| 12.40 Uhr

"Tatort" im Schnellcheck
Der Kommissar braucht einen Rhetorik-Kurs

Szenen aus dem "Tatort: Dunkle Zeit"
Szenen aus dem "Tatort: Dunkle Zeit" FOTO: ARD/NDR/Christine Schröder
Düsseldorf. Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring) muss die AfD-Chefin bewachen, die natürlich nicht AfD-Chefin heißt. Die verbalen Duelle verliert der Polizist. Zum Glück entlarvten sich die Populisten in "Dunkle Zeit" selbst. Der "Tatort" im Schnellcheck. Von Christian Sieben

Darum ging es: Der Ehemann der Parteichefin einer rechtspopulistischen Partei stirbt bei einem Bombenanschlag. Erst fällt der Verdacht auf Autonome. Die Täter waren jedoch sogenannte Parteifreunde und rechte Netz-Aktivisten. Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring) lieferte sich Rededuelle mit der Rechtspopulistin Nina Schramm (Anja Kling), von denen er die meisten verlor.

Worum ging es wirklich: Der Krimi "Dunkle Zeit" beleuchtete den Rechtsruck in Deutschland. Die Fingerzeige in Richtung AfD hätten deutlicher nicht sein können. Der Film dokumentierte dabei die Hilflosigkeit der Mehrheit mit einer Minderheit ins Gespräch zu kommen.

Was war gut: Anja Kling glänzte als schlagfertige und eiskalt wirkende rechte Spitzenkandidatin, die sich im Laufe des Falls selbst als machtbesessene Heuchlerin entlarvt.

Was war eher übertrieben: Die Rolle des Ermittlers Falke ist vielleicht etwas zu eindimensional angelegt. Der linke Arbeiterjunge aus Billstedt, der fast schon widerwillig bei der Bundespolizei gelandet ist. In einigen Szenen läuft Schauspieler Wotan Wilke Möhring etwas zu breitbeinig durchs Bild. Man hätte sich an einigen Stellen einen Ermittler gewünscht, der der smarten Populistin auch rhetorisch gewachsen ist.

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Lohnte sich das Einschalten: Ja. Regisseur Niki Stein ist nach "Der Inder" über Stuttgart 21 ein weiterer sehenswerter Krimi zu einem aktuellen politischen Thema gelungen, der ohne ermüdende Gut-Böse-Muster auskam.

(csi)
 
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