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"Frohe Ostern, Falke!"
Sechs offene Fragen zum "Tatort"

Fotos: Szenenbilder aus dem "Tatort: Frohe Ostern, Falke"
Fotos: Szenenbilder aus dem "Tatort: Frohe Ostern, Falke" FOTO: NDR/Christine Schroeder
Meinung | Düsseldorf. "Tatort"-Bashing ist das Gegenteil von originell, aber manchmal muss es sein, findet unser Autor. Zum Beispiel, wenn darin so fröhlich absurde Szenen aneinandergereiht werden wie in "Frohe Ostern, Falke!". Von Tobias Jochheim

Ich mag bekloppte "Tatort"-Folgen, aber nach dem Ansehen der österlichen Norddeutschland-Version mit Wotan Wilke Möhring "Frohe Ostern, Falke!" bin ich fassungslos. Das Beschimpfen von Drehbuchschreiber, Regisseur und Co. spare ich mir (unter mittelgroßer Anstrengung), folgende Fragen aber sind bei mir völlig offen:

  • Bin ich der einzige, der nervös werden würde, wenn ein Haufen Männer mit Maschinenpistolen unangekündigt eine Spendengala stürmt, auch bevor sie anfangen zu schießen?
  • Ist es notwendige Voraussetzung, dass der eigene Mann während der dann irgendwann als solcher erkannten Geiselnahme erschossen wird, um etwas anderes zu tun als gelangweilt zu gucken oder die Geiselnehmer mit Sprüchen zu provozieren? Niemand zittert, niemand weint, niemand fällt in Ohnmacht?
  • Merkt es ein Trupp voll konzentrierter Elitepolizisten auf Tätersuche wirklich nicht, wenn man zwischen ihren Beinen – hach, wie ungeschickt! – quietschend eine Tür im Treppenhaus aufstößt wie der Ober-Hase?
  • Wer schreibt unter höchstem Zeitdruck und in Lebensgefahr SMS ohne jeden Tippfehler, formuliert ganze Sätze, gerne auch doppelt ("Bin okay. Bin in Sicherheit") und achtet dabei stets vorbildlich auf korrekte Groß-/Kleinschreibung sowie Zeichensetzung?
  • Fragt der Spezialeinheiten-Boss tatsächlich die Bereitschaft jedes einzelnen Schützen ab, wobei jeder sein Sprüchlein "Sperber XY in Position. Zielobjekt erfasst" aufsagen muss, obwohl alle längst freie Schussbahn haben und jedes Zögern ihre Entdeckung und damit ein Blutbad zur Folge haben könnte?
  • Sind aufmarschierende Polizisten in Sichtweite hinter Glaswänden, wandernde rote Laserpunkte auf dem Flur und auf der eigenen Stirn nicht auch für ungeübte, idealistische Nichtkriminelle bemerkbar, spätestens wenn sie ahnen, dass ein "MEK" (den Ausdruck kennen sie natürlich) angerückt ist? 

Bilder aus dem Film sehen Sie hier.

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