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Ein Fan über den TV-Ausstieg
Fünf Gründe, warum ich Stefan Raab vermissen werde

Fotos: Stefan Raab – seine Shows, seine Preise, seine Karriere
Fotos: Stefan Raab – seine Shows, seine Preise, seine Karriere FOTO: dpa, bra vfd sab lof
Düsseldorf. Stefan Raab ist ein Phänomen. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Unser Autor ist traurig über Raabs Karriereende. Hier erklärt er, warum. Von Maximilian Twellmeyer

Ich gebe zu, ich bin ein Fan von Stefan Raab, daher hat mich die Nachricht, dass er aufhört auch ehrlich schockiert. Doch warum eigentlich? Was ist so besonders an diesem gelernten Metzger, der auf ProSieben mal bessere und mal schlechtere Witze reißt?

  1. Er ist innovativ
    Nichts kann man wohl eher über Stefan Raab sagen als das. Kaum ein Moderator hat in diesem Jahrtausend die Medienlandschaft so sehr beeinflusst wie er. Er hat Show-Formate entwickelt, in die kein Sender im Normalfall überhaupt Budget investiert hätte. Aber er ist Stefan Raab. Was er anfasste, wurde zu Gold. 
  2. Ich habe Poker verstanden
    Das mag auf den ersten Blick trivial erscheinen, aber nur durch die "TV total Pokerstars.de Nacht" habe ich das Spiel gelernt. Er hat es geschafft dieses Glücksspiel, das man sonst nur auf Eurosport oder Sport1 sieht, salonfähig zu machen. Das Besondere an diesen Pokernächten war, dass das Spiel nie im Vordergrund stand, es waren die Gespräche von Stefan Raab mit seinen Gästen, die diese Nächte für mich besonders gemacht haben. Zu sehen, wie er in einer unterlegenen Situation trotzdem All-In geht und sich doch noch irgendwie rettet, war herrlich. Und nebenbei schrieb er noch einen "Poker-Schlager", den ich immer noch gerne höre.
  3. Er hat dem Samstagabend im Fernsehen einen Sinn gegeben.
    Früher war es so, dass der Samstag für viele junge Zuschauer nur zwischen dem Spielfilm-Freitag und dem Spielfilm-Sonntag lag. Es wurden entweder irgendwelche "Galileo"-Spezials, Castingshows oder langweilige Filme, die es weder auf den Freitag noch auf den Sonntag geschafft hatten, gezeigt. Stefan Raab hat mit seiner Show "Schlag den Raab" den Samstag verändert. Der Samstagabend wurde zum Show-Abend. Und er war damit erfolgreich. Nicht jeder Sender wäre bereit, seinen Sendeplan für den Samstagabend nur ungenau planen zu können, da man nicht weiß, wie lange das Hauptprogramm dauert. Bei DSDS wird das Finale zeitlich genau geplant, damit man nicht plötzlich den gesamten Abend umorganisieren muss. Bei "Schlag den Raab" wusste man nie genau, wie lange die Show dauern würde, und das machte den Fernsehabend spannender. Es war überraschend, welche Spiele sich die Redaktion diesmal ausgedacht hatte, um zu entscheiden, wer mit 500.000 Euro nach Hause geht.
  4. Er hat Polit-Talk zu Unterhaltung gemacht
    Das Hauptproblem bei Polit-Talk: Er war entweder langweilig oder ein lautes Durcheinander, bei dem das Thema unterging. Doch mit "Absolute Mehrheit" hat Raab ein Format entwickelt, bei dem die politischen Themen unterhaltsam wurden. Das Abstimmungsprinzip, um zu schauen, wer mit seinen Argumenten wirklich überzeugen kann, hat man seitdem nicht mehr gesehen. Aber es war auch klar, dass "Absolute Mehrheit" keine dauerhafte Sendung werden soll. Stefan Raab hat es trotzdem gemacht. Weil er weiß, dass er es kann.
  5. Er war Wegbereiter
    Raab hat den Weg für Menschen wie Joko Winterscheidt, Klaas Heufer-Umlauf und auch Jan Böhmermann geebnet, auch wenn dieser es vermutlich nicht gerne hört. Er hat gezeigt, wie unterhaltsam und kreativ Fernsehen sein darf. Besonders Joko und Klaas sind ihm auf diesem Weg gefolgt. Sie fangen kleiner an, gehen aber in eine ähnliche Richtung. Sie entwickeln Shows (das "Duell um die Welt") oder gliedern Teile aus ihrer Hauptsendung aus, wie "Mein bester Feind". Es bleibt zu hoffen, dass ProSieben den Wert solcher Formate erkennt und nicht nur noch SitComs zeigt, denn die kann ich auch auf Netflix gucken.

Weitere Informationen zu Stefan Raab in unserem Dossier.

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