| 14.09 Uhr

"Stern TV"
K.o.-Tropfen verabreicht: Im Cafe wird Frau geholfen, in der Disko nicht

Stern TV macht ein Psycho-Experiment mit K.o.-Tropfen
Bei Stern TV mit Steffen Hallaschka ging es am 22. Juli unter anderem um die Frage: Wie empathisch sind die Deutschen? FOTO: RTL
Köln. "Das ist doch nicht mein Problem!" Ist das ein typisch deutscher Satz? Wie empathisch sind wir Deutschen? Das Magazin "Stern TV" wollte das mithilfe eines Experiments testen: Einer Frau werden K.o.-Tropfen verabreicht, andere sehen es. Das Ergebnis: Ob der Frau geholfen wird oder nicht, kommt auf den Ort an, an dem es passiert. Von Laura Sandgathe

Empathie, das ist die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und ihre Gefühle nachzuempfinden. Wer über Einfühlungsvermögen verfügt, der ist auch bereit, Fremden zu helfen, wenn diese in eine offensichtliche Notsituation geraten. Doch wie empathisch sind die Deutschen? Das wollten die Macher des RTL-Magazins "Stern TV" in ihrer Sendung am Mittwochabend herausfinden.

Dazu führten sie mehrere "Psycho-Experimente" durch. Die Ergebnisse wurden jeweils kommentiert von Verhaltensforscherin Christiane Tramitz. Eines der Experimente war besonders erschütternd: Ein Mann gibt einer Frau K.o.-Tropfen ins Glas. Mehrere Menschen sehen es. Aber schreiten sie auch ein und helfen der Frau?

Hintergrund: Was sie bewirken, wie man sich schützt! FOTO: centertv

Tatsächlich kommt es in dieser Frage auf den Ort an, an dem der Vorfall passiert – so jedenfalls das Ergebnis des "Stern TV"-Experiments. In einem Cafe verhindern die Anwesenden, dass die junge Frau aus dem Glas mit den K.o.-Tropfen trinkt. Ein Mann springt sofort auf, will sogar die Polizei rufen. "Sie hätten ja auch einfach denken können, das ist nicht mein Problem", heißt es im Anschluss-Interview zu dem Mann. "Nein", sagt dieser. "Da kann man nicht einfach zugucken!"

Dass das doch geht, zeigt das anschließende zweite Experiment. Wieder werden einer Frau K.o.-Tropfen verabreicht, wieder sehen es mehrere der Anwesenden. Doch dieses Mal schreitet niemand ein, noch nicht einmal, als der Mann, der die Tropfen ins Glas gegeben hat, die Frau wegzieht. Und das, obwohl diese sich wehrt. Der Unterschied zum ersten Experiment ist nur der Ort. Dieses Mal passiert der Vorfall in einer Disko.

Rotlicht-Razzia Düsseldorf – die Beweismittel FOTO: dpa, Daniel Naupold

Als die Journalisten von "Stern TV" nach dem Experiment einen Mann ansprechen und ihn fragen, warum er nicht geholfen habe, wirkt dieser unentschlossen. "Es wäre vielleicht besser gewesen, ihr zu helfen", sagt er. Überzeugend klingt er nicht. Ob er sich beim nächsten Mal anders verhalten würde, bleibt unklar.

Verhaltensforscherin Christiane Tramitz hat eine Erklärung für das unterschiedliche Verhalten in Cafe und Disko: "In der Disko sind wir abgelenkt und wollen Spaß haben, wir beschäftigen uns mit uns selbst und sind nicht in der Stimmung, anderen zu helfen", sagt sie. Im Cafe dagegen sei man entspannt, beobachte die anderen Gäste und sei dann eher bereit, sich für sie einzusetzen.

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Doch ist das wirklich die einzige Erklärung dafür, dass im Disko-Experiment mehrere Menschen tatenlos zusehen, wie eine vermeintlich wehrlose Frau von einem fremden Mann erst unter Drogen gesetzt und dann weggezerrt wird – dass wir lieber Spaß haben wollen als für andere einzustehen? Laut Verhaltensforscherin Tramitz ja. Außerdem sei jeder Mensch unterschiedlich stark empathisch oder eben nicht. Empathie könne man aber auch lernen, fügt sie hinzu: "Es gibt viele Methoden, die eigene Empathie zu trainieren. Eine sehr einfache Übung ist, die Mimik von Menschen nachzuahmen. Denn das löst eine Rückkopplung im Gehirn aus und hilft uns nachzuempfinden, wie es der Person geht. Man kann das sogar anhand von Filmen üben."

(lsa)
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