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ProSieben-Show "Schlag den Henssler"
Raabs Fußstapfen sind noch etwas zu groß

Die erste Ausgabe der ProSieben-Show "Schlag den Henssler" erforderte Ausdauer von den Zuschauern. Erst spät stand der Sieger fest. Trotzdem konnte Steffen Henssler nur selten zeigen, dass er auch abseits der Herdplatte das Zeug zum Entertainer hat. Dafür forderte ihn sein Gegner zu wenig. Von Markus Werning

Zwischendurch sah es nach einer klaren Angelegenheit für Steffen Henssler und einem langweiligen Abend aus. Nach neun Spielen lag der Fernsehkoch bereits 21 Punkte vor seinem Herausforderer. Aber dann kämpfte sich Facility-Manager André aus Rostock noch einmal heran und zog sogar an Henssler sogar noch vorbei. 

Mittlerweile war es kurz nach Mitternacht, und auf Twitter fragten Nutzer besorgt, ob die Zuschauer "Karten inklusive Übernachtung und Frühstück" gebucht hatten? Es sollte tatsächlich noch bis nach ein Uhr dauern, bis der Sieger feststand und Henssler die erste Ausgabe seiner Samstagabendshow gewann. 

Fotos: Das ist Steffen Henssler FOTO: dpa, bra sab som wst

Die Sendung ist der Nachfolger von "Schlag den Raab". Die Spielshow lief neun Jahre lang auf ProSieben. In dieser Zeit trat Stefan Raab dutzende Male gegen Kontrahenten an, meistens gewann er, bis er sich Ende 2015 vom Fernsehen verabschiedete. Im Sommer 2017 kündigte ProSieben dann eine Neuauflage an — mit Steffen Henssler.

Der 45-Jährige war bis dahin als Fernsehkoch aufgetreten, zuletzt auf Vox, wo er sich Koch-Duelle mit prominenten Gästen lieferte. Die Sendung lebte von Henssler, der ehrgeizig um den Sieg kämpfte und charmant sein konnte, aber auch arrogant und giftig. ProSieben sah in ihm deshalb einen "sympathischen und zugleich willensstarken Spieler, der sich jeder Herausforderung stellt". Also genau denjenigen, der Raabs Spielshow übernehmen könnte.

Am Konzept der Sendung hat ProSieben nichts geändert. 15 Spiele waren vorbereitet worden. Mal war Geschicklichkeit gefragt, mal Kraft, mal Wissen. Die Kontrahenten mussten zum Beispiel die Titelmelodien von Fernsehsendungen erkennen, eine zehn Meter hohe Sprossenleiter erklimmen, mit Buggys durch Schlamm fahren und Luftballons mit dem Kopf in ein Netz köpfen. 

Henssler musste bis kurz nach eins kämpfen

Für das erste Spiel gab es einen Punkt, für das zweite zwei, für das dritte drei — und so weiter. Gewonnen hatte, wer die Mehrheit der Punkte erreicht hatte und von seinem Gegner nicht mehr eingeholt werden konnte. Raab hatte seine Show einige Male vorzeitig gewonnen. Henssler musste dagegen 15 Spiele lang kämpfen.

Die Sendung hatte einige Längen. Zum Beispiel, als die Kontrahenten erraten sollten, an was die Zuschauer denken, wenn Moderator Elton sie nach einer Sportart fragt oder nach einem Gegenstand im Badezimmer. Genauso gut hätte ProSieben verlangen können, dass die Spieler die Lottozahlen voraussagen. So dauerte es, bis endlich einer das Spiel gewonnen hatte: Henssler.

In diesem Fall hatte André Pech gehabt. Bei anderen Spielen machte es dagegen den Eindruck, als glaube er nicht an seinen Erfolg, als fehle ihm der Mut. Andere Kandidaten wären vielleicht aggressiver aufgetreten und hätten Henssler mehr gefordert. Aber die Zuschauer hatten dem 32-jährigen André die meisten Stimmen gegeben, als sie am Anfang der Sendung unter drei Kandidaten auswählen konnten, wer um 250.000 Euro kämpft. Auf Twitter bereuten es einige Nutzer.

Immerhin kämpfte sich der Rostocker noch bis ins 15. Spiel: Kurz nach ein Uhr mussten sich beide Kontrahenten jeweils an einer Poledance-Stange  hochziehen. Wer am längsten oben blieb, hatte gewonnen. Nach 3:16 Minuten war André bis zum Boden heruntergerutscht, während Henssler weiterhin verbissen die Metallstange umklammerte und zeigen konnte, dass er — angetrieben von seinem Ehrgeiz — kämpfen kann. Das hätte Raab wohl nicht besser gemacht. 

Aber damit "Schlag den Henssler" ein Erfolg wird, muss es mehr von solchen Momenten geben. Erst dann werden wohl nicht mehr so viele Zuschauer während der Spielshow auf Twitter wehmütig an Raab erinnern.

 
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