| 16.18 Uhr

Studie der Uni Münster
Serien sind längst raus aus der Nische

Die beliebtesten "Neuen Drama-Serien"
Die beliebtesten "Neuen Drama-Serien" FOTO: Warner Home Video
Münster/Potsdam. "Game of Thrones", "Breaking Bad" oder "The Walking Dead" sind beliebt. Das bestätigt nun auch eine wissenschaftliche Studie der Universität Münster. Sie räumt einer bisher unterschätzten Serienkategorie mehr Bedeutung ein.

Serien sind laut einer Studie der Universität Münster längst keine Nischenprodukte mehr. "Fast jeder zweite Deutsche mit Internet-Zugang kennt zumindest einige Vertreter dieses neuartigen Typs TV-Serie", sagte der Marketingwissenschaftler Thorsten Hennig-Thurau. Seine Studie "Phänomen Neue Drama-Serien" stellte er bei der internationalen "Big Data, Big Movies"-Konferenz in Potsdam vor. Die Annahme, dass nur ein kleiner Prozentsatz solche Serien wahrnehme, sei falsch. Vielmehr handele es sich um ein Massenphänomen.

Die Wissenschaftler haben für ihre Studie internationale, englischsprachig produzierte Serien untersucht. In Deutschland werden demnach davon am meisten angeschaut: "The Walking Dead" (23 Prozent der Bevölkerung), "Lost" (19 Prozent) und "Game of Thrones" (18 Prozent). Untersucht wurden die Unterschiede zwischen diesem neuen Serientyp und herkömmlich produzierten TV-Serien. Dazu befragten die Wissenschaftler 4000 repräsentative Zuschauer.

Als "Neue Drama-Serien" haben die Wissenschaftler moderne, anspruchsvolle Serien wie "House of Cards", "Sherlock" oder "Homeland" identifiziert. Als konventionelle Serien bezeichnen sie etwa "Dr. House" oder "Grey's Anatomy". Zwar werden die "neuen" Serien laut Studie von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten geschaut. Aber: "Ihre größten Fans sind jüngere Männer mit hohem kulturellem Kapital, die in Großstädten wohnen", sagte der Wissenschaftler.

Trend: "Binge-Watching"

Dabei beobachteten die Wissenschaftler auch das sogenannte "Binge-Watching": "Jeder vierte Zuschauer guckt mindestens drei Folgen am Stück - und immerhin sieben Prozent gleich eine ganze Serien-Staffel", so Hennig-Thurau. Außerdem haben sie herausgefunden, dass die "neuen" Serien fast durchweg besser bewertet werden als die "klassischen".

Unter die Top 10 der am besten bewerteten Serien schafft es mit der Anwaltsserie "Suits" (Platz 9) nur eine als "klassisch" eingestufte Serie. Auf Platz eins: "Game of Thrones", gefolgt von "True Detective" und "Breaking Bad".

Hinzu kommt: Die "neuen" Serien werden vollständiger geschaut. 40 Prozent der Zuschauer haben sämtliche verfügbaren Staffeln und Folgen geschaut. Bei den herkömmlichen Serien sind es nur 22 Prozent.

Ziel der Studie war es, die deutsche Film- und Fernsehlandschaft dabei zu unterstützen, "wettbewerbsfähige neue Drama-Serien zu kreieren, die von den Zuschauern auch angenommen werden".

Doch warum sind die "neuen" Serien so beliebt? Laut der Studie unterscheiden sie sich durch Inhalt und Erzählweise, aber auch durch Originalität und Radikalität von den klassischen. Das Fazit der Wissenschaftler: "Ausschlaggebend für den Erfolg ist neben der Atmosphäre auch der Mut ihrer Macher zu radikalen und überraschenden Elementen."

(viw/dpa)
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