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"Tatort"-Schnellcheck
Mysteriöser Mord am Porno-Set

Münchner Kommissare ermitteln im Porno-Milieu
Münchner Kommissare ermitteln im Porno-Milieu FOTO: BR/Hagen Keller
München. Beim "Tatort: Hardcore" ist der Name wahrlich Programm, bietet er doch Swinger-Partys, eine Gruppensex-Szene mit zwei Dutzend Männern und ungezählte Vulgärausdrücke. Der Film ist mehr Drama als Krimi – gewagt, aber gut. Von Tobias Jochheim

90 Minuten in 90 Zeichen

Gruppensex geil finden? Okay. Oder widerlich? Okay. Mord an Darstellerinnen? Nicht okay.

Was war gut?

Das Wachstum der Pornobranche sowie der Wandel der Szene durch Amateurdarsteller haben wirtschaftliche und vor allem auch gesellschaftliche Folgen. Gut, dass das im "Tatort" nun so prominent und vielschichtig thematisiert wird. Marie Wagner (Helen Barke) etwa darf ihren Nebenjob unter zwei Dutzend nackten Männern mit dem Maximum an möglicher Würde verrichten, ohne erkennbaren Ekel, wenn nicht gar freudig – was dahinter steht, dass sie diese Art "Anerkennung" braucht, bleibt dahingestellt. Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) rückt Mal um Mal die herrschende Doppelmoral in den Blick: "Warum die Männer bei sowas mitmachen, wundert dich nicht?"

Apologetisch wird es natürlich trotzdem nie. Dafür sorgt neben dem quasi durchgehend empört-angeekelten Ivo Batic (Miroslav Nemec) vor allem die kurze, aber eindrückliche Szene mit der desillusionierten Darstellerin Nikki (Jarah Maria Anders), die fragt: "Glaubst du wirklich, irgendeine Frau lässt sich gern von 20 Typen…?"

50.000 Menschen in Deutschland jedenfalls drehen irgendeine Art von Sexfilmen, schätzt der Experte Philip Siegel, Autor des Buchs "Drei Zimmer, Küche, Porno" (mehr in diesem sehenswerten kurzen Video). Und viele davon werden das freiwillig tun, um ihre Neigungen aus- und einen Kick zu erleben. Diese Entscheidung macht sie angreifbar, im Zweifel bis hin zum Jobverlust. Dabei sind sie keine schlechteren Menschen. Schon gar nicht im Vergleich zu denjenigen, die sich öffentlich darüber empören, aber sich die Filme heimlich im Internet ansehen – oder gar maskiert mitspielen.

Was war schlecht?

Die nervigen Assistenten der knorrigen Ermittler, Besserwisser-Kalli und Doofi-Ritschy, dazu zwei arg holzschnittartig gezeichnete Mini-Charaktere: Die lüsterne rothaarige Amateurdarstellerin sowie ihr stotternder männlicher Kollege ("Vielleicht werde ich trotz der Maske wiedererkannt. Ich hab 'ne starke Ausstrahlung!").

Was war zu viel des Guten?

Dass die tote Amateurpornodarstellerin nicht stereotyp stumpf aus einer zerrütteten Familie stammt, ist löblich. Die Tochter von Oberstaatsanwalt Kysela (fabelhaft: Götz Schulte) allerdings hätte "Luna Pink" trotzdem nicht sein müssen, das wirkt schon arg konstruiert. Einen Schuldirektor oder sonstigen "normalen" höheren Beamten zum Vater des Pornosternchens zu machen, hätte es allemal getan.

Sätze zum Mitreden

"Bei 'Künstler- oder Ordensname‘ steht in ihrem Ausweis 'Lula Pink‘. Hört sich für mich nicht nach Orden an."

"Wir suchen einen Mann mit zwei Armen, zwei Beinen und einem unterdurchschnittlich großen Glied."

 
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