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Tatort "Ätzend"
Rastlos in Berlin

Fotos: Szenen aus dem Berliner "Tatort: Ätzend"
Fotos: Szenen aus dem Berliner "Tatort: Ätzend" FOTO: ARD
Berlin. Eine iranische Familie ohne Papiere in Berlin, zwei Leichen und ein schwuler Kommissar. Der neue Berliner "Tatort" gibt 90 Minuten ein schnelles Tempo vor. Lohnte sich das Einschalten? Der Schnell-Check. Von Christian Sieben

90 Minuten in ca. 90 Zeichen

Eine schwangere Iranerin und ein rastloser Cop irren durch Berlin. Wichtige Fragen bleiben offen.

Worum ging es?

In ihrem zweiten "Tatort" bekamen es die Berliner Ermittler Robert Karow (Mark Waschke) und Nina Rubin (Meret Becker) gleich mit zwei Leichen zu tun. Der Fall brachte die Ermittler mit dem Schicksal einer Flüchtlingsfamilie in Berührung, die sich illegal in Berlin aufhält. Besonders das Schicksal der hochschwangeren Ehefrau des Verdächtigen wurde dabei anschaulich in Szene gesetzt. 

Der beste Spruch

Mit coolen Sprüchen sparen Karow und Rubin. Besonders Karow scheint sogar für coole Sprüche zu cool zu sein. Er trägt konsequent Maßanzüge und fährt mit quietschenden Reifen durch Berlin. Immerhin versucht es Kollegin Rubin. "Det scheint hier ja sonne Art Friedhof zu werden", berlinert sie, als die zweite Leiche auf der Baustelle entdeckt wurde. Recht lässig. 

Der ungewöhnliche Moment

Gegen Ende des Krimis gibt es so etwas wie eine "Tatort"-Premiere. Der Kommissar nimmt nach einem Kneipenbesuch einen jungen Mann mit nach Hause. Einen homosexuellen Haupt-Ermittler gab es noch nie. Die Szene trug aber letztlich auch dazu bei, dass der Film etwas überfrachtet wirkte. Neu ist die Idee zudem nicht. Götz George versuchte einst den WDR zu überreden, seine Figur Horst Schimanski als Homosexuellen spielen zu dürfen. 1981 wäre das ein Skandal und Medienereignis gewesen. 2015 gehört die Szene zu den eher langweiligen Passagen des Films. Und das ist wiederum gut so.

Der eindruckvollste Moment

Die Frau des verdächtigen Zahntechnikers irrt mit starken Wehen durch Berliner U-Bahnhöfe. Sie ist völlig hilflos, traut sich nicht in ein deutsches Krankenhaus, weil sie keine Papiere hat. Der Regisseur lässt diese Szenen unkommentiert für sich stehen. Der Zuschauer soll selbst seine Schlüsse ziehen.  

Freuen wir uns auf den nächsten Fall?

Ja, das tun wir. Auch wenn "Ätzend" stellenweise etwas überladen wirkte. Auch die Fortsetzungsgeschichte um Karows toten Ex-Kollegen verlangt dem Zuschauer eine Menge Konzentration ab. Hier müsste mal langsam etwas Licht ins Dunkle kommen, damit dieser Teil des Plots spannend und nachvollziehbar bleibt.

Hier finden Sie die Fotos aus diesem Tatort.

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