| 09.22 Uhr

"Tagesthemen"-Moderator
Thomas Roth geht in Rente

Hamburg. Der 64-Jährige moderiert morgen zum letzten Mal die "Tagesthemen" im Ersten. Von Andreas Albrecht

Völlig platt im doppelten Sinne war Thomas Roth, als ihn nach einer langen Wanderung durch den Grand Canyon die Mail mit der Frage erreichte: Ob er sich vorstellen könnte, die "Tagesthemen" zu moderieren? Nein - erinnert er sich an seinen ersten Reflex damals in Arizona. ",Tagesthemen' war sicher der unvorhergesehenste aller meiner Jobs", sagt Roth über die letzte Station seiner Karriere.

Geboren, studiert und volontiert in Baden-Württemberg, hatte der Journalist sein Leben lang Aufregung gesucht und gebucht: Johannesburg zum Ende der Apartheid, Moskau inmitten des Zerfalls der Sowjetunion, Köln als WDR-Hörfunkdirektor, wieder Moskau, dann Chef im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin, nochmal Moskau und schließlich das pulsierende New York. Dagegen ist Hamburg in einem Fernsehstudio spätabends natürlich vergleichsweise ruhig.

"Mit der Ruhe ist das so eine Sache, das kriege ich nicht hin", nennt der 64-Jährige den Grund, weshalb er mit der Zusage gezögert hat. Es geht doch - das hat er nach einem halben Jahr festgestellt. Solange habe er gebraucht, um seinen Moderationsstil zu finden, meint er. "Ich wollte mit Ruhe und Übersicht die Ereignisse präsentieren."

Die überwiegende Mehrheit der abendlichen Zuschauer hat ihm das wohl auch abgenommen. Trotzdem gab es schon kurz nach der Premiere im Sommer 2013 Sticheleien im Netz gegen das neue Gesicht im NDR-Studio. Als Märchenonkel wurde Roth bezeichnet, den man nicht verstehe, weil er so nuschele. Und Häme gab es auch wegen seines optischen Trios: weiße Haare, weißer Schnauzbart, weiße Zähne. Gekränkt hat ihn das vielleicht, auch wenn er es nicht zugibt - nur soviel: "Ich habe ein differenziertes Verhältnis zum Rampenlicht". Das sagt jemand, der eigentlich immer lieber im schattigen Umfeld einer Kamera gestanden hat.

Unbändige Neugier attestiert sich der Leser von täglich zehn Zeitungen selbst und beginnt gleich, von den prägendsten Begegnungen seiner Laufbahn zu schwärmen. Wie er den Freiheitskämpfer Nelson Mandela interviewte; dass der russische Präsident Boris Jelzin ein sehr warmherziger Mensch gewesen sei, dass er Putin gut kenne, aber seinetwegen besorgt gewesen sei.

Über drei Jahre "Tagesthemen" - was war der schwierigste Moment? "Als wir das Bild von dem kleinen Jungen zeigten, der tot an einen Strand angeschwemmt wurde." Zwei Stunden lang habe er an der Anmoderation geschrieben, so Roth. Und was war der Höhepunkt? Als er die Nacht vor dem WM-Finale 2014 nicht schlafen konnte und er dann nervös die kurze Sendung in der Halbzeit moderierte, als rund 30 Millionen Fans vor dem Fernseher saßen. Normalerweise ist es nur rund ein Zehntel davon. Von allen wird er sich verabschieden. Mit anderen persönlichen Worten als seine typischen "Kommen Sie gut durch die Nacht". Die kleine Rede habe er schon grob im Kopf.

(dpa)
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