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Der neue "Tatort" aus Franken
Ein absolut gelungenes Debüt!

Franken-"Tatort": Der Himmel ist ein Platz auf Erden
Franken-"Tatort": Der Himmel ist ein Platz auf Erden FOTO: dpa, car sab
Nürnberg. Jetzt hat auch Franken ein eigenes "Tatort"-Team. Am Sonntagabend feierten die Franken Premiere. Lohnte sich das Einschalten? Hier lesen Sie unseren Schnell-Check! Von Martina Stöcker

Die neuen Kommissare

Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs) harmonieren wunderbar. Sie sind einfühlsam, kollegial und bekommen von den Drehbuchautoren nicht solch eine dramatische Vita aufgehalst, die ihr Debüt überfrachten würde. Erste Charakterzüge und Eigenschaften versprechen spannende Figuren: Ringelhahn zum Beispiel ist eine Polizistin, die nicht schießen kann, und eine Gerechtigkeitsfanatikerin. Sie hat einen starken Auftritt, als sie den Bruder des Mordopfers, der in Verbindung zu Waffenhändlern steht, mit einer Tirade überzieht. Am Ende ihres Ausbruchs schließt sie süffisant mit "Jetzt hätte ich mich beinahe aufgeregt."

Beste Nebenrolle

Stefan Merki spielt den Polizeipräsidenten Dr. Kaiser, seine Szenen sind großartig: Er preist die Ruhe Nürnbergs ("Wir schätzen die Ruhe, wir mögen keine Aufregung"), befindet sich jedoch bei jedem Auftritt nah am cholerischen Anfall.

Der beste Spruch

Der kommt selbstverständlich vom  Polizeipräsidenten: "Sie haben uns nicht nur den BND und die Ministerien auf den Hals gehetzt, sondern auch die Hauptstadt: München!!! Hier waren die Kaiser, da haben die sich noch mit Knödeln beworfen."

Das Comeback im Debüt

Fabian Hinrichs hat schon einmal einen Ermittler in einem "Tatort" gespielt und dabei für Furore gesorgt. In dem Münchner Fall "Der tiefe Schlaf" (2012) verkörperte er Gisbert Engelhardt. Der Polizist ermittelte auf eigene Faust und kam dabei ums Leben. Hinrichs spielte den einsamen Freak so aufwühlend, dass sich bald eine Facebook-Gruppe gründete unter dem Namen "Wir wollen Gisbert Engelhardt zurück". Nun ist immerhin Fabian Hinrichs zurück!

Die Region im Krimi

Die Hauptdarsteller sprechen Hochdeutsch, sie sind schließlich nach Franken aus Ost- und Norddeutschland eingewandert. Den Dialekt steuern die Nebenrollen bei: Kabarettist Matthias Egersdörfer (sprang für Frank-Markus Barwasser ein) spielt den Leiter der Spurensicherung, Eli Wasserscheid und Andreas Leopold Schadt verkörpern die Kommissare Wanda Goldwasser  und Sebastian Fleischer - und bei ihnen wird das "R" gerollt, wird das "T" zum "D", dass es eine wahre Freude ist. Auch die Region kommt nicht zu kurz: Zu Beginn fährt Kommissarin Ringelhahn mit dem Neuankömmling Voss durch ein leerstehendes Gewerbegebiet: AEG, Adler, Quelle - alle Firmen waren Unternehmen von Weltrang und sind am Standort Nürnberg nun Geschichte. Markante Gebäude wie der Bahnhof und die Burg sind zu sehen, ebenso die Universität Nürnberg-Erlangen. Und im nächsten Fall soll die fränkische Mordkommission in Würzburg ermitteln.

Was gefällt - und was ein wenig nervt

Regisseur Max Färberböck inszeniert seinen Film mit vielen Kamerafahrten im Auto, mitunter nahezu poetischen Rückblenden und Nahaufnahmen  seiner Stars wie Jenny Schily und Ulrike C. Tscharre, die beeindruckend ihre Rollen als vor Schmerz gelähmte Witwe und als zurückbleibende Geliebte des Mordopfers spielen. Der "Tatort" wechselt zwischen ruhigen, betrachtenden Szenen und temperamentvollen Dialogen. Der Beginn zum Lied "Dans la silence" von  Martha Wainwright wirkt wie ein Musikvideo, da die Melodie aber bis zum Ende immer wieder eingesetzt wird, hat man nach 90 Minuten eine leichte Überdosis von "Dans la silence".

Was Spaß auf mehr macht

Der Franken-"Tatort" verzichtet auf Action und markiges Auftreten. Stattdessen setzt er auf ein sympathisches Ermittler-Paar, skurrile Nebenrollen, amüsante Dialoge, trockenen Humor und eine interessante Erzählweise. Ihn wird sicher nicht das Schicksal des Erfurter Teams ereilen, das bereits nach nur zwei Fällen aus dem Dienst genommen wurde. Absolut gelungenes Debüt!

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