| 13.47 Uhr

"Sing meinen Song"
The BossHoss sind mehr als Cowboyhüte und Rock 'n' Roll

The BossHoss rocken die Bühne
The BossHoss rocken die Bühne FOTO: Vox
Düsseldorf. Am Abend vor den Duetten sind traditionell die Gastgeber dran bei "Sing meinen Song": The BossHoss. Deren Lieder klingen in den Interpretationen der anderen mal poppig, mal rockig. Und zwischendurch wird es wieder emotional. Von Marlen Keß

The BossHoss, die wohl einzig erfolgreiche deutsche Countryrock-Band, spielen oft und gerne mit Klischees: In ihren Videos und auf Konzerten sieht man Cowboyhüte, Stiefel, leicht bekleidete Frauen. Doch an diesem Abend steht beim Vox-Tauschkonzert die Musik der Band im Vordergrund.

Die schreibt Sascha Vollmer (genannt Hoss Power) grundsätzlich selbst, ebenso wie die Texte, während Alec Völkel (genannt Boss Burns) etwa für das Design der Bühnenshows verantwortlich ist. Kennengelernt haben sich die beiden mit Anfang 30 in einer Berliner Werbeagentur - Spätstarter der Musikszene.

Fotos: Gentleman-Hits bei "Sing meinen Song" FOTO: Vox

Und jetzt, mit Mitte 40, also ein Tauschkonzert - "mit einer tollen Gang", wie die beiden zu Beginn dieser letzten regulären Sendung der "Sing meinen Song"-Staffel sagen. Und die Chance für die beiden, wirklich als Musiker und Songschreiber wahrgenommen zu werden, wie Sascha Vollmer sagt. Als Moderator springt Mark Forster ein, der das Ganze sehr charmant meistert. Zur Feier des Tages tragen The BossHoss besonders schick glänzende Lederjacken und sind direkt beim ersten Song begeistert. 

The BossHoss auf Deutsch 

Los geht es mit Michael Patrick Kelly. Oder auch "Stadion-Paddy", wie ihn Moderator Mark Forster liebevoll nennt. Er hat sich den Song "Stallion Batallion" von 2007 ausgesucht. Laut Alec Völkel ist es die "heimliche BossHoss-Hymne, die das Lebensgefühl der Band beschreibt". Und das ist offenbar doch mehr Rock 'n' Roll als Country. Kelly gibt auf der Bühne alles, headbangt mit dem kleinen Publikum, schwenkt wild das Mikro und hat sichtlich Spaß dabei. "Paddy ist ein Rockstar", sagt Mark Forsters. Auch The BossHoss sind angetan.

"Ihr seid als Cowboys mehr so Tarantino, ich mehr so Unsere kleine Farm", sagt Forster und präsentiert anschließend seine ganz eigene Version von "A Cowboy's Work Is Never Done" von 2015. Dafür hat er den Text ins Deutsche übersetzt und rappt und singt eben auf Mark-Forster-Art. "Das ist sofort ein Ohrwurm", sagt Lena Meyer-Landrut und Michael Patrick Kelly ergänzt: "Alles, was Mark anfasst, ist wirklich wirklich gut."

Michael Patrick Kelly bei "Sing meinen Song" FOTO: VOX

Dann erzählen Vollmer und Völkel noch ein bisschen aus dem Band-Nähkästchen. Vom "magischen Moment" des Kennenlernens in der Werbeagentur etwa, als beide eigentlich schon mit dem Traum vom Rockstar-Dasein abgeschlossen hatten. Und von der gemeinsamen Idee, "Energie in Musik zu finalisieren", wie Völkel sagt: "Da wurde die Leidenschaft nochmal neu entfacht."

Moses Pelham singt zum ersten Mal 

Leidenschaftlich wird es auch bei Moses Pelham, der sogar mit einer Premiere aufwartet: Er singt. Dafür hat der Rapper und Produzent zwei Songs miteinander kombiniert, "Sex on Legs" von 2011 und "A Cowboy's Work Is Never Done". Mit neuem Text versehen und vielen Elementen aus Rock, Elektro und Hiphop präsentiert er den Song und singt, "mit großer Freude", wie er hinterher sagt. The BossHoss sind ganz gerührt. 

Danach geht es für die Band selbst auf die Bühne, die eines ihrer älteren Lieder spielt, "Mary, marry me" von 2006. Und erzählen auch gleich noch die Geschichte dazu: Mary nämlich kommt nicht nur in diesem Lied vor, sondern auch auf weiteren Alben der Band, die Liebesgeschichte wurde fortgeführt. "Am Anfang war es ein Zufall, ein lustiges Wortspiel", sagt Sascha Vollmer. "Aber dann kam es so gut an und wir dachten, nehmen wir das doch wieder mit auf". 

Die Stars feiern Rapper Moses Pelham FOTO: Vox

Beide haben sichtlich Spaß an ihrem Auftritt. Vollmer beginnt, singend und mit Gitarre, Völkel übernimmt ab der zweiten Strophe. Wie viele BossHoss-Lieder ist auch dieses eingängig und eher simpel. Die große Stärke der Band ist ihr Duettgesang, die beiden unterschiedlichen Stimmen passen zusammen. "Man merkt einfach, das sind beste Freunde und daraus entsteht Musik", kommentiert Michael Patrick Kelly treffend.

Anschließend ist Gentleman dran, der seinem Song "Today tomorrow too long too late" von 2015 Reggae-Vibes verleiht. Dazu hat er neue Strophen geschrieben, den Chorus aber beibehalten. Das neu geschaffene Lied passt gut zur gelösten Atmosphäre, sofort stehen alle auf und singen mit, Lena und Stefanie Kloß Arm in Arm. Kelly fühlt sich hinterher an Bob Marley erinnert. "Man merkt einfach, dass das Vollblutmusiker sind", sagt Gentleman über die Band. 

Cowgirls mit Ukulelen 

Lena Meyer-Landrut begeistert vor allem Sascha Vollmer mit ihrer Wahl: "Break Free" von 2009. "Das ist einer unserer Lieblingstitel", sagt er, während sich Alec Völkel noch für seine Schmalzfrisur aus dem alten Video schämt. "Das steht für eine andere Seite von BossHoss, eher sanft, musikalisch neu", freut aber auch er sich auf den Song.

Lena interpretiert eher ruhig und poppig. Zwischendurch scheint sie tatsächlich loszulassen und tanzt. "Ich habe vergessen, dass wir uns in einer BossHoss-Sendung befinden, ich dachte, das wäre der neue Lena-Song", zeigt sich Mark Forster beeindruckt. Sascha Vollmer ist ganz gerührt: "Das ist so eine Ehre - meine Tochter ist ein Fan von dir und jetzt singst du einen Song von Papa."

Lena Meyer-Landrut zu Tränen gerührt FOTO: VOX / Markus Hertrich

Nach einem kurzen Ausflug Richtung Film (im neuen "Hanni und Nanni" spielt Vollmer den Papa der Zwillinge, "aber eigentlich mich selbst", wie er sagt) ist dann Stefanie Kloß dran. Sie hat ihre Band Silbermond mitgebracht und liefert eine rockige Version von "Liberty Of Action" ab. Viel Gitarrensound begleitet den kraftvollen Gesang - ein stimmiger Abschluss. 

Das finden offenbar auch The BossHoss. Stefanie bekommt nämlich eine der Ukulelen für den Song des Abends (weil sie zu zweit sind, dürfen sie auch zwei vergeben). Die andere geht von Sascha Vollmer an Lena, mit einer innigen Umarmung des sichtlich immer noch gerührten Musiker-Papas. Und nach einer ebenso gefühligen Gruppen-Umarmung sind sich alle einig: Zum Glück ist das noch nicht das Ende von "Sing meinen Song". In der nächsten Woche wartet der Duettabend.

 
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Sing meinen Song 2017: The BossHoss spielen gern mit Klischees


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