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"Tatort - Zurück ins Licht"
Die Kehrseite der Leistungsgesellschaft

"Tatort - Zurück ins Licht": Die Kehrseite der Leistungsgesellschaft
Gefährliche Liebschaft: Maria Voss (Nadeshda Brennicke), Stedefreund (Oliver Mommsen). FOTO: dpa
Bremen. Ein verschwundener Pleitier und eine erfolgshungrige Pharmareferentin - das sind die Zutaten des Bremer "Tatorts". Kommissar Stedefreund steht zwischen zwei Frauen – und zeigt vollen Körpereinsatz. Von Christian Sieben

Fund am Bremer Flughafen: In einer Limousine finden die Bremer Ermittler einen abgetrennten Finger und eine Blutspur. Der Finger passte früher ziemlich gut an die Hand eines ehemaligen Pharma-Managers, der vor acht Monaten seine Frau sitzen ließ, weil er sich angeblich wegen eines Burnouts behandeln ließ.

Kurze Zeit später taucht auch die Leiche des Managers auf - eingepfercht in eine Metallkiste. Die Ehefrau reagiert überraschend kühl auf die Nachricht. Lange wissen die Ermittler Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) nicht, um was es bei dem Fall eigentlich geht. Mord aus Eifersucht? Betrug mit Krebsmedikamenten? Die Rache einer abgelegten Geliebten?

Weibliche Fans bekommen eine Menge geboten

Für zusätzliche Verwirrung sorgt Maria Voss (Nadeshda Brennicke), die früher ebenfalls für das Unternehmen arbeitete. Nach einem schweren Unfall und einer beruflichen Zwangspause will sie unbedingt zurück ins Rampenlicht, wobei ihr so ziemlich jedes Mittel Recht scheint. Dabei macht sie sich die Tatsache, dass Männer ihr schlecht einen Wunsch abschlagen können, gerne zunutze. Auch Stedefreund gerät in ihren Bann. Dabei sollte der sich lieber um seine neue BKA-Freundin kümmern, die sich neuerdings ein gemeinsames Kind wünscht. Apropos Stedefreund. Seine weiblichen Fans bekommen am Sonntagabend eine Menge geboten. Dabei belassen wir es an dieser Stelle aber einmal.

Wer will denn hier schwanger werden? Luise Wolfram, Oliver Mommsen. FOTO: dpa, kde

Regisseur und "Tatort"-Veteran Florian Baxmeyer ist ein außergewöhnlich guter Krimi gelungen. "Zurück ins Licht" bietet eine gelungene Mischung aus Beziehungsdrama, klassischen Krimistrukturen und zeichnet dabei das verstörende Bild einer Frau, die in Zeiten von Facebook und Instagram von ihrem Drang nach Perfektion förmlich zerfressen wird. Nadeshda Brennicke spielt ihre Rolle glänzend. Die 44-Jährige, die bereits zum achten Mal in einer Rolle im "Tatort" zu sehen ist, wirkt mal verführerisch, mal gruselig, mal unbesiegbar, dann wieder bemitleidenswert.

Schein und Sein

Christian Jeltsch und Olaf Krämer rechnen in ihrem Drehbuch mit dem Narzissmus-Dauerfeuer unserer Zeit ab. Sie zeigen eine Frau, die sich bis zur Selbstaufgabe einem feindlichen System ausliefert, weil sie ununterbrochen anerkannt und bewundert werden will. Sie zeigen einen Menschen, der beim Blick in den Spiegel nicht mehr Sein und Schein unterscheiden kann. Der lügen, betrügen und vielleicht sogar morden muss, damit ihr Schauspiel nicht aufliegt.

Trennung am Ende

Inspiriert wurden die Autoren auch von einer wahren Begebenheit. In München machte vor einiger Zeit eine Frau Schlagzeilen, die perfekt herausgeputzt auf der feinen Prinzregentenstraße von Boutique zu Boutique stolzierte und dabei viel Eindruck machte. Was lange niemand bemerkte: In Wirklichkeit war die Frau arbeitslos und lebte schon seit Jahren auf der Straße.

Schade, dass in Bremen bald Schluss ist, dürfte so mancher Krimi-Fan am Sonntagabend denken. 2019 schickt radio Bremen das Duo nach 20 Dienstjahren in die TV-Rente. Dabei gäbe es vielleicht noch eine Menge zu erzählen. Auch Privates. Zwar läuft es zwischen Stedefreund und seiner wunderbar verstockten BKA-Freundin (Luise Wolfram) alles andere als gut. So ganz muss man die Hoffnung aber noch nicht aufgeben. Denn wenn dies am Ende eine Trennung sein sollte, dann war sie doch eher halbherzig.

Ein Interview mit dem gebürtigen Düsseldorfer Oliver Mommsen lesen Sie hier. 

"Tatort - Zurück ins Licht", Das Erste, So., 20.15 Uhr

Quelle: RP
 
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