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Staffel 7 von "Game of Thrones"
Das Spiel ist bald zu Ende

Game of Thrones - Staffel 7: Das ist der neue Trailer
Düsseldorf. Im Abstand weniger Wochen sind zwei Trailer zur 7. Staffel von "Game of Thrones" herausgekommen. Sie wecken die Vorfreude. Und sie lassen die Fans rätseln, was ab dem 16. Juli in der Kult-Serie passieren wird. Von Ludwig Jovanovic

Die neue Herrscherin der sieben Königslande steht mit den Rücken zur Wand. Überall um Cersei Lannister (Lena Headey) herum formieren sich ihre Gegner. Wie sie selbst im ersten Trailer sagt. Daenarys Targaryen (Emilia Clarke) landet auf Drachenstein – dem Ort, vom dem ihre Vorfahren einst Westeros eroberten. Sie herrschten dort mehrere hundert Jahre. Bis zur Rebellion gegen Daenarys' Vater, die sie noch als Baby dazu zwang, ins Exil zu gehen. An ihrer Seite stehen das Haus Tyrell aus Rosengarten und die Sands aus Dorne, Yara (Gemma Whelan) und Theon (Alfie Allen) Graufreud sowie die Armee der "Unbefleckten" und die Horden der Dothraki.

Cersei bleibt offenbar nur noch ein Alliierter in dem unvermeidbaren Krieg: Euron Graufreud (Pilou Asbaek). Im zweiten Trailer sieht man, wie seine Flotte Königsmund erreicht. Und man zeigt uns die Bewohner der Hauptstadt, die dunkel gekleideten Soldaten zujubeln. Weil die Lannister-Banner allerdings noch überall hängen, scheinen es keine Eroberer zu sein, sondern Verbündete. 

Neue, seltsame Bündnisse

Euron Graufreud wollte sich in der sechsten Staffel noch mit Daenarys Targaryen zusammentun und mit ihr die sieben Königslande erobern. Da seine Nichte Yara und sein Neffe Theon sich aber mittlerweile Daenarys angeschlossen haben und beide nicht sonderlich gut auf ihn zu sprechen sind, existiert diese Option für seine ambitionierten Pläne nicht mehr. Also wählt er die andere Seite – Cersei Lanister, die in den Trailern überaus verächtlich auf ihn herabblickt. Freunde werden sie kaum. Aber ihr gehen die Optionen aus. Und Euron scheint sich als wertvoller Verbündeter zu erweisen. Offenbar schlägt er die Daenarys-Flotte unter dem Kommando Yara und Theon bei ihrem Vorstoß auf Königsmund zurück. Was das für die Besiegten heißen wird, kann man sich kaum vorstellen. Weder Cersei noch Euron sind bislang durch große Rücksicht oder viel Mitgefühl aufgefallen. Und Eurons Schauspieler Pilou Asbaek hat kürzlich in einem Interview gesagt, dass der bislang widerlichste und sadistischste Charakter der Serie, Ramsay Bolton (Iwan Rheon), gegen ihn wie ein kleines Kind wirken wird.

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Wir gehen von einem Punktsieg für Cersei Lannister und ihrem neuen Verbündeten aus. Dafür aber setzt Daenarys einen Plan um, den auch schon Robb Stark (Richard Madden) in der 3. Staffel hatte: die Lannisters dort treffen, wo es wehtut – in ihrem Stammsitz Casteryl-Stein. Im zweiten Trailer sehen wir, wie Grauer Wurm (Jacob Anderson) in einem Boot eine Höhle ansteuert. Wir erinnern uns, wie Tyrion Lannister (Peter Dinklage) in der zweiten Staffel Lord Varys (Conleth Hill) erzählt hat: "Als ich das Mannesalter erreichte, übertrug mein Vater mir die Verantwortung über die Abwasserkanäle und Zisternen in Casterly-Stein." Tyrion ist mittlerweile ein wichtiger Verbündeter von Daenarys. Und wenn jemand einen geheimen Zugang zu Casterly-Stein über das Abwassersystem kennt, dann er. Unsere Vermutung: Grauer Wurm führt eine kleine Einheit an, die Casteryl-Stein infiltriert und dann die Tore öffnet, damit die restlichen Truppen die Stadt erobern. Vermutlich werden sie dann Casterly-Stein dem Erdboden gleichmachen. Es hätte eine gewisse Ironie. Das ruhmreiche Lied der Lannisters, "Der Regen von Castamaer", handelt davon, wie die Familie das aufständische Haus Regn vernichtet und Castamaer niederbrennt. Die Lannisters würde dann eben jenes Schicksal treffen, auf das sie so stolz sind.

Cersei gewinnt eine Schlacht und verliert ihre Heimat

Mit der Eroberung Casterly-Steins beschädigt Daenarys zudem nicht nur das Ansehen der neuen Regentin Cersie und das Vertrauen zu ihr. Sie nimmt die scheinbare Quelle ihrer Macht in Besitz: die Goldminen und den damit verbundenen Reichtum. Mittlerweile wissen wir, dass diese Minen längst nichts mehr abwerfen und die Lannisters bankrott sind. Ein Geheimnis, dass die Familie bislang gehütet hat. Mit der Eroberung indes könnte es bald jeder wissen. In der zweiten Staffel sagte Varys: "Die Macht wohnt dort, wo die Menschen glauben, dass sie wohnt." Wenn Gerüchte die Runde machen, dass die Lannisters nicht mehr in der Lage sind, ihre Schulden zu begleichen und niemand mehr an ihre Macht glaubt, wird Cerseis Einfluss schwinden.

Davon abgesehen verliert sie auch noch eine entscheidende Schlacht: Ob sie nun vor den Toren Casterly-Steins (wahrscheinlich) oder vor den Toren Königsmunds (wir glauben nicht) stattfindet, wissen wir nicht. Aber wir sehen im zweiten Trailer wie Jaimie Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) und Bronn (Jerome Flynn) die Lannister-Truppen kommandieren, die gegen die "Unbefleckten" und die Dothraki-Horden kämpfen – die Daenarys folgen. Vor allem aber werden sie von einem Drachen unterstützt. Es ist nicht ganz klar, welcher der drei Drachen in der Schlacht auftritt. Im ersten Trailer schien es Drogon zu sein, nach dem zweiten Trailer aber tendieren wir eher zu Rhaegal. Und das ist entscheidend. Denn auf jeden Fall scheint jemand auf dem Drachen zu reiten. Im Fall von Drogon wäre es klar: Daenarys führt ihn in den Kampf. Wenn es aber Rhaegal ist: Wer sitzt auf ihm? Wir vermuten, dass es Tyrion ist. Schließlich hat er sich bereits in der vergangenen Staffel mit diesem Drachen gut verstanden. Und auch wir denken das, was alle Fans ohnehin glauben: Er ist in Wahrheit ein Targaryen und darum ein geborener Drachenreiter.

Es hätte zudem etwas Tragisches und Bewegendes, wenn Tyrion in der Schlacht gegen den einzigen Lannister antritt, der ihm etwas bedeutet: Jaimie. Zwei Brüder, die nicht gegeneinander kämpfen wollen und doch dazu gezwungen sind. Das würde auch erklären, warum Jaimie im zweiten Trailer mit einer Lanze verzweifelt durch die Flammen reitet – die vermutlich Rhaegal und Tyrion auf dem Schlachtfeld entzündet haben: Er will nicht glauben, dass sein Bruder ihre gemeinsame Heimat vernichtet.

Auf der Suche nach einem Helden im Norden

Dabei ist der Kampf um die Herrschaft in Westeros bedeutungslos angesichts der Bedrohung durch die dämonenhaften Weißen Wanderer im Norden. Bran (Isaac Hempstead Wrigt) und Meera (Ellie Kendrick) erreichen offenbar das Tor der schwarzen Festung und lassen die Mauer hinter sich. Im zweiten Trailer sehen wir Bran in einem Rollstuhl im Götterhain von Winterfell – als er gerade auf magische Weise einen Raben übernimmt und auf die Armee der Untoten blickt, die der Nachtkönig der Weißen Wanderer nach Süden führt. Allerdings scheint der auch Bran zu erkennen. Seit er den jungen Stark in einer Vision berührt hat, verbindet sie ein besonderes Band. Eins, das vielleicht so mächtig ist, dass es die Weißen Wanderer jenseits der Mauer führt, die sie eigentlich aufhalten soll. 

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Dann hätte Brans Heimkehr fatale Folgen. Und vielleicht ist das der Grund, warum sich Jon Schnee (Kit Harrington) und einige wenige Gefährten, darunter Tormund (Kristofer Hivju) und Beric Dondarrion (Richard Dormer) von der Bruderschaft ohne Banner, auf den Weg in den Norden machen. Was genau sie dort suchen, wissen wir nicht. Offenbar glauben sie aber, dass sie einen Weg gefunden haben, die Weißen Wanderer aufzuhalten. Wir sehen nur kurz im zweiten Trailer, dass Jon Schnee mit dem Schwert in der Hand vor einer Armee von Untoten steht und es im Hintergrund brennt. 

Unsere Vermutung: Ein Drache eilt der Gruppe zu Hilfe. Das würde dafür sprechen, dass Jon und Daenarys sich vorher getroffen und verbündet haben. Etwas, wovon Jon Schnee die Lords im Norden erst überzeugen muss. Im zweiten Trailer sagt er: "Seit Jahrhunderten kämpfen unsere Familien zusammen. Gegen den gemeinsamen Feind. Trotz aller Differenzen – zusammen. Wir müssen es wieder tun, wenn wir überleben wollen." Das hört sich an, als ob er den Norden auf eine neue, schwierige Allianz einschwören will – mit Daenarys Targaryen. Knapp 25 Jahre, nachdem man fast ihre gesamte Familie getötet und die Herrschaft ihres Vaters beendet hat.

Möglicherweise glaubt Jon auch mittlerweile daran, dass er der wiedergeborene Azor Ahai ist. Jener legendäre Held, der die Dunkelheit vor Jahrtausenden bezwang. Eigentlich war sein leiblicher Vater Rhaegar dazu auserkoren. Aber nach dessen Tod gab es niemanden, der dieses Schicksal erfüllen konnte. Nun gibt es gleich mehrere Kandidaten neben Jon Schnee. Beric Dondarrion beispielsweise sieht man in den Trailern mit einem Flammenschwert – so wie einst Azor Ahai. Auch Daenarys kommt in Frage oder eventuell jemand, den niemand auf der Rechnung hat. 

Was wird aus Sansa?

Zumal einiges noch offen ist: Was ist aus Jorah Mormont (Iain Glen) geworden? Daenarys hat ihn aufgetragen, ein Heilmittel gegen die Grauschuppen-Krankheit zu finden, unter der er leidet. Im ersten Trailer sieht man nur einen offenbar infizierten Arm, der aus einer Art Kerkertür gehalten wird. Es könnte Jorahs Arm sein. 

Fotos: Emilia Clarke – Drachenflüsterin und sexiest woman alive FOTO: ap

Auch bei Arya (Maisie Williams) halten sich die Trailer bedeckt. Es scheint so, als ob sie nach Winterfell zurückkehrt. Und die Rollen von Sansa (Sophie Turner) und Lord Baelish (Aidan Gillen) lässt man im Dunkeln. Man hört nur im zweiten Trailer, wie Baelish weiterhin versucht, Sansa zu beeinflussen und sie gegen Jon Schnee aufzubringen. Die einzelnen Schlachten und Kriege seien bedeutungslos, man müsse alle Schlachten im Blick behalten – so wie Lord Baelish, der weiterhin an seinem Langzeitplan arbeitet, die Macht in ganz Westeros zu übernehmen. 

Am Ende des zweiten Trailers hören wir dann aber Sansa, wie sie kalt und mitleidlos spricht – wie damals, als sie die Hunde freiließ, die ihren Peiniger und Vergewaltiger Ramsay Bolton töteten. "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf – aber das Rudel überlebt." Zu wem sagt sie das? Zu Lord Baelish, als sie sich von seinen Einflüsterungen löst und ihn umbringen lässt? Auf ihn würde die Bezeichnung "einsamer Wolf" zutreffen und er hat ihren Vater in der ersten Staffel verraten. Sagt sie es über Jon Schnee, als sie den Einflüsterungen von Lord Baelish erliegt und ihn aus der Welt schaffen möchte? Wird Sansa unter dem Einfluss von Baelish immer berechnender? Vielleicht richten sich ihre Worte an Arya, die sie für ihre Ziele opfern will. Im besten Fall versucht sie so, Arya wieder in die Stark-Familie einzubinden, mit der die jüngste Tochter nach ihrer Odyssee fast nur noch ihr Rachefeldzug verbindet. Wir müssen abwarten. Bis zum 16. Juli, wenn die 7. Staffel von Game of Thrones in den USA startet.

(jov)
 
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