| 16.11 Uhr

Maischberger diskutiert Flüchtlingsfrage
"Wir brauchen Lösungen, aber gemeinsam mit den Bürgern"

Sandra Maischberger: Wie kann man die Flüchtlinge integrieren?
Sandra Maischberger und ihre Gäste. FOTO: Screenshot ARD
Düsseldorf. "Wir erleben einen tiefen Einschnitt in unserem Land" – mit diesen Worten beginnt Sandra Maischberger ihre Sendung. Es geht – natürlich – um die Flüchtlingsfrage. Eingeladen hat die Moderatorin durchaus streitbare Gäste. Entsprechend eifrig wird diskutiert entlang von Begriffen wie Leitkultur und vorhandenen Problemen. Der Talk im Check. Von Dana Schülbe

Darum ging's

"Neue Heimat: Wie verändern Flüchtlinge unser Land?" lautete der Titel von "Menschen bei Maischberger". Die Sendung reihte sich damit thematisch nicht nur in die ARD-Themenwoche ein, sondern lieferte ein weitere Folge des derzeitigen Dauerbrenners in den TV-Talkshows.

Darum ging's wirklich

Hintergrund: Das ist das Milliarden-Paket der Bundesregierung

Letztlich wurde abermals über die Herausforderungen diskutiert, die die Flüchtlingskrise mit sich bringt. Wie packt man sie am besten an? Wo gibt es Probleme? Wie kann man die Flüchtlinge integrieren? Auch der Begriff der deutschen Leitkultur kam zur Sprache.

Die Gäste

Da hatte sich Maischberger durchaus streitbare Menschen eingeladen, die mit ihrer Meinung selten hinter dem Berg halten und teils deutliche Worte finden – allen voran der ehemalige Bürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky. Desweiteren die Bochumerin Polizistin Tanja Kambouri, die in einem offenen Brief von Übergriffen auf sie und ihre Kollegen geschrieben und nun dazu ein Buch veröffentlicht hat. Auch dabei waren Renate Künast von den Grünen, Verleger Jakob Augstein, Marie-Luise Balk-Egger, Sprecherin einer baden-württembergischen Bürgerinitiative, und Richard Arnold (CDU), Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd in Baden Württemberg.

Bemerkenswertester Gast

Der OB Arnold. Denn trotz aller Probleme, die gerade Kommunen – nicht nur in finanzieller Hinsicht – bei der Aufnahme von Flüchtlingen haben, gab sich dieser positiv, zeigte sich stolz darüber, wie die Integration der Neuankömmlinge in seiner Stadt gelingt. Denn Schwäbisch Gmünd gilt in dieser Hinsicht schon seit geraumer Zeit als Vorbild. Arnold berichtet davon, dass Flüchtlinge in der Stadt in Privatwohnungen untergebracht werden und so auch zunächst skeptische ältere Menschen – wie seine Eltern – diese tatsächlich kennenlernen. 

Er schaffte es zudem, der Ruhepol in der Sendung zu sein, der immer wieder zusammenfasste, wenn es hitzig wurde. So etwa als es um das Thema Enteignungen von Gewerbeflächen ging. Zwangsmaßnahmen schaffen Verdruss, sagte er. "Wir brauchen Lösungen, aber gemeinsam mit den Bürgern." Deutschland habe sich in den vergangenen Jahrzehnten doch schon verändert, etwa durch die Wiedervereinigung. "Wir müssen daraus lernen", sagte Arnold und fügte hinzu: "Es geht um Verantwortung, auch darum, Verantwortung für einen anderen zu übernehmen."

Unangenehmster Gast

Als Verleger Augstein Kambouri angriff, entpuppte er sich als unangenehmster Gast. Es war vor allem die Art, wie er mit ihr sprach – ein wenig von oben herab, ein wenig behandelte er sie wie ein Kind. Er zitierte einen Polizeiexperten, der quasi sagte: Wer nicht hart genug für den Job ist, der sollte ihn auch nicht machen. Er sprach davon, dass man seit mehr als 20 Jahren solche Probleme höre, das seien Einzelfälle, das sei ihr Schicksal. Und dann sagte er noch zu der griechisch-stämmigen Beamtin: "Bei allem Respekt: Ihnen hört man zu, weil sie selbst einen Migrationshintergrund haben." Daraus lernen könne man für die Gesellschaft aber nichts.

Spannendster Dialog

Das ist der Moment, als es in einem Einspieler um geplante Beschlagnahmungen von Gewerbeflächen ging und Künast diese für richtig hielt. Denn dann geriet Buschkowsky so richtig in Fahrt, wie man ihn schon früher erlebt hat – und doch musste auch er Zugeständnisse machen.

Buschkowsky: Den Bürgern ihr Privateigentum wegzunehmen, sei der stärkste Eingriff, den ein Staat überhaupt machen könne. "Und das jetzt durchzuziehen, das belastet den sozialen Frieden." Denn alle würden sagen: Heute machen sie das bei denen, morgen bei mir.

Künast: "Jetzt beschwören Sie aber selbst Angst."

Maischberger: "Geben Sie mir eine Alternative. Was hätten sie denn gemacht?"

Buschkowsky: "Weder der emeritierte noch der amtierende Bürgermeister kann zaubern. Natürlich hätte auch ich nicht Wohnungen aus dem Boden stampfen können. Wenn ich noch im Amt wäre, wären Menschen auch in Turnhallen untergebracht worden. Ja wo denn sonst?"

Arnold: "Wir sind uns einig, Beschlagnahmungen gehen nicht." 

Erkenntnis

Wie groß die Herausforderungen in der Flüchtlingskrise sind, zeigt sich auch in Talkshows wie der von Maischberger immer wieder. Es gibt tausende Sichtweisen, wenige Patentrezepte und viele Emotionen. Lösungen liefern TV-Talks ohnehin kaum. Mut machen aber Menschen wie Richard Arnold, die trotz der großen Anstrengungen noch immer engagiert und mit Herzblut an die Sache herangehen – und zwar direkt vor Ort, dort, wo die Flüchtlinge tatsächlich sind. Arnold ist dabei sicherlich kein Einzelfall, wie die große Welle der Hilfsbereitschaft in Deutschland zeigt.

Unser Interview mit Tania Kambouri lesen Sie hier.

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