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"Tatort"-Schnellcheck
Der wuschige Würger von Weimar

Szenenbilder aus dem "Tatort: Der wüste Gobi"
Szenenbilder aus dem "Tatort: Der wüste Gobi" FOTO: MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebau
Düsseldorf. Christian Ulmen und Nora Tschirner legen sich diesmal mit einem Irren an, der seine Pflegerinnen in der Psychiatrie mit selbstgebastelten Woll-Dessous becirct. Als Krimi ist das nix, aber als Klamauk ziemlich gut. Von Tobias Jochheim

90 Minuten in 90 Zeichen

Benjamin Button? Dies ist der seltsame Fall des Gotthilf Bigamiluschvatokovtschvili.

Darum ging es

Gobi ist los. Nein, nein, nicht Grobi aus der Sesamstraße. Sondern Gotthilf Bigamiluschvatokovtschvili, genannt Gobi, der aber wiederum als Grobian gilt, genauer gesagt als Dreifachmörder. Als seine Verlegung aus der forensischen Psychiatrie in ein normales Gefängnis scheitert, ergreift er die Flucht. Dass er vorher noch eine Pflegerin erwürgt, wird dem Publikum zunächst als Fakt präsentiert. Die clevere Kira Dorn (Nora Tschirner) beweist aber einmal mehr den richtigen Riecher, als sie einen "klassischen Trittbrett-Würger" am Werk sieht.

Darum ging es nicht

Um die Verantwortung von Psychiatern und Gutachtern für ihre Patienten, die leicht zu Machtmissbrauch führen kann. Um Verhältnisse zwischen Insassen und Pflegerinnen. Und um ein Maß an Zuneigung, das jede Verhältnismäßigkeit sprengt. Wie sagt Lessing (Christian Ulmen) so schön zu Gobis Verlobter? "Er könnte ein Robbenbaby vor Ihren Augen erwürgen, und Sie würden nur sagen: 'Oh, was hat der für schöne Hände!'" All diese interessanten Themen dienen nur als Hintergrund für Gags. Einerseits ist das einigermaßen unverfroren, andererseits eine schöne Abwechslung vor allem für jene, die gern über die Sozialpolitisierung des "Tatort" zetern.

TV: "Tatort": Termine, Teams und Titel der Saison 2017 FOTO: dpa, bt kde sab kde

Das war schlecht

Aus Weimar gab's schon bessere, weil noch wahnsinnigere Kost - Woll-Dessous und Bärenfalle hin oder her. Als Krimi fällt "Der wüste Gobi" glatt durch, weil die Auflösung zu vorhersehbar ist: Gobi (Jürgen Vogel) ist ein Opfer, und auch sein exzentrischer Psychiater ist nicht an allem Schuld. Die wahre Würgerin von Weimar ist Gobis Verlobte: Die gar nicht harmlose Harfenistin henkt jede von Gobis zahlreichen Geliebten.

Das war gut

Erstens und vor allem Elmar Eisner, der Psychiatrie-Professor, der Pandabären und Eichhörnchen abknallt ("Du kackst mir nicht mehr in mein Cabrio!") und ausstopft sowie versehentlich seine frisch verstorbene Gattin per "Brandbeschleuniger-Suppe" in Flammen aufgehen lässt.

Zweitens Jürgen Vogel als medikamentenbedingt maximal verwirrter und genau so potenter Gobi. Dorns Urteil "Er hat vielleicht Pudding im Nischel (= Kopf), aber Stahl in der Hose" hat sich der Gute redlich verdient. Als er von seiner Verlobten inflagranti mit einer anderen erwischt wird, probiert er es mit: "Ich bin eingenickt. Diese Frau muss sich auf mich gesetzt haben. Und ich dachte, sie wäre du!"

Drittens die Auftritte des sagenhaft dämlichen Lupo, der etwa das Kunststück vollbringt, nicht zu schlussfolgern, dass Gobi in einer Frauenverkleidung aus der Psychiatire getürmt ist, sondern verkündet: "Entweder sie hat eine Zwillingsschwester – oder der Pförtner lügt!" Kein Wunder, dass Dorn bald faucht: "Ich hab mir vorgenommen, dir mit Respekt zu begegnen... – aber du machst es einem echt nicht leicht."

Viertens die Entscheidung der Macher, den naheliegendsten Gag umzudrehen: Lessing spricht den neunsilbigen Nachnamen Bigamiluschvatokovtschvili stets fehlerfrei aus. Nach entsprechend viel Übung, versteht sich.

 
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