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Köln
Vater der "Lindenstraße" wird 75

Köln. Hans W. Geißendörfer kann sich vorstellen, noch einen "Tatort" zu drehen. Von Ruhe keine Spur. Von Petra Albers

Wie er da sitzt auf dem Sofa hinter den Kulissen der "Lindenstraße", wirkt er so entspannt, als habe er alle Zeit der Welt: Filzpantoffeln, blaues Schaltuch und natürlich die obligatorische schwarze Strickmütze. Doch wenn Hans W. Geißendörfer erzählt, wird schnell klar: Er ist rastlos und voller Tatendrang. Das Nichtstun liegt ihm nicht. Dass er heute 75 Jahre alt wird, bedeutet für den Regisseur vor allem eins: "Die Zeit wird kürzer, um all die Dinge zu tun, die ich noch tun will."

Zu diesen Dingen gehört auch seine Arbeit, das Filmemachen - seine große Leidenschaft lässt ihn auch mit 75 nicht los. Der gebürtige Augsburger plant gerade einen neuen Fernsehfilm, ein Kinofilm ist in Vorbereitung und er kann sich auch vorstellen, einen zweiten "Tatort" zu machen.

Und dann natürlich seine "Lindenstraße". Auch nach mehr als 30 Jahren ist die ARD-Serie seiner Ansicht nach nicht auserzählt. "Früher hatte ich mal eine Zeit, da dachte ich, es gibt keine Themen mehr, es ist alles schon einmal vorgekommen. Aber dann habe ich kapiert, dass die Wiederholung der Alltag ist, den die ,Lindenstraße' ja zeigen will. Deshalb kann man immer wieder Geschichten erzählen, die an der Oberfläche neu sind, aber dasselbe Grundthema haben." Was die Inhalte in der "Lindenstraße" anbelangt, ist Geißendörfers Meinung weiterhin tonangebend - auch, wenn seine Tochter Hana Anfang vergangenen Jahres als Produzentin miteingestiegen ist und der Meister selbst nur noch selten bei den Dreharbeiten auftaucht.

WDR-Intendant Tom Buhrow schätzt Geißendörfer als einen Mann "mit Kante, streitlustig, visionär, leidenschaftlich". Mit der "Lindenstraße" habe er längst Fernsehgeschichte geschrieben. Ob die Kultserie über 2016 hinaus verlängert wird, ist nach Angaben einer WDR-Sprecherin allerdings noch nicht entschieden.

Geißendörfer sieht selbst kaum fern. Stattdessen denkt er sich auch privat lieber selbst Geschichten aus, zum Beispiel für seinen Enkel. "Kinder ins Bett bringen und ihnen frei erfundene Geschichten erzählen, das ist toll. Die sind natürlich alle mit Cliffhanger und Fortsetzung - wie bei der ,Lindenstraße'."

(dpa)
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