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"Tatort"-Schnellcheck
Wenn Liefers will, ist "Münster" witzig

Szenen aus "Tatort: Gott ist auch nur ein Mensch"
Szenen aus "Tatort: Gott ist auch nur ein Mensch" FOTO: ARD/WDR/Wolfgang Ennenbach
Münster. Auf Kosten der vielgeschmähten "modernen Kunst" gelingt ein netter "Tatort" mit Thiel und Boerne. Nicht zuletzt, weil Aleksandar Jovanovic alias "Gott" das Beste aus Jan Josef Liefers herausholt. Von Tobias Jochheim

90 Minuten in 90 Zeichen

Künstler mögen bekloppt sein – Mörder sind sie nicht. Es sei denn, sie werden verkannt...

Wie hoch war der Schenkelklopfer-Faktor?

Weil viele en passant abgelassene "Gott"-Sprüche so passend waren, zum Glück erfreulich niedrig. Deutlich niedriger als die Intensität des deplatzierten grellen Wüstenlichts allemal. Memo an die Macher: Das allein macht einen "Tatort" nicht zu "Breaking Bad", ebensowenig wie arrangierte Leichen Münster in das Miami aus "Dexter" verwandeln.

Aber zurück zu den miesen Witzen. Neben den unvermeidlichen Kiffer-Gags um "Vaddern" versuchte unter anderem Thiel, mit einer Fernbedienung zu telefonieren. Und Boerne bot seiner kleinwüchsigen Assistentin in der 869. Variante desselben Witzes an: "Blicken Sie über den Tellerrand hinaus – Iich mache Ihnen die Räuberleiter." Lustig, lustig, trallalalala...

Wer war der Star?

Nicht der Konzeptkünstler Christian Jankowski, der sich als Konzeptkünstler Jan Christowski die Ehre gab, auch wenn man die von ihm geprägte Schlussszene Diskussionsstoff bietet: Mutig oder manieriert? Schönes i-Tüpfelchen oder schlichtweg unnötig?

Die größte Bildschirmpräsenz entfaltete Aleksandar Jovanovic (46) als "Gott", Exzentriker im Endspurt seines Lebens. Das war nicht zuletzt deshalb erfreulich, weil Jovanovic auch Jan Josef Liefers mitriss, der den Boerne diesmal nicht nur abspulte. Vor diesem Auftritt hatte Jankowski so unterschiedliche Werke bereichert wie Fatih Akins ersten Spielfilm "Kurz und schmerzlos", das Rollschuh-Musical "Starlight Express" sowie - an der Seite von Ben Kingsley und Anthony Hopkins - den Actionthriller "Collide".

Was war das skurrilste erwähnte Kunstwerk?

Abgesehen von den real existierenden wie den "Giant Pool Balls"?

Die Live-Übertragung des Materials von Swantje Hölzels Minikamera nach Tokio – direkt aus ihrer Gebärmutter. Der "Nackt-Performancekünstlerin" Milo Moiré gefällt das, nehmen wir an.

Wer sorgte für den frischen Wind?

Offenbar Regisseur Lars Jessen, der zuvor schon das böse Münster-Highlight "Feierstunde" verantwortete sowie die abgedrehte Pseudo-Doku "Fraktus" über eine gleichnamige fiktive Band.

 
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