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Berlin
Voll kriminell

Berlin. ZDFneo zeigt sechs neue Folgen von "Im Knast" - die schräge Sitcom über Häftlinge, die etwas neben der Spur sind. Von Andreas Heimann

Dr. Kempers leidet an notorischer Selbstüberschätzung. Der egomanische Gefängnisdirektor (Wilfried Hochholdinger) hält sich oft für stärker, als er ist. Diesmal aber hat er die Situation komplett falsch eingeschätzt. Die Justizsenatorin (Katy Karrenbauer) ist nicht in seine JVA gekommen, um ihm auf die Schultern zu klopfen, sondern um ihn wegen Unfähigkeit zu degradieren - zum Schließer, Schichtbeginn morgens um vier. "Ärger im Paradies" ist der passende Titel für die erste Folge der neuen Staffel von "Im Knast".

Die ZDFneo-Sitcom ist 2015 mit sechs Folgen gestartet. Nun legt der Sender für das jüngere Publikum innerhalb des ZDF-Spektrums mit noch einmal sechs Folgen zu je 25 Minuten nach. Die ersten beiden sind heute Abend zu sehen. "Im Knast" ist eine ZDFneo-Eigenentwicklung mit tatsächlich eigener Handschrift, eine Serie, die man sich so im Hauptprogramm nur schwer vorstellen könnte. Nicht tiefschürfend, im Gegenteil gewollt leichtgewichtig, verspielt, mit Gestalten, die oft etwas leicht Verpeiltes haben wie die Anstaltstherapeutin Nora Meindl (Marleen Lohse), die gerade ihren Therapieraum mit viel Geld aufhübschen durfte.

Auch die weiteren Hauptrollen sind unverändert: Denis Moschitto spielt Erdem Azimut, den Knacki mit Migrationshintergrund, der sich voller Selbstüberschätzung als der Boss im Bau sieht. Manuel Rubey gibt Alexander Vontrab, den "Grafen", der eine Aura leicht blasierter Unnahbarkeit kultiviert, wegen Immobilienbetrugs und unzähliger Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz einsitzt und bewusstseinserweiternden Substanzen nach wie vor zugetan ist.

Tristan Seith ist wieder Manfred "Manni" Schuster, ein gutmütig-tolpatschiger Langzeitinhaftierter. Er ist wegen versuchten Totschlags hinter Gittern, nachdem er den Sparkassen-Filialleiter, der sich an seine Frau rangemacht hatte, gefährlich an sehr empfindlichen Stellen verletzt hat.

Ex-Gefängnisdirektor Dr. Kempers schleicht nun also als Schließer über die Flure. Seine Nachfolgerin Frau Fuchs greift sofort durch: "Mehr Regeln und Strafen bei der geringsten Verfehlung!", ist ihr Motto. Die Rolle spielt die kleinwüchsige Christine Urspruch, die bekannt geworden ist als Rechtsmedizinerin aus dem Münster-"Tatort". In "Im Knast" übernimmt sie spielend die etwas irre JVA-Leiterin mit Hang zu "Law and Order".

Während Erdem, Manni und der Graf ihre Liebe zum Gärtnern entdecken, glaubt Anstaltsleiterin Fuchs, Manni plane eine neue Revolte. Und das will sie mit harter Hand verhindern. Doch beim nächsten Besuch der Justizsenatorin begeistert sich diese nicht für die neue Zuchtmeisterin, sondern ausgerechnet für das Häftlings-Gartenprojekt. Und Fuchs stolpert buchstäblich über einen Fluchttunnel aus alten Zeiten. Ein tiefer Fall samt sofortiger Absetzung - der neue Gefängnisdirektor: Dr. Kempers.

Das klingt alles etwas abgefahren? Soll es auch, ist die Serie doch für ZDFneo, wo das Programm auch mal aus dem Rahmen fallen darf. Unumstritten war die erste Staffel nicht. Da gab es in den Medien zwar einiges Lob - aber auch die ein oder andere kritische Spitze. Fans und Gegner werden sich bei Staffel zwei sicher ähnlich unversöhnlich gegenüberstehen.

"Im Knast", ZDFneo, 23 und 23.30 Uhr

(dpa)
 
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