger kriminellen und dramatischen Setting. Sein Interesse zum Schauspiel wuchs nach einigen Auftritten als Statist, unter anderem in der Disney-Serie, die Miley Cyrus zum Star machte: "Hannah Montana".

Mittlerweile arbeitet Mitte nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Model und Produzent. Mitte leidet an einer leichten Form infantiler Zerebralparese – genau wie seine Figur in "Breaking Bad". Wir haben den Schauspieler auf der Filmbörse in Neuss getroffen.

Hier werden vor allem Horror- und Splatter-Filme verkauft. Mögen Sie selbst Horrorfilme?

Mitte Ja, ich schaue sehr gerne Filme dieser Art. Mir bleibt nicht viel Zeit dafür, aber wenn es mal dazu kommt, schaue ich gerne Horror und Filme der düsteren Art. Ich bin auch sehr gespannt auf den "Es"-Film. Die alten Episoden habe ich mir letztens wieder angeguckt, ich glaube, drei Mal. Ich mag solche Sachen sehr.

Würden Sie gerne auch selbst gerne mehr solcher Rollen spielen?

Mitte Ich nehme sämtliche Rollen an, die ich bekommen kann, die sind unterschiedlich. Aber ja, ich spiele in einer Serie mit, die 2018 erscheinen soll, "Gods and Secrets" (Regie: Adi Shankar). Dort spiele ich den Schurken. Ich selbst spiele gerne den Bösewicht. Ich finde, in bösen Rollen kann man verrückter sein und viel mehr machen.

In der Serie geht es um Superhelden, es fließen auch Comics in die Geschichte ein. Zurzeit bin ich auch an einem Film beteiligt, der eine Art düstere Komödie ist – die Dreharbeiten finden in Australien statt. Ich versuche aber eigentlich, alles schön gemischt zu halten – in letzter Zeit habe ich zum Beispiel viel im Comedy-Bereich gemacht.

Die meisten Menschen kennen Sie aus "Breaking Bad" in der Rolle von Walter White Jr., der die gleiche Behinderung hat wie Sie. Was ist Ihre Meinung zu Produktionen wie "13 Reasons Why", "To The Bone" oder "Atypical", wo Einschränkungen oder Erkrankungen portraitiert werden?

Mitte Ich finde es gut, dass es diese Serien gibt. Es bringt diese Dinge ins Gespräch. Bevor es diese Serien oder Filme gab, waren sich viele gar nicht dessen bewusst, was beispielsweise Autismus ist oder wie viele es betrifft. Ich kann aber auch die Reaktionen der Betroffenen darauf verstehen. In diesen Gemeinschaften gibt es natürlich auch Kritik, und es ist auch nicht einfach, damit den richtigen Umgang zu finden.

Redakteurin Julia Zuew mit dem Schauspieler RJ Mitte. FOTO: Julia Zuew

Aber diese Dinge sind etwas Neues, das gab es vorher nie. Ich finde, man muss damit weitermachen und immer dazulernen, wie man es besser machen kann. Es wäre besser, wenn man solche Produktionen mit dem Rückhalt von Betroffenen veröffentlichen könnte. Aber es ist sehr wichtig, dass damit weitergemacht wird und dass man dazulernt.

Betroffene äußern in sozialen Netzwerken oder Foren sehr oft, dass die Darstellung von Depressionen, Essstörungen oder Autismus nicht richtig sind. Hatten Sie irgendwann ein ähnliches Gefühl, wenn Sie einen Film gesehen haben, in dem Ihre Behinderung anders dargestellt wurde?

Mitte Selbst, wenn die Darstellung nicht mit meinem eigenen Erlebnis übereinstimmt, ist es vielleicht die Perspektive von jemand anders. Es ist der Versuch von jemandem, es aus seiner Sicht darzustellen – und selbst, wenn es schlecht ist, bringt es den Stein ins Rollen. Man kann es besser machen, aber die Hauptsache ist, dass Menschen erst bewusst wird, dass es solche Dinge gibt. Jemand fängt an zu fragen, ob es wirklich so ist, wie es gezeigt wird, nimmt vielleicht wahr, dass es jemanden gibt, den es betrifft.

Schließlich geht es um die Erfahrung, die jemand macht. Aber man hat natürlich im Skript Möglichkeiten, an einer Figur zu arbeiten und sie zu gestalten. Auch für meine Rolle in "Breaking Bad" hätte man jemand anders nehmen können, der dann die Erfahrung gemacht hätte, wie man auf eine andere Weise lebt. Und auch an meiner Figur haben wir gearbeitet.

Wo wir bei Skript und Gestaltung sind – möchten Sie diese Art von Arbeit weiter ausbauen?

Mitte In der Tat arbeite ich immer wieder an verschiedenen Sachen. Aber einen festen Zeitpunkt für die Erscheinung von etwas gibt es nicht. Aber ich versuche immer wieder was zu schreiben und mit meinen Freunden zusammen auf die Beine zu stellen. Ich probiere gerne neue Sachen und kreative Wege aus.

Haben Sie sich "Breaking Bad" eigentlich gerne angesehen?

Mitte Nein, überhaupt nicht. Es hat nichts mit der Serie zu tun –  ich mag es einfach nicht, mich auf dem Bildschirm anzusehen. Ich mag auch überhaupt nicht, mich in Aufnahmen zu hören.

Die Fragen stellte Julia Zuew.

 
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