| 15.27 Uhr

Wiener "Tatort"
"Die Gier, die is' a Hund"

Moritz Eisner und Bibi Fellner ermitteln
Moritz Eisner und Bibi Fellner ermitteln FOTO: ARD Degeto/ORF/Petro Domenigg
Wien. Im neuen Wiener "Tatort" geht es um Wirtschaftskriminalität - die leider plakativ daherkommt. Dass dieser ORF-Krimi dennoch sehenswerter ist als so manche ARD-Dutzendware, liegt an den Darstellern. Von Christian Sieben

Der neue Fall "Gier" aus Wien beginnt mit einem Alptraum: Eine junge Chemie-Laborantin stirbt bei einem Arbeitsunfall. Aus einer defekten Leitung tropft Säure auf ihren Schutzanzug. Die tödliche Flüssigkeit ätzt sich binnen Sekunden durch die Kleidung. Die Frau stirbt einen grausamen Tod. Da das Opfer das Patenkind ihres Vorgesetzten ist, müssen die Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) den Fall übernehmen. Die Polizisten finden heraus: Die Laborantin musste sterben, weil der billig im Ausland produzierte Schutzanzug nicht den Anforderungen entsprach.

Schnell gerät das Unternehmen Wendler in den Fokus der Ermittlungen. In dem einst stolzen Vorzeige-Betrieb scheint heute die Gier zu regieren. Die kühle Managerin (glänzend dargestellt von Maria Köstlinger) lehnt jede Verantwortung für das Unglück ab, plant aber gleichzeitig die Flucht mit ihrem Geliebten und einem Koffer voller Geld ins Ausland. Ihren Mann Peter hat sie praktischerweise dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht.

Der Krimi schildert leider teilweise arg plakativ eine Wirtschaftswelt, in der persönliche Profitsucht und Rücksichtslosigkeit an die Stelle von Menschlichkeit und Verantwortung getreten sind. Zudem hat der Film noch andere Schwächen. Über die konkreten Arbeitsweisen eines globalen Unternehmens erfährt der Zuschauer wenig. Gier regiert die Welt - für die Opfer interessiert sich niemand. Mit dieser Einsicht muss sich der Zuschauer begnügen. "Meine Roswitha hat sterben müssen, weil Leute wie ihr, die eh schon genug haben, nicht genug bekommen können", klagt der Mann des Opfers. Die Kommissare nicken mitfühlend. Und Eisners Kollegin Fellner gibt bedeutungsschwanger zu Protokoll: "Die Gier, die is' a Hund!"

Dass dieser ORF-Krimi dennoch sehenswerter ist als so manche ARD-Dutzendware, liegt an den Darstellern. Anian Zoller spielt glänzend den gehörnten Ehemann, der aus einem Zimmer in der Nervenanstalt seine Rache plant. Auch Johanna Mertinz verkörpert die aus der Zeit gefallene, treue Chefsekretärin eindrucksvoll. Das entschädigt für so manche Plattitüde.

"Tatort" – diese Teams ermitteln FOTO: dpa, ve sab kde
Quelle: RP
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