| 14.11 Uhr

Weimar-"Tatort" im Schnell-Check
Die Inquisition war dagegen 'ne Bachblütentherapie

Szenenbilder aus dem "Tatort: Der treue Roy"
Szenenbilder aus dem "Tatort: Der treue Roy" FOTO: MDR/Anke Neugebauer
Düsseldorf. Mord unter Kumpels? Viel zu einfach! In einer fieberfantasiehaften Folge des Weimar-"Tatort" stehen Nora Tschirner und Christian Ulmen vielmehr einer ganzen Freakshow von Verdächtigen gegenüber. Der Schnell-Check. Von Tobias Jochheim

90 Minuten in 90 Zeichen

Sie dachten, Roy Weischlitz' Tod sei Selbstmord? Wie es wirklich war, wird Sie verblüffen.

Zitat für die Ewigkeit

Der Schichtleiter im Stahlwerk sieht Kira Dorn in den Fängen des schwülen Schwerenöter-Staplerfahrers Holger. Im Unwissen über a) die real existierenden, wenn auch vergangenen erotischen Abenteurer der beiden vom Weinfest 2010 und 2011 sowie vor allem über b) Lessings auch private Partnerschaft mit Dorn bemerkt er dazu genüsslich: "Ich geb' Ihrer Kollegin noch fünf Minuten, dann wird's laut im Ruheraum..."

Wie gut, dass Lessing nicht Kalle Grabowski heißt. Schließlich war es dem im unvergessenen Film "Bang Boom Bang" in einer nicht ganz unähnlichen Situation nicht gelungen, seinen Ärger herunterzuschlucken:
 


Will ich auch haben

Eine aufgegebene Tankstelle, umgerüstet zum höchst individuellen Wohnhaus. Mit Treppe und Fake-Fachwerk, und einem kleinen grünen Kaktus innendrin, oder besser noch: der ganzen Kakteensammlung des jungen Lessing.

Der Standbild-Moment

Nora Tschirner gibt mit ihrer besseren Lena-Meyer-Landruthaftigkeit als Kira Dorn das Kriminalhauptkommissarin-Mädchen von nebenan. Entsprechend vergnüglich ist ihre Verwandlung in eine softpornös-rihannaesk aufgetakelte Vogelscheuche durch zwei Kosmetikfachangestellte, die nur das Beste für sie im Sinn hatten. Lessing zitiert dazu selbstredend Goethe: "Das einfach Schöne soll der Kenner schätzen. Verziertes aber spricht der Menge zu."

Da geht einem als Weimar-Fan das Herz auf

Huch, in Weimar stehen nicht nur Schillers Wohn- und Goethes Gartenhaus, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek und das Bauhaus-Museum – sondern offenbar auch ein Stahlwerk, Plattenbauten und mobile Puffs in Wohnwagen?! Zur Beruhigung gibt es zwischendurch Luftaufnahmen des klassischen (haha) Weimar. Was ein Tropfen auf den heißen Stein des surrealen Wahnsinns bleibt, aber eben auch eine nette Geste.

Der Aha-Moment

Es gab da etwa ein halbes Dutzend, von denen man dachte, sie wären es. Bis zur nächsten Wendung. Wie das eben so ist, wenn Geschwisterzwist, ruinierte Männerfreundschaften, gerissene Huren und gierige Zuhälter eine Rolle spielen und Realismus nicht. Aber dafür noch – pardon, fast vergessen – eine Geiselnahme, bei der der Gangster eine Kugel im Kopf hat, Lotto-Millionen, Vogelspinnen sowie der Schlitzer von Lederhose. Doch, doch, "von", nicht "mit". Wegen des Dorfs im Thüringer Landkreis Greiz, Sie wissen schon. 262 Einwohner. Der, obwohl das gleichnamige Kleidungsstück das Ortswappen ziert, nicht danach benannt ist, sondern nach dem slawischen Personennamen Ludorad. Auf Wikipedia nachzuschauen lohnt sich nach der Lektüre dieses Absatzes übrigens nicht mehr.

Sätze zum Mitreden

"Gegen Roy Weischlitz' Leben war die spanische Inquisition eine Bachblütentherapie."
- Polizeichef Kurt Stich (Thorsten Merten)

Experten-Diagnose

"Es heißt ja immer, dass Geld nicht glücklich macht, aber das stimmt nicht. Das sagen nur Leute, die keins haben. Ich seh' die doch immer in den Zeitschriften. Die sind alle glücklich!" Sagt Siegrid, der Fuchs.

Der Vollständigkeit halber: Tatsächlich ist das mit dem Geld und dem Glück ein klein wenig komplizierter.

(tob)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Tatort Weimar-Kritik: Nora Tschirner & Christian Ulmen in Freakshow


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.