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München
Tai-Chi in Oberbayern

München. Eine Thailänderin erbt einen bayerischen Bauernhof - und einen feindseligen Schwiegervater.

Ein Wintermorgen im tief verschneiten Oberbayern. Die Stimmung zwischen dem alten Landwirt Hans (Michael Gwisdek) und seinem Sohn Joe (Stefan Murr) könnte kaum frostiger sein. Da steht plötzlich die junge Thailänderin Lamai (Mai Duong Kieu) auf dem Hof und fragt nach Joe. Soll sie bleiben? "Nur über meine Leiche", schimpft der Alte. Doch es ist Joes Leiche, die morgens drauf nach einer Liebesnacht starr im Bett liegt. Und Lamai ist nicht nur eine Urlaubsromanze, sondern Joes Witwe - die Alleinerbin des Hofes.

In der Komödie "Mein Schwiegervater, der Stinkstiefel" geht es in bester vorweihnachtlicher Tradition um Verbitterung und Liebe, aber auch um Vorurteile und Menschlichkeit. Fassungslos erfährt die Dorfgemeinschaft: Ihr Dorfpfarrer "Otti" (Simon Schwarz, "Tatort" und "About A Girl") war es, der Joe und Lamai nach einem ausgelassenen gemeinsamen Urlaub am Strand von Phuket traute. In hohem Bogen fliegt Lamais rosafarbener Koffer zunächst wieder vom Hof, doch schließlich muss Hans einsehen: Ab jetzt muss man sich zusammenraufen. Mit Joes Ex-Frau Wiebke (Marlene Morreis), die das Erbe selbst beansprucht, will er nämlich erst recht nichts zu tun haben.

So beginnt ein Tauziehen zwischen der Witwe und dem Schwiegervater. Stück für Stück erkämpft sich Lamai ihr Leben auf dem Hof, baut einen Trauer-Altar und übt morgens im Hof Kampfsport. Arbeit gebe es hier keine für sie, sagt der Alte. "Lamai macht Schnaps", entgegnet sie trotzig und macht sich mit Joes alter Alkohol-Destille ans Werk. Nur langsam entwickeln die beiden Sturköpfe Respekt füreinander. Irgendwann sieht Hans beim Tai-Chi nicht mehr verächtlich zu, sondern ahmt es am Fenster heimlich nach.

Trotz aller Situationskomik wird dank feiner schauspielerischer Arbeit deutlich, dass beide unter Einsamkeit und Trauer leiden. Gerade der mehrfach ausgezeichnete Michael Gwisdek ("Good Bye Lenin!", "Elementarteilchen") schafft immer wieder Momente, in denen die ruppige Hülle nachgibt und einen zutiefst verletzten Mann erkennen lässt, der selbst nicht mehr weiß, wo er hingehört.

"Mein Schwiegervater, der Stinkstiefel", ARD, 20.15 Uhr

(dpa)
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