| 22.56 Uhr

RTL-Show am Samstagabend
Supertalent ohne super Talente

Supertalent 2012: Sendung ohne Talente
Supertalent 2012: Sendung ohne Talente FOTO: RTL/Andreas Friese
Düsseldorf. "Supertalent" sucht Menschen, die über ein besonderes Talent verfügen. In den Staffeln zuvor war RTL hin und wieder auch fündig geworden. Neu dürfte indes sein, dass es dem Sender zunehmend schwer fällt, Supertalente vor die Kamera zu locken. So wurde die Sendung zum Langweiler. Von Nicolas Berthold

Wie in den unzähligen Sendungen und Staffeln zuvor vertrauten die Macher der Unterhaltungsshow auch an diesem Samstag auf bewährte Elemente: Bewegende Schicksale, viel nackte Haut und Kandidaten, die allein schon beim Betreten der Bühne den Fremdschämfaktor bedenklich ansteigen ließen.

Das ein oder andere Talent bekam der Zuschauer dann zwar auch zu sehen. Zur Rettung des Niveaus der Sendung konnte das nicht mehr beitragen. Doch der Reihe nach: Zunächst trat Sigi aus der Schweiz vor die Jury, bestehend aus Michelle Hunziker, Thomas Gottschalk und Dieter Bohlen. Der Bläser trällerte tapfer "Heut ist so ein schöner Tag" - für ihn wurde es keiner. Er erhielt kein Ja.

Esono, Rudi und John, die drei Straßenkünstler und Akrobaten aus Berlin, hatten laut Jury das Problem, dass nur einer aus dem Trio "wirklich was konnte". Auch für sie war Schluss. Da half auch Michelle Hunzikers aufgeregtes "Gestern wart ihr noch auf der Straße und heute seid ihr beim Supertalent – wuhhuuuuu!" nichts.

Ähnlich erging es "Roboter-Oma" Gisela Koch aus Gladbeck. Immerhin hatte sie der Jury Plätzchen mitgebracht, weil sie Geburtstag hatte. Ihr Auftritt im Roboter-Kostüm samt Musikuntermalung brachte ihr keine Punkte. Der zwölfjährige Sänger Brian Ngo aus Bern hob um kurz vor 21 Uhr endlich das Niveau der Sendung endlich an. Er gab Christina Perris "Jar of hearts" zum Besten. Der Lohn: Er erhielt dreimal ein "ja".

Als Bohlen Todor Georgiev als Thomas-Anders-Imitator im 80er Jahre Outfit erblickte, musste er erst einmal schlucken. Bohlen lächelte, als dieser "Cherry Cherry Lady" sang. Mehr Körperregung zeigte der Pop-Titan nicht. Es war das Aus für Georgiev.

Speziell für Bohlen hatte Schlagersänger und Songwriter Jürgen Reichert ein eigens komponiertes Lied mitgebracht: "Die Schatten einer Nacht". Bohlen quittierte den – mit viel Wohlwollen ausgedrückt – mäßigen Auftritt mit den Worten: "Der Einzige, der einen Schatten hat, bist Du." Da überraschte es nicht, dass Reichert keine Runde weiter kam.

Vinzenz Wagner aus Salzburg, der Tänzer mit nacktem Oberkörper, war als Erster für die bewegende Geschichte des Abends zuständig. Der junge Mann erlitt schwere Brandverletzungen, als eine Stichflamme ihn und sieben weitere Gäste eines Restaurants schwer verletzte.

Ganz nebenbei: Der Österreicher beherrschte das Tanzen gut und kam eine Runde weiter. Bei seiner Bewertung der Tanzeinlage offenbarte Bohlen das Dilemma der diesjährigen Staffel. "Es gibt Wenige, die es an diesem Abend so verdient haben, wie Du." Bohlen ist bekannt für deutliche Worte. An diesem Abend wirkten sie entlarvend.

Der in Kolumbien geborene Artist Orlando, der mittlerweile in Köln lebt, trat in einem bunten, vogelähnlichen Kostüm auf und zeigte eine Darbietung, die Michelle Hunziker zunächst anwiderte und das Publikum zu lauten Pfiffen und Buh-Rufen hinreißen ließ: Aus seinem bunten "Federkleid" purzelte eine Frau auf den Boden. Kunst, wie Orlando erklärte. Das Aus für ihn.

Und so ging es weiter an diesem Abend: Bruce Lacy als "Captain Jack" fiel durch. Opernsängerin Anja Tonejewa aus Frankfurt trat in einem barocken Kostüm auf, legte dieses schließlich ab, um in Unterwäsche aufzutreten und kassierte das dritte "Nein" .

Der erste Überraschungseffekt des Abends kam um 22.23 Uhr. Der wortkarge Opernsänger Andreas Böhme, der im weißen Muskelhemd erschien, überzeugte schließlich alle. Kaum jemand hatte eine solche Stimme erwartet, als er "Dein ist mein ganzes Herz" in Opernform sang. Bohlen berührte der Auftritt, Gottschalk nannte Böhme eine "Entdeckung" - drei "Ja".

Kurz vor Sendungsende wirbelte Kraftsportler Franz Müllner aus Österreich erst Autos wie Spielzeuge über die Bühne. Dann ließ er sich an allen Gliedmaßen festbinden und kämpfte gegen die Kraft von vier Motorrädern. Die Jury attestierte ihm Qualitäten, allerdings für das Guinness Buch der Rekorde.

Und wie war die Jury an diesem Abend? Zurückhaltend. Gottschalk und Bohlen, die sich in den ersten Sendungen anzickten, gaben sich entspannt und friedfertig. Schade. Die sonst üblichen Neckereien hätten zur Auflockerung des TV-Abends beigetragen.

(nbe/csi)
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