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Tatort "LU" in der Schnellkritik
Jürgen Vogel und Dschungelcamp-Ikone retten Lena Odenthal

Bilder aus dem "Tatort: LU"
Bilder aus dem "Tatort: LU" FOTO: SWR/Alexander Kluge
Düsseldorf. Ein Killer wird erschossen, ein gewissenloser Manager wird an eine alte Rechnung erinnert. Der Tatort "LU" mit Lena Odenthal schleppt sich reichlich müde dahin. Bis Jürgen Vogel und eine Ikone aus dem Dschungelcamp aufkreuzen. Der Schnellcheck. Von Martina Stöcker

Die Stadt im Film

Ludwigshafen kommt in diesem "Tatort" ganz groß raus: In der "Tortenschachtel", einem markanten Rundbau aus den 60er Jahren im Zentrum und ehemaligen Kaufhaus, wurden mehrere Szenen gedreht, und kurz darauf wurde sie abgerissen. Durch die schier endlosen Gänge des Bahnhofs führt eine Verfolgungsjagd, und dann gibt es natürlich ein großes Chemiewerk, das zwar nicht das der BASF ist, aber viele daran erinnern dürfte. Gedreht wurde laut SWR in einer Karlsruher Ölraffinerie und in einem Chemiewerk in Rheinmünster. Manche Silhouetten seien auch am Computer erstellt worden. "LU" – wie das Autokennzeichen – heißt die Folge, und das macht auch wegen der vielen lokalen Bezüge Sinn.

Unterhaltungsfaktor des Krimis

Der 63. Fall von Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) schleppt sich so dahin. Die Handlung auf zwei Zeitebenen ist ein wenig zäh. Der Verlauf des Krimis (Regie: Jobst Christian Oetzmann, Buch: Dagmar Gabler) ist vorhersehbar, ohne Volten und falsche Fährten. Das innerbetriebliche Scharmützel, das Odenthal mit ihrer Streber-Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) austrägt, ist nur selten amüsant. Die romantische Annäherung an Lu Wolff wirkt völlig unmotiviert, manchmal sogar unfreiwillig komisch. Und Mario Kopper (Andreas Hoppe) trägt nun einen Ring am Finger und wird von den beiden Frauen immer mehr an den Rand gedrängt. Vermutlich geht er bald in Elternzeit und verschwindet vom Bildschirm.

Dialekt-Satz des Tages

"Kann ich Ihnen was helfen?", fragt ein Wachmann Johanna Stern (Lisa Bitter) – diesen Satz hat wohl im Rheinland so noch niemand gehört

Jürgen Vogel als Wiederholungstäter

Zum dritten Mal nach 1990 und 2002 spielt der 47-Jährige in einem Odenthal-Krimi mit. Dem Casting sei Dank, denn ohne Jürgen Vogel wäre dieser "Tatort" mit seiner klischeehaften Handlung unterdurchschnittlich. Dank seiner Darstellung des Ludwig "Lu" Wolff ist der Krimi immerhin okay, mehr aber auch nicht. Vogel spielt das, was er am besten kann: den harten Kerl mit gutem Herzen. Die Szenen mit dem behinderten Michi sind zum Beispiel sehr berührend. Der Flirt mit Odenthal, bei der ihr als erstes ihr durchtrainierter Bizeps ins Auge springt, wirkt hingegen aufgesetzt.

Und ewig grüßt das Flatterband

In Ludwigshafen scheint man ein besonders stabiles Flatterband zu fertigen, denn sowohl im Filmmaterial einer Überwachungskamera als auch bei der Rekonstruktion des Mordes 15 Jahre später flattert das Band an derselben Stelle im Chemiewerk im Wind. Beeindruckend.

Weisheit für den Alltag

"Der Instinkt ist nur die oberflächlichste Wahrnehmungsschicht und meistens trügerisch." (Johanna Stern)

Die kennt man doch

20 Jahre nach einem Auftritt im "Tatort" kehrt Ingrid van Bergen (84) noch einmal in die Krimiserie zurück. Jüngeren Zuschauern ist sie vermutlich nur aus dem "Dschungelcamp" bekannt, aber als Ex-Chefin des Bordells "Cherie" zeigt sie, wofür sie früher nahezu legendär war: die Schauspielerei. Sie verkörpert die lebensmüde Charlotte als eine knorrige alte Frau mit Herz und ohne Angst vor harten Wahrheiten. Wenn man sagt, sie ist die perfekte Puffmutter, ist es wirklich als Kompliment gemeint.

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