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Tatort "Auf einen Schlag"
Freundliche Gesichter statt "Pegida"

Szenen aus dem Tatort "Auf einen Schlag"
Szenen aus dem Tatort "Auf einen Schlag" FOTO: ARD
Dresden. Der neue "Tatort" spielt gegen Dresdens Image als "Pegida"-Hochburg an. Und ja, er ist lustig, anders und auch politisch. Von Martina Stöcker

Vor 16 Jahren wurde der Dresdner Kommissar Ehrlicher alias Peter Sodann zum "Einsatz in Leipzig" gerufen - seitdem war Dresden Krimi-Diaspora und polizeiliche Einsätze begleiteten meist die "Pegida"-Demonstrationen. Der MDR schickt nun das erste weibliche Ermittler-Duo ins Rennen. Und das macht vieles anders, als man es gewohnt ist, als ein Schlagersänger im Zwinger ermordet aufgefunden wird.

Karin Gorniak (Karin Hanczewski) ist alleinerziehende Mutter, die in die Schule zitiert wird, weil ihr Sohn in einem Rap das Loch besingt, das er seiner Lehrerin in den Kopf brennen will. Ihre Partnerin Henni Sieland (Alwara Höfels) ist alleinverdienend, ihr Freund als Fotograf steuert nicht viel zum gemeinsamen Leben bei. Das war bislang auch nie ein Thema, doch nun wollen sie ein Kind, aber ohne ihr Gehalt können sie es sich eigentlich nicht leisten. Die Beziehungskrise ist damit unausweichlich. Und dann gibt es noch Kripo-Chef Peter Michael Schnabel (Martin Brambach): Er ist ein wenig gestrig, hadert mit der Technik und den emanzipierten Frauen. Besonders Kripo-Anwärterin Maria Mohr (Jella Haase) hat unter seinen Macho-Sprüchen zu leiden.

Das Image der Stadt hat gelitten

Wegen "Pegida" und ausländerfeindlichen Übergriffen hat das Image des Landes Sachsen und seiner Hauptstadt Dresden zuletzt arg gelitten - dieser "Tatort" zeigt ein freundliches Gesicht. Nur der fanatische Schlager-Fan Walther Ungerland (Michael Specht) steht für die andere Seite, wenn er von Polizeistaat faselt und betont: "Früher hat's das nicht gegeben." Man könnte solche Menschen für ein Klischee halten, wenn man sie nicht aus TV-Beiträgen von den Dresdner Demos kennen würde. Politisch positioniert sich der "Tatort" auch, ohne "Pegida" und Co. groß zu thematisieren. Sätze wie "Der Sachse an sich sieht am liebsten andere Sachsen" transportieren die Kritik der feineren Klinge.

Kriminalistisch ist noch Platz nach oben: Der Fall im Schlagermilieu, der allerdings ein unerwartet brutales Ende nimmt, spielt mit der Diskrepanz zwischen der besungenen heilen Welt und dem knallharten Geschäft hinter den Kulissen. Das Finale macht auch deutlich, dass dieser Frauen-"Tatort" anders ist: Kommissare, die sich in den Armen liegen und trösten, hat es so wohl auch nicht gegeben. Drehbuchautor Ralf Husmann ("Stromberg") ist auch für die Texte der Schlagerlieder verantwortlich. "Wenn ,Mein Sachsen' nicht das neue ,Atemlos' wird, bin ich persönlich enttäuscht", sagt er. Außerdem hat er den Schauspielern witzige und bissige Dialoge geschrieben, "Auf einen Schlag" ist auf jeden Fall unterhaltsam. Das Gerede über Frauen, deren Rollen und die Arbeit darf dabei aber gerne weniger werden. Das Publikum versteht schon, dass in Dresden nun zwei Frauen ermitteln.

"Tatort - Auf einen Schlag", Das Erste, So., 20.15 Uhr

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Quelle: RP
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