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"Tatort" Münster
Professor Boernes Sportwagen ist Schrott

Das ist der Sportwagen, der für den "Tatort" genutzt wurde
Das ist der Sportwagen, der für den "Tatort" genutzt wurde FOTO: privat
Langenfeld/Münster. Ein Langenfelder hat einen seltenen Roadster an die Produktionsfirma des Münster-"Tatort" verliehen – und bekam den Wiesmann MF3 mit zerkratzten Felgen und zerstörtem Heck zurück. Nun streitet er um die Reparatur-Kosten. Von Tobias Jochheim

Professor Karl-Friedrich Boerne liebt bei Autos das Besondere und fährt gerne offen. Sein neuestes Gefährt – schnittig, schwarz, spektakulär – ist ein echter Exot: der Wiesmann MF3 CLS. Dass sich der Pathologe im Münster-"Tatort" auch damit nicht alles erlauben kann, merkt er erst, als der Roadster per Abschleppwagen unsanft vom Chefarzt-Parkplatz entfernt wird.

Doch was viele Zuschauer am Sonntagabend zum Lachen brachte, ließ Michael Möllenbeck (48) schaudern. Denn das Auto gehört weder Jan Josef Liefers noch einem professionellen Verleih – sondern dem Unternehmer aus Langenfeld. "Der Wagen ist mein Baby, mein Augapfel", sagt er. Beim Abschleppen, Einparken sowie bei einem Auffahrunfall während des Drehs ist für ihn mehr kaputtgegangen als bloß etwas Lack, Blech und glasfaserverstärkter Kunststoff.

"Tatort": Boerne und Thiel als schwules Paar FOTO: WDR/Martin Valentin Menke

Nach langem Nachdenken und nur schweren Herzens hatte Möllenbeck seinen 150.000 Euro teuren Sportwagen im Herbst verliehen. Die Produktionsfirma Bavaria, die im Auftrag des WDR drehte, habe ihn darum "gebeten und irgendwann richtig angebettelt", erinnert sich Möllenbeck.

Von der ersten Sekunde an hatte er Sorge, ob die "Fernseh-Leute" seinen Wagen – das Sondermodell ist eines von nur 30 Exemplaren überhaupt – pfleglich behandeln würden. 1800 Euro bekam er für sechs Drehtage in Münster und am ehemaligen St.-Josef-Krankenhaus in Monheim.

Tatort: Börne und Thiel drehen in Monheim FOTO: Ralph Matzerath

Insgesamt blieb der Wagen rund zwei Wochen in der Obhut der Bavaria. Am 6. November dann kam der Anruf der Produktionsleiterin, die ihm von einem Auffahrunfall berichtete; jemand sei seinem Wagen ins Heck gekracht. Er solle sich aber keine Sorgen machen, selbstverständlich würden alle Reparaturkosten übernommen.

Diese allerdings wurden sehr schnell sehr viel höher, als die Produktionsfirma befürchtet hatte. 23.000 Euro Reparaturkosten plus 5000 Euro Kompensation für die Wertminderung des Wagens habe man ihm mit Berufung auf ein Expertengutachten überwiesen, sagt Möllenbeck. Bavaria Film hält sich mit Verweis auf das laufende Verfahren bedeckt; der Schaden sei aber "von einer dritten Partei" verursacht worden. "Wir können bestätigen, dass die Bavaria Fernsehproduktion GmbH einen PKW der Marke Wiesmann gemietet hat, der bei den Dreharbeiten zur besagten Tatort-Produktion beschädigt wurde. Der Schaden wurde von einer dritten Partei verursacht, gegen die der Vermieter Ansprüche angemeldet hat", sagte ein Sprecher von Bavaria Film.

"Tatort" – diese Teams ermitteln FOTO: dpa, ve sab kde

Für Möllenbeck ist die Sache damit noch nicht erledigt. Er erwägt Klage. Denn das Geld reiche nicht für eine Reparatur der Güteklasse, die ihm vorschwebt. Mit Originalteilen. Ohne den kleinsten Farbunterschied im Originallack. Das Problem: Den Hersteller gibt es nicht mehr. Die Sportwagenmanufaktur Wiesmann, die in Dülmen seit 1988 in Handarbeit produziert hatte, ist seit Anfang 2014 insolvent.

Das Heck des Wagens, das aus glasfaserverstärktem Kunststoff besteht, muss neu gebacken werden, doch der Insolvenzverwalter weigert sich, die originale Negativhohlform dafür herauszugeben – egal wie sehr die Bavaria, ihre Versicherung und auch Möllenbeck selbst dafür kämpften: "Also muss wohl oder übel eine neue Form her." So schlägt allein die formvollendete Reparatur des Schadens am Heck laut Möllenbeck mit 40.000 Euro zu Buche. Weitere 8800 Euro würden fällig für die Reparatur von verkratzten Felgen sowie für die Neulackierung der Frontpartie, wo ein Abschlepphaken seine Spuren hinterlassen hat.

Neben dem materiellen Schaden, der ihm entstanden ist, fühlt er sich nicht ernst genommen. Bis heute liegt ihm kein Polizeibericht des Unfalls vor. Vor zwei Wochen hätte die Firma ihm "eine Wald- und Wiesenwerkstatt genannt, die die Reparatur angeblich für 11.000 Euro hinbekäme", empört er sich; "als ginge es hier um einen 15 Jahre alten Golf!"

Quelle: RP
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