| 14.47 Uhr

"Tatort" aus Ludwigshafen
Lena Odenthal flirtet ein wenig

Bilder aus dem "Tatort: LU"
Bilder aus dem "Tatort: LU" FOTO: SWR/Alexander Kluge
Ludwigshafen. Im Fall "LU" kommt die Stadt Ludwigshafen groß raus, und der Kommissarin wird eine kleine Liebelei erlaubt. Doch der Flirt ist leider sehr unmotiviert geraten.  Von Martina Stöcker

Den rund 160.000 Ludwigshafenern dürfte am Sonntag das Herz aufgehen, weil ihre Stadt im "Tatort" eine große Rolle spielt: In der "Tortenschachtel", einem markanten Rundbau aus den 60er Jahren im Zentrum und ehemaligen Kaufhaus, wurden mehrere Szenen gedreht, und kurz darauf wurde sie abgerissen.

Durch die schier endlosen Gänge des Bahnhofs führt eine Verfolgungsjagd, und dann gibt es natürlich ein großes Chemiewerk, das zwar nicht das der BASF ist, aber viele daran erinnern dürfte. "LU" - wie das Autokennzeichen - heißt die Folge und das macht wegen der vielen lokalen Bezüge Sinn.

Der zweite Grund für den Titel ist Ludwig "Lu" Wolff, gespielt von Jürgen Vogel, der nach 15 Jahren in seine Stadt zurückkehrt. Der ehemalige Geldeintreiber war nach dem Mord an einem Drogenkoch verschwunden. Der arbeitete mit Mark Moss (Christoph Bach) in dem großen Chemiewerk und starb - von mehreren Schüssen getroffen - in den Armen des Kollegen.

"Tatort" – diese Teams ermitteln FOTO: dpa, ve sab kde

Es "brizzelt"

Allerdings steht Moss mittlerweile kurz vor dem Sprung in den Vorstand des Unternehmens, da passt es ihm natürlich gar nicht, dass die alten Geschichten wieder aufgerührt werden, nachdem ein bulgarischer Auftragskiller erschossen an der "Tortenschachtel" gefunden wurde. Schnell stellt Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) fest, dass er auch in die Ermittlungen vor 15 Jahren verwickelt war. Und dass Lu ausgerechnet jetzt wieder auftaucht, kann auch kein Zufall sein.

Als die beiden sich begegnen, fällt Wolffs Blick direkt auf Odenthals durchtrainierten Bizeps, und ab da schleichen die beiden umeinander herum. Die Kommissarin befühlt im Verhör besorgt die Narbe ihres Tatverdächtigen ("Tut es noch weh?"), sie tauschen lange Blicke und flirten. Es "brizzelt" gewaltig zwischen ihnen, erklärt sie.

Rangliste: Die besten "Tatort"-Teams FOTO: dpa, Sven Hoppe

Trotzdem ist dieser "Tatort" (Regie: Jobst Christian Oetzmann, Buch: Dagmar Gabler) ein wenig zäh geraten. Lena Odenthal, die ihr berühmtes Bauchgefühl wie ein Mantra ebenso vor sich her trägt wie ihre Streber-Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) ihr iPad, kommt nicht so wirklich aus dem Quark.

Unmotivierte Romantik

Die romantische Annäherung an Lu Wolff wirkt völlig unmotiviert, auch das Gezicke mit der neuen Kollegin Stern erfüllt jedes Klischee von Stutenbissigkeit. So haut die Kommissarin auch nach einer Auseinandersetzung den Spruch "Unvorstellbar für so 'ne Schreibtischstute" raus.

Diese Gast-Stars waren im "Tatort" dabei FOTO: dpa, kde

Seit Mario Kopper (Andreas Hoppe) einen Ring am Finger trägt, tapst er auch nur unbeholfen durch die Stadt. Wenn ein Polizist so observiert wie er, kann man es auch gleich lassen und muss sich um die Sicherheit in diesem Land wirklich Sorgen machen. Und der Manager, der kurz vor dem Sprung in die Vorstandsetage steht, ist natürlich eiskalt und berechnend - noch so ein Klischee.

Wären da nicht Jürgen Vogel und Ingrid van Bergen in einer kleinen Rolle als Ex-Bordell-Chefin Charlotte, könnte man sich für Sonntag getrost etwas anderes vornehmen. Weil eine Stadtführung durch Ludwigshafen nun auch nicht das ist, was ein Nicht-Ludwigshafener zum Glücklichsein unbedingt braucht.

"Tatort - LU", ARD, So., 20.15 Uhr

Bilder aus dem Film sehen Sie hier. 

Quelle: RP
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