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"Tatort"
TV-Kommissare wünschen sich schwulen Kollegen

"Tatort": Boerne und Thiel als schwules Paar
"Tatort": Boerne und Thiel als schwules Paar FOTO: WDR/Martin Valentin Menke
Münster. Prof. Boerne und Kommissar Thiel gaben sich im Münster-"Tatort" als Männerpaar aus. Einige Stars der erfolgreichen Reihe sehen die Zeit gekommen für eine echt schwule oder lesbische Ermittler-Figur am Sonntagabend.

"Ich glaube schon, dass auch das Publikum einen schwulen Kommissar oder eine lesbische Kommissarin akzeptieren würde. Das könnte ja auch sehr interessante Situationen ergeben", sagte "Tatort"-Star Axel Prahl (55) der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Montag. Bisher gibt es nur im "Tatort" aus dem schweizerischen Luzern eine homosexuelle Figur, die lesbische Kommissarin Liz Ritschard (Delia Mayer). Anlass der Debatte ist der neue "Tatort" aus Münster.

In der Krimifolge "Erkläre Chimäre" vom Sonntagabend, die 13,01 Millionen Menschen sahen, gab sich das Ermittler-Duo Frank Thiel (Prahl) und Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) als schwules Paar aus, um den reichen Onkel aus Florida (Christian Kohlund) für eine Erbschaft zu täuschen.

Prahls Schweizer Schauspieler-Kollege Stefan Gubser (57) alias Reto Flückiger pflichtete ihm bei: "Ein schwuler Kommissar würde dem "Tatort" sicher eine neue Farbe verleihen und das kann nie schaden", sagte Gubser der "NOZ". "Außerdem wäre es doch wunderbar, wenn eine so große Community auch im "Tatort" vertreten wäre."

Prahl hatte der "NOZ" vom Samstag gesagt, dass er die Episode vom Sonntag durchaus als Statement für das Eherecht auch für gleichgeschlechtliche Paare sehe: "Jeder muss selbst wissen und entscheiden können, wie er glücklich wird, deswegen befürworte ich natürlich die Homo-Ehe."

Seit Irland in einem Referendum für die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften gestimmt hat, ist die Diskussion über einen solchen Schritt auch in Deutschland wiederbelebt. Vor allem die christlich geprägten Unionsparteien tun sich aber damit schwer.

Auch Prahls Co-Star Jan Josef Liefers (50) hatte seine Meinung zur Ehe für alle kundgetan. In einem "Bild am Sonntag"-Interview äußerte er: "Es wäre mir lieber gewesen, Deutschland wäre den Schritt vor Irland gegangen, gleichgeschlechtliche Ehen gleichzustellen. Wir waren mal sehr fortschrittlich in diesen Fragen."

Im Kern des aktuellen TV-Falls aus Münster ging es um einen jungen toten Brasilianer. Bei den Ermittlungen gab es Spuren zu einem Weinhändler und eben eine Verbindung zu Boernes schwulem Erbonkel.

Bei den Zuschauern stieß der Fall wieder auf viel Gegenliebe, aber auch Kritik. Manche freuten sich über den außergewöhnlichen Auftritt der Ermittler, andere sahen darin zu viel Klamauk.

Der Film vom Sonntag war der 27. Fall aus Münster seit 2002. Die Presse hatte den Krimi vorab unterschiedlich rezensiert. "Spiegel Online" schrieb etwa: "Auch wenn die Darsteller Liefers und Prahl, großes Lob immerhin dafür, allzu tuckiges Verhalten vermeiden, geht diese umgekrempelte Version von "Charleys Tante" an keiner Stelle auf."

Die "taz" meinte dagegen: "Falls man das Wörtchen "altbacken" also auch irgendwie nett meinen kann, dann sind die Münsteraner Fälle auf ganz wunderbare Art etwas trutschig."

(dpa)
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