| 12.10 Uhr

TV-Kritik zum "Tatort: Das Muli"
Sherlock Holmes trifft Drogenszene

Meret Becker gibt Debüt im "Tatort" mit Sexszene
Meret Becker gibt Debüt im "Tatort" mit Sexszene FOTO: ARD
Düsseldorf. "Das Muli" entführt die ARD-Zuschauer in den Berliner Drogensumpf. Krimi-Fans dürfen sich auf derbe Töne und ein frisches Ermittlerteam freuen, das überhaupt nicht zusammenpasst. Für den Hä-Moment des "Tatort" sorgt eine vermeintlich tote Bulldogge. Von Leslie Brook

90 Minuten in 90 Zeichen

Zwei Mädchen als Muli, einer wird der Bauch aufgeschlitzt, der anderen gelingt die Flucht.

Der beste Spruch

"Wenn meine Frau Spaghetti Bolognese kocht, sieht die Küche danach auch so aus" – ein Mitarbeiter der Spurensicherung zum blutüberströmten "Tatort"; ansonsten war der Ton recht derbe: etwa "Du stinkst", wie Rubins Ehemann sie nach einer durchzechten Nacht begrüßt.

Der Aha-Moment

Anfangs erinnerte Robert Karow ein wenig an eine Berliner Ausgabe von Sherlock Holmes. Anhand der Spuren im Bad konnte der Ermittler sofort sagen, dass es sich um das Blut von ein oder zwei Mädchen handelt, die kürzlich noch  am Strand und Meer waren und deren Haut gebräunt sein muss. Wieso der Neue gleich wusste, was Sache ist? Als ehemaliger Ermittler im Drogendezernat kennt er sich in der Szene bestens aus, nicht zuletzt, weil er offenbar auf der Gehaltsliste des Drogenkartells steht, das hinter der Tat steckte.

Der Tourismus-Faktor

Berlin war neben den beiden Ermittlern die dritte Hauptdarstellerin – so sieht es auch das neue Konzept des Berliner "Tatorts" vor.  30 Drehortwechsel gab es in der Auftaktfolge. Viele Großbaustellen wie der Flughafen wurden ins Bild gerückt, vor allem im Fokus: Die eher hässlichen Plätze der Stadt. Kudamm und andere Touristenorte suchte man vergebens.

Der Hä-Moment

Haben Sie sich auch gefragt, warum eine Tiertrainerin bei diesem "Tatort" zum Einsatz kam? Dann ist Ihnen wahrscheinlich auch der tote Hund im Flughafen-Hotel nicht aufgefallen. Mit der Bulldogge wurde vorher intensiv trainiert, damit sie so still liegen bleibt.

Fall hinter dem Fall

Drehbuchautor Stefan Kodlitz will die Zuschauer offenbar durch mehrere Erzählstränge an das neue Duo binden.  Es gibt eine Art Fall hinter dem Fall, der erst beim vierten Einsatz des Teams aufgeklärt werden soll. Es geht um die Frage, welche Rolle Ermittler Karow beim Tod seines früheren Partners gespielt hat. Der kam unter ungeklärten Umständen zu Tode. Die Spur deutet einerseits in Richtung des Drogenkartells, andererseits in Richtung eines Kollegen bei der Polizei, der eventuell seine Finger mit im Spiel hat, aber auch Karows Verstrickungen sind unklar.

Die Beziehung der Ermittler

Karow und Rubin sind wie Feuer und Wasser. Sie: emotional, mit zerrüttetem Familienleben, er: undurchsichtig, ruppig, kühl, ein Einzelgänger. Laut Autor kann von einem Team anfangs keine Rede sein, die Beziehung gleiche eher einer Zwangsehe, es soll auch in diesem Punkt einige Folgen dauern, bis sich die beiden annähern.

Den kennt man doch

Regisseur Stephan Wagner schrieb auch eine "Tatort"-Episode für das ehemalige Berliner Ermittlerteam Ritter und Stark: "Gegen den Kopf", für das Buch zu "Der Fall Jakob von Metzler" erhielt er den Grimme-Preis.

Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Tatort: Sherlock Holmes trifft Drogenszene in Berlin


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.