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Start der neuen "True Detective"-Staffel
Abgründig wie eh und je

Szenenbilder der zweiten Staffel von "True Detective"
Szenenbilder der zweiten Staffel von "True Detective" FOTO: Sky
Los Angeles. Es geht weiter: Die zweite Staffel der düsteren Erfolgsserie "True Detective" startete in der Nacht zu Montag bei Sky. Die überragenden Hauptdarsteller Matthew McConaughey und Woody Harrelson sind nicht mehr dabei – der eigentliche Star kehrt aber wieder zurück. Von Christoffer Kleindienst

Wenn über Ausnahmeserien gesprochen wird, fallen zumeist zwei Titel. "Breaking Bad" darf als beispielloses Anti-Held-Porträt nicht fehlen, das durch und durch epische "Game of Thrones", das allerdings noch längst nicht zu Ende ist, ebenso. Es sind die beiden Produktionen, die aufgrund ihrer Qualität, aber auch ihrer erzählerischen Radikalität herausstechen.

Zu Beginn des vergangenen Jahres mischte sich eine (weitere) HBO-Show in diese privilegierte Auswahl: "True Detective" war eine Miniserie des Erfolgssenders, in acht Episoden sollte ein Serienmörder im verruchten Louisiana gefunden werden. So gut, so bekannt. Allerdings machten die Hollywood-Stars Woody Harrelson und Matthew McConaughey, die als Ermittlerduo agierten, schon vorab neugierig. Das Resultat: Die Serie war so erfolgreich, dass eine zweite Staffel unausweichlich war.

"Kalifornien ist ein ganz neues Spiel"

Und da ist sie nun. Rund anderthalb Jahre danach präsentiert HBO neue Episoden. "Kalifornien ist ein ganz neues Spiel" wird bereits während der ersten Folge der neuen Staffel prophezeit, die am Sonntagabend in den USA und zeitgleich in Deutschland, demnach in der Nacht, ihre Premiere feierte. Gleich drei Ermittler sind an der Westküste der USA unterwegs, zudem entfernt sich der Erzählstrang immer wieder von den Polizisten und wandert hinüber zur anderen Seite des Gesetzes – zum dort herrschenden Gangsterboss.

Allerdings wird dem Zuschauer auch schnell klar, dass Macher Nic Pizzolatto zwar die Spieler, den Ort und andere Faktoren geändert hat – das Genre, die Erfolgsformel von "True Detective", bleibt aber glücklicherweise das gleiche. Düster ist die Welt rund um die Millionenmetropole Los Angeles, erneut versuchen seine Darsteller in einem klassischen Film noir, den Täter eines brutalen Mordes zu finden.

Auf diese Art und Weise finden die Ermittler überhaupt zusammen: Der vom Krieg gebeutelte Motorrad-Streifenpolizist Paul Woodrugh (Taylor Kitsch) findet zufällig eine Leiche, Sheriff's Detective Ani Bezzerides (Rachel McAdams) und Detective Ray Velcoro (Colin Farrell) stoßen dazu. Besonders interessiert an der Aufklärung des Falls ist allerdings Mafiaboss Frank Semyon (Vince Vaughn). Sein Bauprojekt einer Bahnstrecke von Süd- nach Mittelkalifornien steht auf dem Spiel, der Deal droht aufgrund des ermordeten City Managers zu platzen.

Farrell spielt Alter Ego

Pizzolotto vertraut dabei erneut auf den "McConaughey"-Effekt: Sowohl Kitsch ("John Carter") als auch McAdams ("Wie ein einziger Tag", "Eine Frage der Zeit") und Vaughn ("Voll auf die Nüsse", "Die Hochzeits-Crasher") stehen eher für seichtere Unterhaltung. Der Plan, so plakativ er ist, geht allerdings größtenteils auf. Kitsch überspielt seinen Charakter zwar ein wenig, seine Mitstreiter überzeugen hingegen. Die Serie wirkt durch den fehlenden Glamour der Stars geerderter und erinnert so an den literarischen Realismus a la Henry James.

Für Abwechslung sorgt diesbezüglich Farrell, der den dauersaufenden Velcoro wie sein Alter Ego spielt. Verrucht und unrasiert tritt er auf, einzig der fehlende irische Dialekt weist auf, dass Farrell womöglich schauspielern muss.

Er ist es auch, der in die tiefsten Abgründe schauen lässt. Sein Kind ist womöglich nicht von ihm, exakt neun Monate nach dem sexuellen Missbrauch seiner Frau kam auch der Junge zur Welt. Es war für den Polizisten der Anfang von Ende, mittlerweile steckt er ganz tief in der Korruption drin. Während den Mordermittlungen trifft er sich mit dem Bürgermeister der Stadt, der ihm erklärt, dass er keine schlechte Presse vertragen könne. Velcoro nimmt das gleichgültig hin und fragt schließlich: "Sollen wir den Fall überhaupt aufklären?" Der Bürgermeister antwortet: "Ich will einfach keine Überraschungen." Damit wird er keinen Erfolg haben. Die Zuschauer wird es freuen.

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