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Neuer Fall mit Wotan Wilke Möhring
"Tatort" zeigt wahren Asyl-Skandal

Bilder aus dem "Tatort: Verbrannt"
Bilder aus dem "Tatort: Verbrannt" FOTO: NDR/Alexander Fischerkoesen
Salzgitter. 2005 verbrannte ein Flüchtling in einer Polizeizelle. Der NDR verfilmte den Fall mit den Kommissaren Falke (Wotan Wilke Möhring) und Lorenz (Petra Schmidt-Schaller). Von Christian Spolders

Es gibt Menschen, die werden euphorisch, wenn sie ihre Nationalhymne hören. Gleich zu Beginn dieses "Tatort", dessen Intro von der deutschen Hymne unterlegt ist, wird klar, dass dieser Krimi nicht dazu beitragen wird, dass Millionen deutsche Zuschauer den gleichen Stolz empfinden werden. Das liegt daran, dass es in "Verbrannt" um einen realen Fall geht, der vor zehn Jahren für einen handfesten Skandal gesorgt hat, dessen Umstände bis heute nicht ganz aufgeklärt sind.

Die Ermittler Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) ermitteln in ihrem sechsten gemeinsamen Fall in Salzgitter. Dort ist ein Asylbewerber, den die Kommissare zuvor in Gewahrsam genommen haben, in der Nacht bei lebendigem Leib in einer Polizeizelle verbrannt. Die Beamten, die Dienst auf der Wache hatten, geben an, dass sich der Flüchtling selbst angezündet habe - Falke und Lorenz ist allerdings klar, dass jemand anders den an seine Pritsche geketteten Mann, der zudem vorher noch durchsucht worden war, angezündet haben muss.

Fotos: "Tatort": So verabschiedeten sich Kommissare FOTO: dpa, bsc

Der Fall basiert auf einem wahren Skandal. Am 7. Januar 2005 starb Oury Jalloh aus Sierra Leone in einer Gefängniszelle in Dessau. Drei Jahre später wurde der wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagte Dienstgruppenleiter vom Landgericht Dessau-Roßlau freigesprochen, zwei Jahre später hob der Bundesgerichtshof den Freispruch auf. Fast drei Jahre später wurde der Beamte wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von 10.800 Euro verurteilt.

Die Handlung des Krimis, der rund um den Tag der Deutschen Einheit spielt und von Stefan Kolditz als Autor und Thomas Stuber als Regisseur inszeniert wurde, konzentriert sich auf die Ermittlungen der Kommissare und ihren Versuch, den "Sumpf", wie Falke ihn nennt, trockenzulegen - denn Ausländer sind hier nicht willkommen, und selbst bei der Polizei finden sie kaum Schutz.

Was den Machern dieses Films sehr gut gelingt: die Balance zu halten zwischen der Ernsthaftigkeit des Themas und den persönlichen Befindlichkeiten der Ermittler. Denn während Falke, der den Asylbewerber bei der Festnahme noch verprügelt hat, ein schlechtes Gewissen plagt, reift in Lorenz der Entschluss, ihren Job zu kündigen.

Hier geht es zu den Bildern des Films.

Quelle: RP
 
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