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Der "Tatort" im Schnell-Check
Eine Nacht mit der Verdächtigen

Bilder aus dem "Tatort: "Borowski und das Land zwischen den Meeren"
Bilder aus dem "Tatort: "Borowski und das Land zwischen den Meeren" FOTO: NDR/Christine Schroeder
Düsseldorf. Im Kieler "Tatort" kommt der Kommissar der Hauptverdächtigen etwas zu nah. Den Zuschauer irritiert aber etwas anderes noch mehr. Von Henning Rasche

Worum ging es? Ein Mann, der in einem Bauskandal Schmiergeld angenommen hat, wird auf einer einsamen Insel ermordet. Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) erinnert sich an den Fall aus Kiel, auch weil der Mann bereits für tot gehalten wurde. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht aber die mysteriöse Geliebte des Toten - Famke Oejen (Christine Paul). Sie ist eine Frau der Extreme, angesiedelt entweder im Himmel oder der Hölle, manchmal auch beides zur gleichen Zeit.

Worum ging es wirklich? Um die Sage der versunkenen Insel Rungholt. Man sagt, sie sei im 14. Jahrhundert untergegangen, weil Gott die dort lebenden Menschen strafen wollte. Es heißt, sie hätten ein Schwein mit Alkohol abgefüllt, es dann zum Sterben ins Bett gelegt und einen Prediger um die letzte Salbung gebeten. Als dieser den Betrug bemerkte, wollte er fliehen, doch die Bewohner spotteten lieber. Der Prediger, so heißt es, bat Gott daher um eine angemessene Strafe für die Gottlosen. Wenig später soll Rungholt in der Nordsee verschwunden sein. Zum Glück geht die für den "Tatort" erfundene Insel Suunhold nicht unter.

Der beste Dialog Der fand zwischen Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und Famke Oejen statt. Borowski: "Seit wann kannten Sie sich?" Oejen: "Seit einem halben Jahr." Borowksi: "Und wann wurden Sie ein Paar?" Oejen: "Sofort." Borowski: "Nicht erst kennenlernen?" Die Art der Beziehung zwischen dem Mordopfer und Oejen verblüfft sogar in Zeiten von Tinder und anderen Portalen, die das Gefühl vermitteln, die Gesellschaft versinke in schneller und leichter Liebe.

Der Borowski-Moment Klaus Borowski ist für seine eigenwillige Arbeit bekannt und dafür, dass er sich nicht gern an Gepflogenheiten hält. Gleichwohl agiert er mit erstaunlicher Professionalität – selbst in absurden Momenten. Als die Gläubige Margot Hilse (Heike Hanold-Lynch) zu ihm sagt: "Mit dem Teuber (der Tote, Anm. d. Red.) kam der Teufel auf die Insel", da entgegnet er völlig selbstverständlich und nüchtern mit der Borowski-Frage: "Und wie äußerte sich das?".

Muss das alles sein? Der Kommissar und die Verdächtige verbringen eine gemeinsame Nacht im Hotelzimmer. Zugegeben, es kommt nicht zum Geschlechtsverkehr, aber die Nähe der beiden ist verstörend. Borowski beeinträchtigt das in der Neutralität seiner Ermittlungen erstaunlich wenig. Der Zuschauer bleibt nach der Szene aber zumindest irritiert zurück.

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Das Ende Man wird über dieses Ende sprechen müssen. Bloß wie, und wann und in welchem Rahmen? Tod durch Oralsex in der Badewanne – das sprengt dann doch ein paar Rahmen.

 
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