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TV-Talk bei Sandra Maischberger
"Mama, du brauchst keine Angst zu haben"

TV-Talk bei Maischberger: "Mama, du brauchst keine Angst haben"
Das sogenannte Cybergrooming war das Gesprächsthema im TV-Talk bei Sandra Maischberger. FOTO: Screenshot ARD
Düsseldorf. Sexualtäter, die sich im Internet an Kinder heranmachen – um dieses heikle Thema ging es in der Talkrunde von Sandra Maischberger. Eine Mutter berichtete, wie ihre Tochter von einer Internetbekanntschaft entführt wurde. Von Franziska Hein

Darum ging's: Die Sendung fand direkt im Anschluss an den ARD-Spielfilm "Das weiße Kaninchen" statt. Der Film zeigt, wie ein 13-jähriges Mädchen im Internet in die Fänge eines Pädophilen gerät und sich von ihm erpressen lässt, Nacktbilder zu schicken. Das Phänomen "Cybergrooming" diskutierte die Runde bei Moderatorin Sandra Maischberger. 

Darum ging's wirklich: Bei diesem Thema gab es kaum eine Möglichkeit für die Gäste, sich zu verirren. Die Redaktion schaffte es, das Thema von einem Spielfilm in die Wirklichkeit zu holen, in dem sie Monika Beisler in die Sendung eingeladen hatte. Ihre Tochter verschwand 2013 spurlos mit einem 53-jährigen Mann, den sie im Internet kennengelernt hatte. 

Die Gäste: 

  • Monika Beisler, Tochter nach Cyber-Grooming verschwunden
  • Arne Völker, Erpressungsopfer
  • Thomas-Gabriel Rüdiger, Kriminologe
  • Beate Krafft-Schöning, Jugendschutz-Expertin
  • Yvonne Willlicks, Moderatorin

Der Frontverlauf: Zunächst wurde das Thema "Cybergrooming" objektiv abgeklärt. Der Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger hatte Zahlen vorbereitet. Demnach habe es im vergangenen Jahr rund 2000 Fälle von Cybergrooming gegeben. In drei Viertel aller Fälle seien Mädchen als Opfer betroffen, Jungs in nur 25 Prozent der Fälle. Die Dunkelziffer könne aber viel höher liegen, da vor allem Jungs ein Problem hätten, sich zu offenbaren, wenn ihnen so etwas widerfahre, erklärte die Journalistin Beate Krafft-Schöning, die schon seit Jahren Sexualstraftäter im Netz aufspürt. 

Der Kriminologe räumte auch mit einem Vorurteil auf, wonach die Täter vor allem ältere Männer seien. Die Kriminalstatistik zeige, dass zu 65 Prozent die Tatverdächtigen unter 30 Jahre alt seien. Das habe sich in den vergangenen Jahren stark geändert. 

Anschließend begrüßte die Moderatorin Sandra Maischberger die Mutter Monika Beisler in der Sendung, die ihre Tochter in der Nacht vom 4. Mai 2013 verlor. Maria war mit einem 53-jährigen Elektriker und Familienvater abgehauen. Seither hat Monika Beisler nichts von ihrer Tochter gehört.

Der Mann hatte ihre damals zwölfjährige Tochter im Frühjahr 2012 im Internet angeschrieben und sich als 15-Jähriger ausgegeben. Maria traf sich trotzdem zwei Monate später mit ihm, obwohl sie damals schon wusste, dass er in Wirklichkeit 53 Jahre alt war. "Die Bindung war schon da", berichtete Monika Beisler in der Sendung. "Im Netz kann jeder alles sein." Ihre Tochter sei sich der Gefahr, im Internet auf einen Pädophilen zu treffen, bewusst gewesen, sie habe das schlichtweg verdrängt.

Die Ehefrau des 53-jährigen Familienvaters zeigte ihren Mann schließlich an, weil sie auf seinem Rechner entsprechende Dateien gefunden hatte. Die Polizei nahm Ermittlungen auf, informierte Monika Beisler, dass der Mann auch Kontakt zu ihrer Tochter habe. So habe sie erst davon erfahren. Sie habe mit Internetverbot reagiert und ihrer Tochter das Chatten verboten. Doch die chattete heimlich weiter und traf sich auch mit dem Mann. Als Alibi gab sie an, bei einer Freundin zu übernachten. "Ich kann doch nicht aufhören, meinen Kindern zu vertrauen", sagte Beisler. Ihre Tochter habe sich wie ein normaler Teenie verhalten. Unterstützung bekam sie von der TV-Haushaltsfee Yvonne Willicks: "Ich hätte es ganz genauso gemacht wie Sie."

Monika Beisler hat zuletzt mit ihrer Tochter am Abend ihres Verschwindens telefoniert. Maria hatte vorgegeben, bei einer Freundin zu übernachten, die Mutter kam aber dahinter, dass sie sich in Wahrheit mit dem älteren Mann traf. Sie habe bei dem letzten Gespräch das Gefühl gehabt, ihre Tochter sei in Gefahr. Sie habe ihr gesagt, dass sie nun die Polizei rufe, ihre Tochter soll darauf gesagt haben: "Mama, du brauchst keine Angst haben." Danach hörte Beisler nie wieder etwas von ihrem Kind. 

Wenn sie einen Fehler gemacht habe, dann den, dass sie ihrer Tochter das Internet verboten habe. Sie habe das Gefühl gehabt, dass ihre Tochter ein paar Wochen, bevor sie mit dem Mann verschwand, eigentlich aus der Beziehung rauswollte, aber vielleicht nicht wusste, an wen sie sich wenden kann. "Ich hatte ihr ja das Internet verboten, sie hatte das Verbot übertreten, deswegen war es für sie vielleicht leichter, weiter zu machen", sagte Beisler. Freiwillig sei sie bestimmt nicht mit dem Mann mitgegangen, entweder sie sei manipuliert worden, oder dem Mann seien "die Sicherungen durchgeknallt", als er gehört habe, dass Monika Beisler die Polizei rufen wollte. "Man weiß nichts", so Beisler. 

Ein Selbstversuch der Redaktionspraktikantin Leonie (22) untermauerte die These vom Beginn der Sendung, dass fast jedes Kind einmal im Internet Opfer perverser Anmache ist. Die Praktikantin hatte sich in einem Chatportal angemeldet und berichtete, dass sie innerhalb weniger Minuten oft von Männern angeschrieben worden sei, die sexuelle Anspielungen machten. Sie habe außerdem eine Nachricht von einem 13-jährigen Mädchen bekommen, das ebenfalls häufig solche Nachrichten erhalte. Das Fazit: Das Phänomen sei sehr weit verbreitet, viele Kinder wüssten aber nicht, wie sie damit umgehen sollten. Dass Cybergrooming strafbar ist, wüssten die wenigsten Eltern und Kinder. Dabei ist jeder Kontakt strafbar, der mit der Absicht eines sexuellen Missbrauchs angebahnt wird.

Laut einer Studie sind bereits zwei Drittel der 8- bis 14-Jährigen mit dem Smartphone im Internet unterwegs. Unsere Autorin hat sich mit den Gefahren und Vorteilen beschäftigt.

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