| 11.52 Uhr

"Der hundertste Affe"
Der Bremer "Tatort" wieder politisch

"Tatort": Bilder aus "Der hundertste Affe"
"Tatort": Bilder aus "Der hundertste Affe" FOTO: Radio Bremen/ARD Degeto/Svenja von Schultzendorff
Bremen. 17 Tote, eine Erpressung, Globalismus und eine rotgefärbte Saga Noren – der neue "Tatort" aus Bremen fuhr eine Menge auf. Lohnte sich das Einschalten? Unser Schnell-Check. Von Christian Sieben

90 Minuten in rund 90 Zeichen: Terroristen vergiften das Trinkwasser. Krisenstab ermittelt. Die Zeit wird eingeblendet.

Worum ging es wirklich? Die Frage ist so alt wie das Recht selbst. Darf ich gegen das Gesetz verstoßen, um andere – auch größere – Verbrechen zu verhindern? Und ist Erpressung eigentlich noch zeitgemäß? Die Antwort: Eher nicht, und in den meisten Fällen gibt es richtig Ärger mit der Polizei. So auch hier.

Lohnte sich Einschalten? Ja. Der schnell inszenierte Thriller über die dunklen Machenschaften eines Saatgut-Erzeugers ließ dem Zuschauer nur selten Zeit zum Durchatmen. Auch die Bezüge zur aktuellen Terrorbedrohung in Deutschland gelangen gut. Ebenso die ein oder andere Anleihe beim US-Erfolgsformat "24" mit Kiefer Sutherland.

Was war typisch Bremen? Im Norden dreht man gerne Krimis mit politisch-globalem Anspruch: Inga Lürsen ist die einzige "Tatort"-Kommissarin, deren politischen Einstellungen klar herausgearbeitet wurden. Die Ermittlerin steht politisch links. Im Fall "Schatten" wurde sogar angedeutet, dass Lürsen in den 1980er Jahren freundschaftliche Kontakte zu Mitgliedern der RAF-Szene unterhielt. Auch im Jahr 2011 wagte sich der Sender an ein politisch brisantes Thema. Im Fall "Der illegale Tod" beleuchtete das Bremer Team die Frontex-Mission im Mittelmeer. Deutsche Grenzschützer sollten den Untergang eines Flüchtlingsschiffes mitverursacht haben, als sie versuchten, die Flüchtlinge aufzuhalten. Dass das Thema Migration und Einwanderung wenige Jahre später derart im Mittelpunkt steht, konnten die Verantwortlichen damals freilich nicht ahnen. Sehenswert ist der Krimi von damals heute aber immer noch.

Wer ist die Neue? Luise Wolfram spielt die  schroffe und schmerzhaft direkte BKA-Ermittlerin Linda Selb, die neu zum Team stößt. Parallelen zur schwedischen Ermittlerin Saga Noren (Sofia Helin) aus der ZDF-Erfolgsproduktion "Die Brücke" sind offensichtlich. Ziemlich offensichtlich sogar. Beim nächsten Fall, der im Herbst ausgestrahlt wird, soll sie wieder dabei sein. Könnte man sich dran gewöhnen.

Was hatte es mit den 100 Affen auf sich? "Der hundertste Affe" verweist auf einen Mythos der Wissenschaftsgeschichte. Ende der 1950er Jahre wollen Forscher bei einer Gruppe Affen eine Art kollektives Bewusstsein entdeckt haben. Die Tiere wurden mit Kartoffeln gefüttert. Immer mehr Tiere gewöhnten sich daran, die Kartoffeln zu waschen. Als der hundertste Affe damit anfing, sei eine Art magische Schwelle überschritten worden. Daraufhin hätten alle Affen der Gruppe ihre Kartoffeln gewaschen. Die vermeintliche Schlussfolgerung: Wenn genug von uns etwas für richtig halten, halten es alle für richtig. Moderne Forscher halten aber sowohl die Beobachtungen als auch die Schlussfolgerung für falsch und unwissenschaftlich.

Mehr zur beliebten Krimi-Reihe lesen Sie in unserem Dossier.

Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Tatort Der hundertste Affe: Der Bremer Tatort wieder politisch


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.