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"Menschen bei Maischberger"
Was im Leben zählt, wurde leider nicht verraten

Sandra Maischberger: Konsequent am Leben vorbeigefragt
Betagte Runde bei "Sandra Maischberger" am Dienstagabend. FOTO: Screenshot
Düsseldorf. Was zählt im Leben? Wer am Dienstag die Talkshow "Menschen bei Maischberger" einschaltete, weil er sich eine Antwort auf diese Frage erhoffte, wurde enttäuscht. Moderatorin Sandra Maischberger fragte zumeist am Thema vorbei – und konzentrierte sich lieber auf Details aus dem Leben ihrer betagten Gäste. Von Laura Sandgathe

Schauspieler und TV-Moderator Joachim Fuchsberger, die ehemalige FDP-Politikerin und ehemalige Staatsministerin im Auswärtigen Amt Hildegard Hamm-Brücher, der ehemalige SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel und die Schauspielerin und Politikerin Barbara Rütting waren bei Sandra Maischberger zu Gast.

Falls Ihnen bei der Gästeliste etwas aufgefallen ist: Es stimmt, alle vier Talkgäste haben ihren achtzigsten Geburtstag bereits hinter sich. Das "Küken" der Runde war Barbara Rütting mit 86 Jahren. "So viel Erfahrung und Weisheit hatten wir selten in einer Sendung", sagte Maischberger.

Durchschnittsalter der Gäste: 88 Jahre

Das hohe Alter der Talkgäste sorgte für den einen oder anderen kuriosen Moment. So bezeichnete die 92-jährige Hildegard Hamm-Brücher ihre Mittalker augenzwinkernd als "jung". Und auch den Zuschauern fiel auf, dass die Runde auffällig betagt war. Bei Twitter gab es einigen Spott für die Alterszusammensetzung der Gästeliste. Ein (vergleichsweise harmloses) Beispiel ist dieser Tweet:

Die einseitige Zusammensetzung der Gäste war dann auch der erste Fehler, an dem die Talksendung krankte. Ein durchaus vielversprechendes Thema wurde hier sehr eintönig diskutiert – schließlich kamen ausschließlich Vertreter der Generation "80 plus" zu Wort. Die Ansichten jüngerer Generationen wurden nicht abgebildet.

Eine altersmäßig bunt gemischte Runde hätte mehr Schwung in die Diskussion gebracht – und ihr mehr Relevanz verliehen. Sicher: Die Jungen können von den Alten lernen. Dennoch wäre es die Mühe wert gewesen, auch ein oder zwei junge Gäste zu fragen, ob sie eine Antwort auf die Frage "Was zählt im Leben?" haben.

Maischberger fragte am Thema vorbei

Das zweite Problem der aktuellen Ausgabe von "Menschen bei Maischberger" war, dass die Sendung ihrem Thema nicht gerecht wurde. In über einer Stunde Talk war die Runde nicht in der Lage, die übergeordnete Frage nach dem, was im Leben zählt, zu beantworten. Das mag daran gelegen haben, dass die Macher der Sendung sich dazu entschlossen hatten, die genannte Frage in vier untergeordnete Fragen aufzuteilen: 1. Wie führt man eine gute Ehe? 2. Wie übersteht man Intrigen und Niederlagen im Beruf? 3. Was tun, wenn man ein Vermögen verliert? und 4. Muss man Angst vor dem Tod haben? An diesen Themen hangelten sich die Moderatorin und ihre Gäste entlang – und verloren dabei das eigentliche Thema aus den Augen.

Vor allem aber stellte Moderatorin Maischberger lieber Fragen nach möglicherweise spannenden oder bislang unbekannten Details aus dem Leben ihrer Gäste, als sich konsequent dem Thema ihrer Sendung zu widmen. So erzählte beispielsweise Barbara Rütting über ihre gescheiterte Ehe, dass sie "nie so selbstbestimmt gelebt habe wie jetzt" und dass dies ein "unbeschreibliches Gefühl von Freiheit" für sie bedeute. Manch ein Zuschauer mag an dieser Stelle aufgehorcht haben: Würde es nun um die Frage, welche Rolle Selbstbestimmung und die Verwirklichung der persönlichen Freiheit im Leben spielen, gehen?

Doch sofort führte Maischberger zielsicher von diesem Thema weg, indem sie sagte: "Ihre letzte Ehe würde mich besonders interessieren" und Brüning danach fragte, warum sie diese Ehe so abrupt beendet habe. Damit drehte sich das Gespräch erneut um das persönliche Leben der Prominenten – anstatt um die Frage danach, was im Leben zählt.

Am Ende blieb die Antwort aus

Barbara Rütting sagte in einem Nebensatz: "Ich kann nur für mich sprechen". Vielleicht ist das die Lösung: Die Antwort darauf, was im eigenen Leben wirklich wichtig ist, ist eine subjektive, die wohl jeder für sich selbst beantworten muss. Auf Hilfe von "Menschen bei Maischberger" war in dieser Angelegenheit am Dienstagabend jedenfalls nicht zu hoffen.

(lsa)
 
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