| 12.42 Uhr

"Tatort: Tanzmariechen"
Wenn im Karneval der Spaß aufhört

Szenen aus dem "Tatort: Tanzmariechen"
Szenen aus dem "Tatort: Tanzmariechen" FOTO: WDR/Thomas Kost
Düsseldorf. Im Tatort "Tanzmariechen" müssen die Kölner Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk kurz vor Sessionsbeginn den Mord an einer Tanztrainerin aufklären. Statt fröhlichem "Alaaf" decken sie ein trauriges Familiendrama auf. Unsere Kritik. Von Katharina Mehles

Der Fall: Die strenge Tanzlehrerin Elke Schetter (Katja Heinrich) wird am Morgen nach einem Tanzwettbewerb erschlagen in der Wagenbauhalle des Karnevalsvereins "De Jecke Aape" (kölsch für "Die verrückten Affen") gefunden - vom Tatwerkzeug fehlt jede Spur. Die Kommisare Ballauf (Klaus J. Behrend) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) finden heraus: Schetter hatte Streit mit dem ehrgeizigen Karnevalspräsidenten Günther Kowatsch (Herbert Knaup).

Aber sie stoßen auch auf ein Familiendrama: Rainer Pösel (Tristan Seith) wird verdächtigt, weil er sauer auf die Trainerin ist, die seiner Meinung nach die Schuld am Selbstmord seiner Tochter Evelyn ist. Im Laufe der Ermittlungen kommt raus: Tanzmariechen Saskia Unger (Sinja Dieks) fühlte sich von Evelyns (Stella Holzapfel) Talent bedroht und stieß eine ekelhafte Mobbing-Kampagne gegen sie im Internet an. Daran und an dem Erwartungsdruck der ehrgeizigen und karnevalsverrückten Eltern war die junge Frau zerbrochen. Als Mutter Martina Pösel (Milena Dressing) die Sachen ihrer Tochter im Vereinsheim abholen will, kommt es zum Streit mit der Trainerin, die ihre Tochter aus der Tanztruppe geworfen hatte. Im Affekt schlägt die Mutter zu.

Wie viel Karneval steckt in dem Fall? Wer klassischen Straßenkarneval und Sitzungen mit viel "Alaaf" erwartete, wurde enttäuscht. Es ging vielmehr um die Welt hinter den fröhlichen Kulissen. Was sich dort unter Tänzerinnen, Trainerin und Vereinspräsident abspielt, ist erschreckend: Es herrscht  Zickenterror bis zum  Mobbing, strenge Hierarchien und ein harscher  Umgangston. Statt bunten Räumen sind viele trostlose Turnhallen zu sehen.  Was der Zuschauer von Regisseur Thomas Jauch und Drehbuchautor Jürgen Werner serviert bekommt, wirkt nicht nur  wie ein typisches Karnevals-Szenario. Es könnte sich vielmehr so auch in jedem anderen, vor allem aber jedem Sportverein, abspielen. Überehrgeizige Eltern, skrupellose Konkurrenten und machthungrige Präsidenten gibt es nämlich in vielen Vereinen.

Was ist ein Tanzmariechen? Für alle, die im Karneval nicht so zu Hause sind: Tanzmariechen werden je nach Region auch Funke(n)mariechen oder Regimentstochter genannt. Es gibt sie in fast jedem Karnevals-, Fasnacht-, oder  Faschingsverein. Die Mariechen werden von den männlichen Tanzpartnern durch die Gegend gewirbelt, klettern auf Schultern und treten auch mit Soloeinlagen wie Spagat oder Flickflack aus der Reihe.

Running-Gag: Ein lustiger roter Faden in dieser Tatort-Folge ist das pinke Prinzessinnen-Kleid, das der Lebensgefährte von Assistent Tobias Reisser (Patrick Abozen) für Schenks Enkeltochter Marie besorgt hat – für unglaubliche 180 (!) Euro. "Ist das für dich?", fragt Max Ballauf den Kollegen Schenk, der es gerade zur Seite räumen will. "Seh‘  ich aus wie eine Prinzessin?", fragt Schenk. "Alfred, für mich wirst du immer meine kleine Prinzessin sein", antwortet Ballauf.

Als Freddy später mit dem Kleid im Arm den Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch) trifft, fragt der Doc ihn: "Ziehst du das mal für mich an?". "Ihr seid doch alle pervers", antwortet Freddy.

Das Beste zum Schluss: Marie will gar keine Prinzessin sein.  Auch wenn Schenk das nicht versteht, bekommt sie am Ende ein Zombie-Kostüm.

Das Team: Die Kölner agieren eben wie die Kölner: Freddy Schenk und Max Ballauf treten auch in "Tanzmariechen" auf, wie man sie kennt – als altes Ehepaar. Einen moralischen Seitenhieb können sie sich auch in diesem Fall nicht verkneifen. Es geht um ihren offen homosexuellen Kollegen Tobias Reisser (Patrick Abozen), den Schenk im Präsidium knutschend mit seinem Lebensgefährten "erwischt". Während er das "unpassend" findet,  kann Ballauf die Aufregung nicht verstehen.  Zum Schluss stellt auch Schenk versöhnlich fest: "Mir ist das egal, wer wen, wie, wo, wann oder wohin küsst".

Quelle: RP
 
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