| 14.16 Uhr

"Wer Wind erntet, sät Sturm"
"Tatort": Windräder des Grauens

Szenen aus dem "Tatort": Wer Wind erntet, sät Sturm
Szenen aus dem "Tatort": Wer Wind erntet, sät Sturm FOTO: Radio Bremen
Bremen. Der Bremer "Tatort" zeigt die negativen Seite der Energiewende - spannend, aber unentschieden. Schauspieler Thomas Heinze zeigt indes, was für ein grandioser Komödiant in ihm steckt. Von Martina Stöcker

Nach zehn Minuten möchte man am liebsten den Fernseher ausschalten - zum Stromsparen. Das Gerät läuft schließlich nicht ohne. Und Strom kommt entweder aus dem Atommeiler, dem Kohle-Kraftwerk oder vielleicht von diesem Windrad des Grauens weit draußen in der deutschen Nordsee, auf dem Kommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) später rumkraxeln wird.

Sie sollen nämlich verantwortlich sein für ein Massaker an Zugvögeln, die von Positionslichtern angelockt und dann von den Rotoren erschlagen werden. Das behauptet zumindest Umweltaktivist Henrik Paulsen (Helmut Zierl). Kurz darauf verschwindet er.

Stedefreund und Kommissarin Inga Lührsen (Sabine Postel) verdächtigen Lars Overbeck (Thomas Heinze), der einen Offshore-Windpark betreibt. Dem Unternehmer steht das Wasser bis zum Hals: Sollten Genehmigungen und Umweltsiegel zurückgezogen werden, ist er am Ende. Der Investor Milan Berger (Rafael Stachowiak) versucht zudem, Overbecks Claims in der Nordsee für einen Hedgefonds abzujagen. Gründe genug hätte Overbeck also, den Aktivisten verschwinden zu lassen.

Der "Tatort" aus Bremen mit dem Titel "Wer Wind erntet, sät Sturm" wird für eine Kontroverse sorgen. Denn Windkraft gilt als grün, naturverbunden und absolut förderungswürdig. Mit diesem Glauben räumt Regisseur Florian Baxmeyer schonungslos auf. Bei ihm verteufeln die Umweltaktivisten die Mega-Rotoren, weil Schweinswale, denen Blut aus den Ohren quillt, zu Hunderten verenden. Lärm soll sie getötet haben - er entsteht, wenn die riesigen Masten in den Meeresboden gerammt werden.

Der spannende Krimi entwickelt mitunter apokalyptische Dimensionen. Peter Joachim Krause (Kamera) sind Bilder gelungen, die an "Independence Day" erinnern. Und Thomas Heinze zeigt, was für ein grandioser Komödiant in ihm steckt. Allerdings ist das gerade das Problem dieses "Tatorts": Er schwankt zwischen hartem Öko-Thriller und amüsantem Klamauk. Schade.

"Tatort - Wer Wind erntet, sät Sturm", ARD, So. 20.15 Uhr

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

"Tatort" aus Bremen: Windräder als Vogel-Killer


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.