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TV-Kritik zum "Tatort"
"Ob unsere Polizisten auch so fremdenfeindlich sind?"

Bilder aus dem "Tatort: Verbrannt"
Bilder aus dem "Tatort: Verbrannt" FOTO: NDR/Alexander Fischerkoesen
Salzgitter. In "Verbrannt" verfilmte der NDR einen Fall aus Dessau, wo ein Asylbewerber 2005 in einer Gefängniszelle verbrannt ist. Für Kommissarin Katharina Lorenz, die an der Seite von Thorsten Falke ermittelte, war es der letzte Fall – leider. Von Christian Spolders

90 Minuten in 90 Zeichen

Flüchtling verbrennt in Zelle, junger Polizist zündete ihn an, Lorenz verabschiedet sich.

Der reale Hintergrund

Es geht um einen wahren Asyl-Skandal, der ab 2005 die Justiz beschäftigte. In Dessau war Oury Jalloh aus Sierra Leone in seiner Gefängniszelle verbrannt, der Dienststellenleiter erst knapp acht Jahre später wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Der "Tatort" spielte nun in Salzgitter, die Kommissare Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) ermitteln aber in einem ähnlichen Fall.

Der erwartbare Täter

Andreas Kohler (Julius Feldmeier) fiel zu Beginn gleich auf, als Falke nach dem Tod des Flüchtlings Richtung Polizisten marschierte und Dienststellenleiter Werl ansprach. Im Hintergrund rauchte Kohler. Natürlich haben auch Nichtraucher Zugang zu Feuerzeugen – beim "Tatort" lohnt es sich aber immer, auf die kleinen Details zu achten.

Der traurige Abschied

Dass Petra Schmidt-Schaller in Zukunft nicht mehr als Kommissarin Lorenz auftreten wird, war bereits vorher klar. Schade ist ihr Abschied nach sechs Fällen an der Seite von Falke in jedem Fall, seit ihrem ersten gemeinsamen "Tatort" im April 2013 hatten die Zuschauer durchaus Gefallen an dem Team gefunden – im Schnitt schalteten 9,61 Millionen ein. Dass sich Falke und Lorenz, zwischen denen immer eine gewisse Anziehung herrschte, zum Abschied nicht geküsst haben, war aber eine gute Idee von Autor Stefan Kolditz und Regisseur Thomas Stuber. Das wäre auch zu kitschig geworden.

Fotos: "Tatort": So verabschiedeten sich Kommissare FOTO: dpa, bsc

Den kenne ich doch irgendwoher

Opfer-Anwalt Samir Chadat wird gespielt von Serdar Somuncu. Der Kabarettist wurde einem breiten Publikum bekannt, als er aus Adolf Hitlers "Mein Kampf" rezitierte, anschließend tourte er mit seinen Programmen "Nachlass eines Massenmörders" und "Der Hassprediger" durch Deutschland. In seiner Internet-Show "Hatenight" provozierte er ebenso wie auf der Bühne unter dem Motto: "Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung."

Da geht einem als Niedersachse das Herz auf

"Als ich 15, 16 war, habe ich mir immer gedacht, das sieht aus wie L.A.", sagt Mehmet Mutlu (Taner Sahintürk) zu Lorenz beim Blick auf die Salzgitter AG. Da muss man Salzgitter schon wirklich sehr mögen, um es mit Los Angeles zu vergleichen.

Der beste Dialog

"Wer hat Sie dazu angestiftet?", fragt Falke den Täter. "Ich brauche niemanden, der mich anstiftet, um Neger anzuzünden", antwortet der. "Du bist viel zu hohl, um dir das alleine auszudenken", entgegnet Falke.

Sätze zum Mitreden

"Ob unsere Polizisten auch so fremdenfeindlich sind?" "Da sieht man mal, wie hart es für Flüchtlinge in Deutschland wirklich ist." "Schon schade, dass die Lorenz geht."

 

Hier geht es zu den Bildern des Films.

(spol)
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