| 14.19 Uhr

"The Story of my Life"
Kaum große Gefühle - aber ein bisschen Händchenhalten

Fabian Hambüchen und Marcia Ev im Vox-Experiment
Fabian Hambüchen und Marcia Ev im Vox-Experiment FOTO: VOX / Benno Kraehahn
Düsseldorf . Bei der Vox-Zeitreise "The Story of my Life" sind diesmal Fabian Hambüchen und Marcia Ev zu Gast. Die ganz großen Gefühle bleiben allerdings aus - was auch daran liegen könnte, dass sich das Sportlerpaar nur wenige Monate nach der Aufzeichnung trennte.  Von Marlen Keß

Sie waren das jüngste Paar, das den Schritt in die Vox-Alterungssendung "The Story of my Life" gewagt hat: Fabian Hambüchen, Goldturner, 29 Jahre alt und Marcia Ev, 24 Jahre alt, Sportstudentin. Gut getan hat die gemeinsame Zeitreise den beiden offenbar nicht. Die Sendung endete nämlich am Dienstagabend mit der Einblendung, dass Fabian Hambüchen "nach langer und reiflicher Überlegung zu der schmerzhaften Entscheidung" gekommen sei, sich zu trennen. Hach. 

Kaum große Gefühle 

Die Trennung war allerdings schon vor Ausstrahlung bekannt geworden. Der Grundgedanke, Paare auf "alt" zu schminken und sie so von traurigem Klaviergeklimper untermalt zu tiefgründigen Gedanken über die gemeinsame Zukunft zu bringen, war also dahin. Auch in der Sendung selbst kamen kaum große Gefühle auf, von besonders sinnigen Überlegungen ganz zu schweigen. Auch geweint wurde - im Vergleich zu vorigen Sendungen - wenig.

Hambüchen und seine Freundin kamen sowohl mit 29 und 24 als auch auf 30 bzw. 60 Jahre älter geschminkt eher abgeklärt rüber. Lediglich ein bisschen Händchenhalten und am Ende ein Küsschen (was aber mit der Schminkeschicht eher unangenehm wirkte) waren drin. Das allerdings war im Angesicht des Schmalzes, den der Sender über die gemeinsame Geschichte des Paars zu legen versuchte, angenehm. 

Leider war diese Abgeklärtheit aber auch schon der beinahe einzige positive Aspekt der knapp 60-minütigen Sendezeit. Die Geschichte rund um das Turnerass Hambüchen ("Sonnyboy mit Traumkörper") und die "völlig unbekannte Sportstudentin" Ev (die immerhin deutsche Meisterin im "Modern Dance" ist) wurde unnötigerweise in einigen Einspielern völlig aufgebauscht. Von Auftritten auf dem roten Teppich, die die Republik begeisterten, war die Rede, sogar als "heißestes Paar der Society" wurden die beiden betitelt. 

Und auch Moderatorin Desirée Nosbusch konnte dieser doch arg übertriebenen Darstellung wenig entgegensetzen. Ihre Fragen bezogen sich meist auf Äußerlichkeiten und waren ansonsten schlicht langweilig. Insgesamt ein Sendungskonzept, das nicht aufging - wie schon in den Ausgaben zuvor.

Auch mit über 50 noch hübsch anzusehen

Nachdem die eher kurze Geschichte des Paares (die beiden waren zum Zeitpunkt der Aufzeichnung gerade einmal zwei Jahre zusammen) ausgesprochen rührselig erzählt wurde, ging es dann ans erste Make-Up. Hambüchen wurde auf 59 Jahre geschminkt, Ev auf 54 Jahre. Untermalt wurde das mit teilweise geradezu gruseligen Kommentaren aus dem Off - wie würde Hambüchen, dem sein Körper "heute alles bedeutet", es aufnehmen, plötzlich graue Haare und (oh Schreck!) ein Bäuchlein zu haben? 

Erstaunlich entspannt, wie die folgenden Minuten zeigten. Hambüchen und Ev fanden sich auch im fortgeschrittenen Alter noch ziemlich fesch, versprachen beide brav, auch weiter auf Ernährung und Bewegung zu achten, und hielten Händchen. Eine gewisse Ähnlichkeit zum Vater, der in kurzen Filmchen als Hambüchens Trainer und Motivator vorgestellt wurde, war bei diesem nicht zu verleugnen. Nicht uninteressant auch der Blick in den Stammbaum des Paares, um Ähnlichkeiten festzustellen. 

Überhaupt hätte die Sendung durchaus Potential: Vor dem Schminken werden nämlich nicht nur diese Stammbäume analysiert, sondern auch Abdrücke von Gesicht und Oberkörper an die Maskenbildner geschickt. Das ist viel Aufwand, den man auch sieht. Das Make-Up sitzt und beide sehen tatsächlich gealtert aus. Schade nur, dass der Sender außer Platitüden am laufenden Band nichts daraus macht. 

Da wird dann lieber lang und breit über Hambüchens zweifellos enorm erfolgreiche Turnkarriere - 40 Mal deutscher Meister, Weltmeister, Olympiagoldgewinner - berichtet. Und erfolglos auf die Tränendrüse gedrückt: Mit Sonnenuntergängen und dramatischer Musik untermalt werden Fragen wie "Was macht die Zeit mit uns und unserer Liebe?" gestellt. Vielleicht auch wegen des vielen Make-Ups im Gesicht finden die beiden Gäste darauf jedoch kaum Antworten - Lachen und jegliche Gefühlsäußerung scheinen durch die dicke Schicht schwierig. 

Eine schicke Omi 

Wenig Veränderungen dann auch, als noch einmal 30 Jahre draufgelegt werden. Hambüchen und Ev sind sich einig: Auch mit 84 und 89 Jahren gefallen sie sich gut und freuen sich auf die gemeinsame Zeit. "Gut siehst du aus", sagt Ev, "eine ganz schön schicke Omi", komplimentiert Hambüchen.

Zwischendurch versucht Vox dann mal wieder, die ganz großen Gefühle zu erzwingen ("Will ich überhaupt so alt werden?", fragt Nosbusch). Auch auf Greis geschminkt lässt sich das junge Paar darauf aber nicht ein. Vielmehr bleibt es bei unaufgeregten Aussagen, die spektakulärste ist vielleicht, dass beide auch im hohen Alter noch gemeinsam in einem Bett schlafen wollen. 

Erst ganz am Ende der Sendung, als Hambüchen und Ev ihre Sessel verlassen und sich in den Arm nehmen dürfen, kommen der 24-Jährigen dann doch noch die Tränen. "Du hast so schöne Sachen gesagt", schluchzt sie, und Hambüchen nimmt sie in den Arm. Das ist zwar ganz süß, aber auch wenig überraschend. Moderatorin Nosbusch ist hingegen total bewegt - und wünscht den beiden "nur das Beste".

Wie die Einblendung zum Schluss zeigen wird: vergeblich. Wie die gesamte Sendung ist aber auch die Trennung des Paars wenig überraschend. Mit Ende 20 soll das ja schon mal vorkommen - egal, ob man sich auch auf Ende 50 und über 80 geschminkt noch gefallen würde. 

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