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TV-Sendung "Geschickt eingefädelt"
"Pingel-Inge" und die tapferen Hobbyschneiderlein

TV-Show "Geschickt eingefädelt": Pingel-Inge und die tapferen Hobbyschneiderlein
Juroren bei der Arbeit: Inge Szoltysik-Sparrer und Guido Maria Kretschmer. FOTO: VOX
Düsseldorf. In der zweiten Staffel von "Geschickt eingefädelt" versucht Designer Guido Maria Kretschmer erneut, dem Hobbyschneidern Glanz und Glamour zu verleihen. Doch hier und da fragt man sich: Wer soll das denn tragen? Von Tanja Karrasch

Zugegeben, bei der ersten Runde der Näh-Show "Geschickt eingefädelt" ging um es um handwerkliches Geschick, erst am zweiten Tag um Kreativität. Aber diese Dirndl-Tops mit einem Reißverschluss vorne, aus Stoffen, die an Küchenschürzen aus den 50er bis 80er Jahren erinnern, sind so bieder, dass es schwer vorstellbar ist, dass diese im Jahr 2016 entstanden sind.

Acht Kandidaten haben geschnitten, gesteckt, genäht, so schnell sie konnten und dabei immer bereits die Nörgeleien von Jurorin "Pingel-Inge" im Ohr gehabt. "Sie hat Adleraugen", "die Inge sieht alles", heißt es. Und alle Befürchtungen werden wahr: Bei der Bewertungsrunde schaut Inge Szoltysik-Sparrer streng über den Brillenrand und kritisiert jeden losen Faden, jede steckengebliebene Stecknadel, so wie es sich für eine Bundesvorsitzende des Maßschneiderhandwerks gehört.

Schwermaschinen-Bauingenieur Keno bekommt eins auf den Deckel

"Bei mir könnt ihr immer punkten, wenn ihr ein paar Handstiche macht, da fahr ich halt total drauf ab", rät sie den Kandidaten. Immerhin, Tanja hat ein technisch fast perfektes Oberteil fabriziert, lobt die Jurorin. Schwermaschinen-Bauingenieur Keno bekommt hingegen eins auf den Deckel. "Reißverschlüsse abschneiden geht natürlich gar nicht", so Inge. Und der Guido? Der lächelt freundlich, steht neben der Oberlehrerin und hat zu fast jedem Entwurf etwas Nettes zu sagen.

Guido Maria Kretschmer hat schließlich auch einen Ruf zu wahren, als Freund aller Frauen, als sympathischer Knuddelbär. Am Ende des ersten Tages belegt Kandidatin Anika den letzten Platz. Dabei ist das Nähen ihre Leidenschaft, die Nähmaschine ihr Zauberstab. "Man macht 'pling' und das, was man sich vorgestellt hat, ist erschienen", sagt sie. Auch bei Indira, die nach eigenen Angaben das Nähen schon mit der Muttermilch aufgesogen hat, läuft es nicht gut: Platz sieben.

Aus einem Gammel-Hoodie soll ein Partyfummel werden

Tagessiegerin ist die 68-jährige Rentnerin Heidi. Saubere Nähte, sorgfältige Arbeit. Und dennoch: Auch in diesem roten Modell mit weißen Pünktchen möchte man sich höchstens unter einer großen Patchworkdecke verkriechen und endloslange Strickliesel-Schnüre stricken.

Am zweiten Tag steht im Nähatelier eine neue Aufgabe an: Aus einem übergroßen Gammel-Hoodie soll ein Partyfummel für Frauen gemacht werden. Eine "Upcycling"-Aufgabe. Etwas "Fetziges, Peppiges, Kreatives" für junge, moderne Frauen soll in zweieinhalb Stunden entstehen, wünschen sich Inge und Guido. Und man ahnt es schon: Man stelle sich also junge, moderne Frauen vor, die in der Boutique ihres Vertrauens nach fetzigen, peppigen Kleidern aus zerschnittenen Männersweatshirts für die Nacht im angesagten Club suchen. Richtig - die gibt es nicht.

Schiefe Taschen und ein Oben-ohne-Outfit

Felix hat einen quietschgelben Pulli erwischt. Verständlicherweise möchte er so wenig davon verwenden, wie möglich. Stattdessen sucht er nach einem silbernen Stoff, um daraus ein Cocktailkleid zu schneidern. Und während Guido Maria Kretschmer ihm bei der Suche zusieht, sagt er aus Gründen, die sich dem Zuschauer nicht erschließen: "Ich bin ein bisschen wie dein modischer Vater, Felix. Stell dir vor ich wär dein Vater. Das wär doch toll."

In der zweiten Präsentationsrunde hat Kandidatin Indira die Taschen des ehemaligen Sweatshirts schief auf das neu entstandene Kleid genäht, Heidis Kleid sieht aus, wie aus einem anderen Zeitalter entsprungen, "bisschen retro", findet Guido. Tatjana hat ein Oben-ohne-Outfit bestehend aus einem Schal und einem rosa Rock mit schwarzer Spitze und schwarzen Pailletten kreiert und Julian präsentiert das einzige Stück, das man sich beim Partyabend tatsächlich angezogen vorstellen könnte – und räumt dafür auch den Wochensieg ab.

Nach Hause gehen muss am Ende Indira, die ihren Rausschmiss zwar verstehen kann, trotzdem aber enttäuscht ein paar Tränen vergießt. Alle anderen dürfen nächste Woche wieder ran. Vielleicht Topflappen häkeln. Oder andere total "fetzige" Sachen.

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