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TV-Nachlese Illner
"Trump hatte seinen besten Tag bei der Amtseinführung hinter sich"

TV-Nachlese Illner: "Trump hatte seinen besten Tag bei der Amtseinführung hinter sich"
FOTO: Screenshot ZDF Mediathek
Düsseldorf. In Großbritannien sind die Wahllokale noch nicht geschlossen, da will Maybrit Illner über Brexit, Terror und eine schwächelnde EU diskutieren. Doch nicht nur Theresa May bekommt ihr Fett weg, sondern auch Donald Trump.  Von Franziska Hein

Darum ging's Im Angesicht von Brexit, Terror und Bündniskrisen – welche Antwort hat Europa? Das fragt Maybrit Illner am Donnerstagabend in ZDF. Zunächst besprechen die Gäste jedoch den Auftritt von James Comey vor dem US-Senat. 

Darum ging's wirklich Die Illner-Sendung von Donnerstagabend ist ein Beispiel dafür, was in einer Talkshow alles schiefgehen kann. Das liegt zum einen an fehlenden Antagonisten unter den Gästen, die den Spannungsbogen aufrecht erhalten. Zum anderen liegt es daran, dass Moderatorin und Redaktion ein Thema in Echtzeit behandeln wollen und das, obwohl die Wahllokale in Großbritannien noch nicht einmal geschlossen haben. Statt sich zu fokussieren, schwadronieren Illners Gäste über ein Amtsenthebungsverfahren für Donald Trump und den Rücktritt von Theresa May. Ohne dass die Runde die Wahlergebnisse kennt, wird über Theresa Mays gescheiterten Wahlkampf hergezogen. Zur Fragen der europäischen Bündnispolitik im Angesicht des islamistischen Terrors werden über weite Teile der Sendung nur bekannte Argumente ausgetauscht. Der Unterhaltungswert ist unterirdisch, ganz zu schweigen vom Erkenntniswert. 

Die Gäste

  • Elmar Brok (CDU), Brexit-Beauftragter der EVP-Fraktion im EU-Parlament
  • Sönke Neitzel, Historiker
  • Sylke Temple, Politikwissenschaftlerin
  • Gabor Steingart, Herausgeber "Handelsblatt"
  • Diana Zimmermann, Leiterin ZDF-Studio London, zugeschaltet aus London
  • Julia Ebner, Islamismus-Forscherin
  • Matt Frei, Journalist, zugeschaltet aus Maidenhead

Der Frontverlauf

Das Interessanteste der Talk-Sendung am Donnerstagabend sind die ersten zehn Minuten. Die Redaktion und ZDF-Moderatorin Maybrit Illner wollen es sich offenbar nicht nehmen lassen, dem Potpourri an Themen noch ein weiteres hinzuzufügen: Illner eröffnet die Runde mit der Aussage des ehemaligen FBI-Chefs James Comey vor dem US-Senat. Vielleicht hätte die Redaktion von vorneherein besser auf dieses Thema gesetzt. 

Pointiert und sachlich analysieren die Gäste die Situation für Präsident Donald Trump. Ob der amtierende US-Präsident ein "Präsident auf Abruf" sei, fragt Maybrit Illner zu Beginn in die Runde. Der Vergleich mit der Watergate-Affäre, die US-Präsident Richard Nixon zu Fall brachte, liegt auf dem Tisch. Der ehemalige US-Präsident war 1974 auf dem Höhepunkt der Watergate-Affäre von seinem Amt zurückgetreten, um einer Amtsenthebung (Impeachment) zuvorzukommen. Dem Republikaner Nixon wurde vorgeworfen, im Wahlkampf 1972 die Parteizentrale der Demokraten abhören zu wollen. Im Zuge der Ermittlungen kamen weitere Vergehen, wie unter anderem auch Behinderung der Justiz, ans Licht.

Großbritannien wählt - der Tag in Bildern FOTO: dpa, tba

"Donald Trump ist ein Präsident, der seinen besten Tag mit der Amtseinführung hinter sich hatte", sagt Gabor Steingart, Herausgeber des "Handelsblatts". Er macht an diesem Abend die beste Figur, zeigt sich zu jedem Thema sprechfähig, informiert und meinungsstark. 

Die Frage sei, wie sich die Republikaner nun zu ihrem Präsidenten verhielten, sagt Historiker Sönke Neitzel. Steingart weist daraufhin, dass Comey Mitglied der Republikaner ist und unter Präsident George W. Bush als Staatssekretär im Justizministerium gearbeitet hat. Er sei eben kein Bürokrat. Die Runde bei Illner ist sich jedoch einig, dass ein Amtsenthebungsverfahren bei Donald Trump derzeit noch unwahrscheinlich ist.

Politikwissenschaftlerin Sylke Tempel kommt zu dem Schluss, dass die Russland-Affäre Trump in seiner Fähigkeit, Politik zu machen, dennoch behindern werde. Doch Trumps Wähler hielten weiterhin an ihm fest. Für sie seien die Vorwürfe ein "Plot, um den Präsidenten zu diskreditieren". EU-Abgeordneter Elmar Brok (CDU) sagt, man dürfe nicht nur nach Washington und New York schauen, amerikanische Politik werde genauso in Oklahoma und in Kansas City gemacht. 

Das ist Theresa May FOTO: dpa, TH abl

Nach 14 Minuten Sendung würgt Illner die Diskussion an dieser Stelle ab und schaltet nach Großbritannien, nach Maidenhead, von wo der Journalist Matt Frei (Channel 4) zugeschaltet ist und seine Sicht auf die Wahlkampagne von Theresa May erklärt. Nach dieser ersten Viertelstunde flaut die Sendung ab, die Diskussion dreht sich im Kreis, was nicht an den Gästen, sondern am Thema liegt. Nur in den letzten fünf Minuten der Sendung haben die Diskutanten die Chance, ihr Erstaunen über das unerwartet schlechte Abschneiden der Tories bei den Parlamentswahlen auszudrücken. 

Die Sendung bleibt bei dem politischen Thema hängen, das Mays Wahlkampf torpediert hat: den Terroranschlägen in Großbritannien und den daraus erwachsenden Vorwürfen gegen die ehemalige Innen- und derzeit amtierende Premierministerin. Als Konsequenz aus den Terroranschlägen müsse man eine gemeinsame europäische Sicherheitspolitik anstreben, man müsse die Zusammenarbeit der Geheimdienste und der Armeen verbessern. So der Tenor der Diskussion. 

Erneut sticht Gabor Steingart mit seiner Anaylse der Situation hervor. Er sagt, eine Sicherheitspolitik allein löse nicht die Probleme. Es müsse eine Kombination aus einem effektiven Sicherheitsapparat und einer Eingliederungspolitik geben, die die Unterschiede der Gesellschaft balancieren lernt. Damit bezieht er sich auf die Tatsache, dass die islamistischen Terroristen aus Großbritannien stammen, dort geboren und aufgewachsen sind. Für Steingart hängen Terror und ökonomisch abgehängt zu sein zusammen. "Das unterliegende Thema des Wahlkampfs ist die Spaltung der Gesellschaft. Großbritannien hat es geschafft, die Transformation von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft so zu gestalten, dass sie eine Gewinnmaschine für sehr wenige Menschen geworden ist. "Glitzerfassaden im Londoner Bankenviertel stünden den absaufenden ländlichen Regionen gegenüber. "Die britische Variante des Kapitalismus ist dysfunktional für die Mehrheit der Bevölkerung." 

 
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