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Düsseldorf
So alt ist das TV-Programm

Düsseldorf: So alt ist das TV-Programm
FOTO: DWDL/Hörzu, Grafik: Ferl
Düsseldorf. Derzeit bestimmen Wiederholungen das Fernsehprogramm. Einige Sender übertreiben es dabei besonders gerne. Von Jessica Kuschnik

Gute Sendeplätze sind heiß begehrt. Die Serien oder Shows, die es ins Prime-Time-Programm schaffen, können oft auch etwas - eigentlich. Denn in den Sommermonaten sieht das ganz anders aus. Dann laufen zweitklassige Produktionen und - immer und immer wieder - Wiederholungen. Da überkommt den gemeinen TV-Zuschauer schnell ein Déjà-vu-Erlebnis, wenn ihm zum hundertsten Mal Uralt-Filme wie "Dirty Dancing" oder längst bekannte Serien vorgesetzt werden. TV-Premieren gibt es scheinbar kaum noch. Scheinbar. Der Mediendienst DWDL hat in Zusammenarbeit mit der Fernsehzeitschrift Hörzu das TV-Programm unter die Lupe genommen und sich eine Übersicht der Sender verschafft, die doch auf Neues setzen.

Die meisten Premieren brachten demnach ARD und ZDF auf den Bildschirm. Die öffentlich-rechtlichen Sender lagen laut Uwe Mantel von DWDL im vergangenen Programmjahr (Juni 2014 bis Mai 2015) mit 80 (ARD) und 79 Prozent (ZDF) Erstausstrahlungen ganz weit vorn. Im Sommerlochmonat Juni brachte es die ARD immerhin auf 78 Prozent. Platz 3 geht an den Privatsender RTL. Er folgt mit einigem Abstand und rund 70 Prozent TV-Premieren. Lob vom Experten gibt es für die Erstplatzierten: "Der Anteil an Erstausstrahlungen ist in fast jedem Monat bei ARD und ZDF am höchsten", sagt Uwe Mantel. "Darüber hinaus unterliegen alle TV-Sender jahreszeitlichen Schwankungen, wobei diese bei Sat.1 besonders extrem ausfallen."

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Hier besteht laut Mantel dringender Handlungsbedarf, sonst katapultiert sich der Sender ganz schnell ins Aus. Der Sender müsse dringend in TV-Premieren investieren, denn die Konkurrenz macht es auch. "Bei Sat.1 lief im Januar nur an acht Abenden eine Premiere. Das hat sich im Februar mit einer Serienoffensive komplett gedreht, doch schon im Mai wurde der Sender wieder auf den letzten Platz durchgereicht", sagt Mantel. Vergangenen Juni stand es nicht besser: 25 Prozent Erstausstrahlungen, das war's. Dem Sender fehle es in fast allen Genres an frischen Produkten, die den Zuschauer vor den Bildschirm locken.

Ebenfalls nachsitzen muss Kabel eins mit nur 28 Prozent TV-Premieren im Juni. Der Sender landet auf dem letzten Platz, da es "eindeutig an Eigenproduktionen fehlt", so Mantel. Statt dessen landen TV-Klassiker im Programm - "die besten Filme aller Zeiten". Das Problem: alles schon gesehen.

Tatsächlich stellt sich vor allem bei den Privatsendern oft das Kenne-ich-Gefühl ein. Da rollen sich dem Zuschauer die Zehnägel hoch, wenn er schon wieder den Pro-Sieben-"Klassiker" "Big Bang Theory" sehen muss. Es droht der absolute Overkill. Schlecht, dass sich die "Serientäter" auch noch in die Prime-Time verirrt haben. Denn für den DWDL-"Frischeindex" haben sich die Experten ausgerechnet den Programmzeitraum 20.15 Uhr bis Mitternacht herausgepickt. Auf der Basis von Quellen wie Sendeprotokoll und Senderangaben wurde das Verhältnis von Free-TV-Premieren und Erstausstrahlungen zu Wiederholungen ermittelt.

Die Fülle der Erstausstrahlungen geht aber immer mit einer gewissen Genreauswahl einher. So punkten die öffentlich-rechtlichen Sender meist auch nicht mit eigenproduzierten Filmen oder Serien. Sie zeigten unter der Woche bis weit nach Mitternacht vorzugsweise Nachrichten, Talk-Magazine und Dokumentationen - die dann eben als Erstausstrahlungen gewertet werden. "Die Privatsender jedoch geben den späten Abend immer mehr auf", meint TV-Experte Uwe Mantel.

Quelle: RP
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