| 12.43 Uhr

Große Emotionen bei "Sing meinen Song"
Ein Gentleman weint

Fotos: Gentleman-Hits bei "Sing meinen Song"
Fotos: Gentleman-Hits bei "Sing meinen Song" FOTO: Vox
Düsseldorf. Wie hört es sich an, wenn The BossHoss, Paddy Kelly oder Moses Pelham Reggae-Songs singen? Gar nicht so übel, beweist die Vox-Sendung "Sing meinen Song". Am Ende weint sogar der sonst so coole Reggae-Star Gentleman. Von Olivia Konieczny

Es wird viel geknuddelt, wie so oft in der Vox-Sendung "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert". In der sechsten Folge der aktuellen Staffel steht am Dienstagabend Deutschlands bekanntester Reggae-Sänger Gentleman im Mittelpunkt. Die anderen Künstler - unter anderem Lena Meyer-Landrut und "Silbermond"-Frontfrau Stefanie Kloß - müssen seine Reggae-Songs performen. Das gelingt den Musikern - auf ihre eigene Weise - ziemlich gut. 

Lenaisiertes "Superior"

Zu Beginn der Sendung erzählt Gentleman (42), wie er mit elf Jahren durch die Platten seines Bruders zum ersten Mal mit Reggae in Kontakt gekommen ist. Wie seine Reise nach Jamaica mit 18 Jahren seinen Blick auf die Musik verändert hat. "Ich habe gemerkt, dass das mehr ist als nur Mucke und Entertainment", erklärt er. Heute ist Gentleman, der in Köln aufwuchs, selbst im Mutterland des Reggae in der Karibik ein Star. 

Keine leichte Aufgabe kommt Lena beim ersten Auftritt des Abend zu: Sie muss "Superior" performen, einen der bekanntesten Songs von Gentleman. Vorher erzählt die 26-Jährige, wie viel sie mit Gentleman und seiner Musik verbindet. Der Hit von 2004 habe sie durch ihre Teenagerzeit begleitet. "Superior" sei ihr absoluter Lieblingssong von Gentleman.

In einem überdimensionierten gelben Pulli, enger Jeans und auf hohen Hacken gibt Lena ihre Version des Hits zum Besten. An das Original kommt sie bei Weitem nicht heran - sie "lenaisiert" das Lied. Aber ein wirklich guter Song ist unkaputtbar. Gentleman findet nach der Performance trotzdem lobende Worte: "Du hast deinen Lena-Charme in den Song gebracht", sagt er.

Moses Pelham rappt auf Deutsch

Nach einem kurzen Plausch über Gott, den Glauben und welche Bedeutung beides in der Reggae-Musik hat, ist Rapper und Produzent Moses Pelham mit "You remember" an der Reihe. Eine Herausforderung, da das Lied sehr viel Text enthält. Es handelt von Fortschritt, moderner Technik, sozialen Netzwerken und der Schnelllebigkeit der heutigen Zeit. Moses Pelham macht daraus etwas Eigenes: Er dichtet die Lyrics um und rappt kurzerhand auf Deutsch über sein eigenes Leben.

Fotos: "Sing meinen Song": Diese Stars sind im Jahr 2017 dabei FOTO: dpa, kdg gfh

Schon nach wenigen Sekunden steht Gentleman auf, geht nach vorne und umarmt Moses Pelham lange. Dessen Interpretation des Lieds verdient tatsächlich ein Kompliment: Langsam dargeboten und mit eigenem Text, gewinnt der Song eine andere, noch sentimentalere Atmosphäre. "Hast du dein Lied wiedererkannt, Bruder?", fragt Moses Pelham Gentleman am Ende und lacht. "Ich hör' dir so unglaublich gern zu. Du hast ein Riesen-Herz, Mann", sagt Gentleman gerührt. "Moses ist sehr intensiv", gibt auch Lena zu. 

The BossHoss singen "Heart of Rub-A-Dub"

Als nächstes sind Sascha Vollmer und Alec Völkel alias The BossHoss dran. Es sei nicht ihr Ziel gewesen, Gentleman und seine Musik in ihre Welt zu holen, sagen sie vor dem Auftritt. "Wir hatten mal Bock, in seine Welt einzutauchen." Den Partysong, für den Gentleman nach eigenen Worten beim Texten "nicht viel nachgedacht" hat, machen sie schneller als das Original. Am Ende kann man sagen: Mission gelungen, die BossHoss-Interpretation und ihr "Cowboy-Patois", wie Paddy Kelly es bezeichnet, machen Spaß. 

Tränen beim traurigen Text von "Memories"

"Ich bin 2004 bei einem Festival auch mal mit Flaschen beworfen worden", sagt Gentleman, als er im Anschluss auch von Tiefen seiner Karriere berichtet. Dann darf er selbst ans Mikro: Er performt seinen neuen Song "Red Town", den er seiner Frau gewidmet hat. Man hört wieder, wie ein Reggae-Original klingt.

Danach ist Michael Patrick ("Paddy") Kelly an der Reihe. Er hat sich "Memories" ausgesucht. Das Lied hat Gentleman für seinen besten Freund geschrieben, der gestorben ist und den er in den letzten Wochen seines Lebens begleiten durfte. Auch Kelly hat vor einigen Jahren einen Freund verloren. Ein emotionales Thema. Man ahnt: Dieser Auftritt wird den Reggae-Star nicht unberührt lassen.

Und so ist es dann auch: Bei Gentleman kullern die Tränen, während Kelly singt. Hinterher sagt Gentleman: "Paddy hat den Nerv getroffen. Das ist das, was Musik ausmacht: dass es sofort ins Herz geht." Auch Lena ist tief ergriffen: "Für solche Momente ist man einfach hier." Vermutlich wird auch der ein oder andere Zuschauer an dieser Stelle Tränen gelassen haben.

Paddy Kelly räumt ab

Klar haben die beiden darauffolgenden Künstler es jetzt nicht mehr leicht, das zu toppen. Sie schaffen es aber immerhin, die Stimmung wieder aufzuhellen. Zunächst ist Mark Forster dran, der Gentleman zu seinem persönlichen "Angstgegner" erklärt hatte. Er singt mit "Dem Gone" eine Hymne. Das Lied versetze ihn in eine ganz bestimmte Zeit, als er mit seiner Schulband versucht habe, den Song nachzuspielen. "Ich freue mich darauf, habe aber auch etwas Schiss", sagt Forster. Er entschließt sich dennoch, das Lied in der für den Reggae typisch-jamaikanischen Kreolsprache Patois vorzutragen. Das gelingt ihm auch: "Er hat es geschafft, dass es nicht komisch klang. Es war einfach 'real‘", sagt Gentleman.

Für einen Überraschungsmoment sorgt "Silbermond"-Frontfrau Stefanie Kloß. Sie nimmt sich "It no pretty" vor und nutzt den Moment für einige Worte der Gesellschaftskritik: Erfolgsdruck, Konsumgesellschaft. "Alles so Sachen, wo du denkst: Sollten wir da nicht einen anderen Weg einschlagen?" Kloß singt das Lied ebenfalls mit deutschem Text - und fängt dann an zu rappen. Die Runde johlt.

Zum "Song des Abends" wählt Gentleman am Ende der Sendung Paddy Kellys Version von "Memories". Das ist wenig überraschend, aber nachvollziehbar. "Memories ist einfach das persönlichste Ding, was ich je geschrieben habe", sagt der Reggae-Star - und erinnert noch einmal an Werner, seinen verstorbenen Freund.

 
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