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Kölner "Tatort"
Die Narben der Verfolgten

Bilder aus dem Kölner "Tatort: Narben"
Bilder aus dem Kölner "Tatort: Narben" FOTO: WDR Uwe Stratmann
Köln. Im Kölner "Tatort" wird ein Arzt aus dem Kongo ermordet. Die Spur führt zu einem Bürgerkrieg, zu Folter und Leid. Dieser Krimi geht wahrlich unter die Haut.  Von Martina Stöcker

Die Schönheit des Anfangs ist einem kurz darauf fast peinlich: Wie Täler und Krater liegen sie da, die Kamera fährt an Erhebungen entlang, und würde dieser Köln-"Tatort" nicht "Narben" heißen, würde der Zuschauer viel länger der Illusion erliegen und an Landschaftsaufnahmen glauben.

Sozialkritisch sind die Fälle des Kölner Teams Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) immer, dieser geht jedoch, wie es der Titel vermuten lässt, wirklich unter die Haut. Patrick Wangila, ein Arzt aus dem Kongo, wird vor seiner Klinik erstochen - gedreht wurde am Krankenhaus im Dormagener Stadtteil Hackenbroich.

Ein toter Körper erzählt eine furchtbare Leidensgeschichte

Vor einigen Jahren war er aus seiner Heimat geflohen und hat sich mit Hilfe der engagierten Ärztin Sabine Schmuck (Julia Jäger) eine Existenz aufgebaut. Seine Frau gerät unter Verdacht, weil er anscheinend eine Affäre hatte. Kurz zuvor ist eine Kongolesin in einer Asylunterkunft ums Leben gekommen. Für die Kommissare sind das zu viele Tote aus dem afrikanischen Land in kurzer Zeit, und sie suchen nach einer Verbindung.

Der "Tatort" erzählt dann die Geschichte eines Lebens vor einer Flucht aus dem Kongo: von dem Glück, das jäh zerstört wird, wenn Soldaten in ein Dorf kommen, die Männer töten, Babys gegen Wände werfen, die Frauen vergewaltigen und foltern, um Informationen aus ihnen herauszupressen.

Nicht alles entspricht der Realität

Der Körper der toten Kongolesin gibt von diesem Leben vieles in der Gerichtsmedizin preis. "Diese Frau steht für alle Menschen auf unserer Welt, die in dieser Minute gemartert werden und unbeschreibliches Leid erfahren", betont Autor Rainer Butt, der ein mutiges Drehbuch geschrieben hat, in dem es keine einfachen Wahrheiten gibt.

Verstörend ist die Darstellung der Traumatisierung der zwei afrikanischen Frauen. Die Überlebende Cecile Mulolo (Thelma Buabeng) schreibt Briefe an ihre Tochter, die sich noch in der Gewalt der Rebellen befindet. Sie lebt unter Hunderten anderen Flüchtlingen in einem Asylbewerberheim. Immerhin, sie bekommt im Film Hilfe durch die deutsche Ärztin.

In der Realität sieht das anders aus, sagt Stefanie Ritz-Timme, Leiterin des Instituts für Rechtsmedizin an der Düsseldorfer Uniklinik, die gemeinsam mit dem Alexianer-Krankenhaus in Krefeld und dem Psychosozialen Zentrum in Düsseldorf ein Netzwerk für die bessere Versorgung von traumatisierten Flüchtlingen für die Region aufbauen will.

"Viele, die hierhin kommen, kennen ihre Rechte nicht und wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen", sagt die Rechtsmedizinerin. Sie begutachtet auch Folteropfer und dokumentiert deren Narben als Beleg in Asylverfahren. Vielen habe das schon geholfen, um in Deutschland anerkannt zu werden. Aber, das betont Ritz-Timme, nicht jedes Folteropfer habe sichtbare Narben. Manche Folgen seien nur durch radiologische Untersuchungen zu entdecken. Denn es gebe viele Länder, in denen die Tortur unsichtbar bleibt - in der Türkei zum Beispiel.

"Tatort - Narben", Das Erste, So., 20.15 Uhr

Quelle: RP
 
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