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Der "Tatort" im Schnell-Check
Zu viel Grusel für einen Sonntagabend

Szenenbilder aus dem "Tatort: Fürchte dich"
Szenenbilder aus dem "Tatort: Fürchte dich" FOTO: HR/Benjamin Dernbecher
Düsseldorf. Prinzipiell ist es ja eine gute Sache, auch mal etwas zu wagen. Der neue "Tatort" war aber einfach viel zu gruselig. Der Fall "Fürchte Dich" im Schnell-Check. Von Barbara Grofe

Dachböden sind jetzt für eine ganze Weile No-Go-Area. Kellerräume genauso. Weiß doch keiner, ob da vielleicht ein Geist lauert oder irgendetwas anders Böses. Schuld an dieser akuten Keller-Dachboden-Angst ist der neue Tatort aus Frankfurt. Der passenderweise "Fürchte Dich" heißt. Und der so gar nichts gemeinsam hat mit einem stinknormalen "Verbrechen passiert – Kommissare ermitteln – Kommissare verdächtigen den Falschen – Kommissare fassen den Richtigen"-Tatort zu tun hat. So es den überhaupt noch gibt.

Worum es geht In "Fürchte Dich", dem sechsten Fall der Frankfurter Ermittler Brix und Janneke, geht es um ein Spukhaus, das in den 50er Jahren ein Waisenhaus war, um Menschen, die von Geistern besessen sind und mit gruseligen Stimmen sprechen, um düstere Keller und spinnenwebenverhangene Dachböden, die niemand betreten sollte. Und um das Skelett eines kleinen Mädchens, das dort jahrzehntelang unentdeckt lag.

Worum es noch geht Darum, dass es Verbrechen gibt, die nie gesühnt werden, um Ängste, die aus der Vergangenheit stammen und bis in die Gegenwart reichen. Um Kindheitstraumata, und was sie mit einem machen. Und um Liebe – die, die man nur so nennt, und die, die das Wort verdient hat. "Fürchte Dich" erzählt aber vor allem davon, dass es tragische Familiengeschichten gibt, von denen sich die Nachfahren nicht einfach so freimachen können. Selbst wenn sie wollen.

Was war schwierig Für einen Nicht-Horror-Fan (die Schreiberin dieser Kolumne ist so ein Typ Mensch), der sich überdies bei jedem bisschen fürchterlich erschrickt, war das einfach zu viel Alarm für einen Wochenendausklangsabend.

Was trotzdem gut war Den Mut zu haben, etwas Neues auszuprobieren, Zuschauer immer mal wieder ganz neu und anders zu fordern, ist grundsätzlich eine gute Sache. Völliger Fernsehkonsens muss und sollte nicht das Ziel sein.

(grof)
 
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