| 08.29 Uhr

Heike Makatsch
Von der Komapatientin zur Sprachakrobatin

Die gebürtige Düsseldorferin ist am Sonntag im ZDF-Film "Zweimal zweites Leben" (20.15 Uhr) zu sehen. Von Leslie Brook

Düsseldorf Wenn Benno Fürmann, Heike Makatsch und Jessica Schwarz zusammen in einem deutschen Fernsehfilm zu sehen sind, dann darf man von dem Projekt einiges erwarten - und im Fall des ZDF-Films "Zweimal zweites Leben", der morgen um 20.15 Uhr läuft, wird das auch eingelöst. Makatsch (44) spielt eine Komapatientin, die nach dem Aufwachen eine eigene Art des Sprechens entwickelt. Fürmann ist als ihr Ehemann und Schwarz als seine spätere Geliebte zu sehen. Der Film stellt die Frage, ob man sich angesichts eines solchen Schicksalsschlags lebendig fühlen und nach einem guten Leben sehnen darf - und beantwortet sie eindeutig mit ja. Mit diesem mitreißenden und toll gespielten Film, der in der Reihe "Herzkino" läuft, dürfte das ZDF dem "Polizeiruf" im Ersten richtig Konkurrenz machen.

Wie schwer ist es, während der Hälfte des Films keinen Mucks machen zu dürfen?

Makatsch Ich fand das gar nicht so schlecht. Anfänglich lag ich viel in dem Bett, und das bedeutete, dass um mich herum geredet und umgebaut wurde. Und es wurde darüber beraten, wie Benno oder Jessica die nächste Szene spielen sollen. Ich hatte damit nichts zu tun und bin manches Mal weggedämmert oder sogar eingeschlafen (lacht). Irgendwie hat mir das geholfen, das Gefühl in mir zu tragen, dass man nicht richtig dazu gehört, außen vor ist, übersehen wird, sich aber auch zurückziehen kann. Es war gewissermaßen auch noch Teil der Vorbereitung.

Was hat ansonsten zu Ihrer Vorbereitung auf die Rolle als Komapatientin gehört?

Makatsch Es gibt Dokumentarfilme über Kranken- bzw. Heilungsgeschichten von Komapatienten. Die habe ich mir angesehen und genauer studiert. Wir waren auch in Reha-Kliniken und haben uns mit Angehörigen von Komapatienten unterhalten, auch solchen, die noch nicht aufgewacht waren. Mit einem Schauspielcoach habe ich mich darüber auseinandergesetzt, inwieweit ich es zulassen kann, dass es meine Interpretation des Zustandes ist und keine authentische Beschreibung der tatsächlichen Situation. All diese Dinge haben mir geholfen, eine Haltung zu finden.

Trotz aller Bitterkeit der Situation wirkt die Rolle manchmal komisch...

Makatsch Ich hatte nie Mitleid mit meiner Figur oder Distanz zu ihr, ich sah sie als Kämpferin, als jemanden, der eine Chance hat. Es wäre ein falscher Ansatz, sie mit Drama oder Tragik zu betrachten, sondern lieber mit einer Freude an dem Funken Leben, der dann immer größer wird.

Mussten Sie manchmal selbst lachen, als Sie diese interessante Art des Sprechens entwickelten?

Makatsch Wenn ich lachen musste, wusste ich, dass ich auf der falschen Fährte war. Aber die Zeit am Set war auch nicht broternst ... Benno hat öfter über mich gelacht und mich nachgemacht. Natürlich nur ganz liebevoll.

Es gibt viele Familien, die darauf warten, dass ihr Angehöriger aus dem Koma erwacht. Wie übersteht man eine solche Situation? Und wie haben Sie die Betroffenen erlebt?

Makatsch Die Menschen gehen sehr unterschiedlich mit der Situation um. Aber man sieht, dass viele selbst in ausweglosen Situationen nicht die Hoffnung verlieren. Dass an dem kleinsten Hoffnungsschimmer festgehalten wird. Das rührt einen, denn man denkt, realistisch gesehen sieht es nicht so gut aus. Es war erstaunlich zu sehen, dass sich die Angehörigen relativ schnell mit der neuen Situation arrangieren, dass es keine Tragödie bleibt, sondern das ist dann das Leben. Ich hatte das Gefühl, dass sie sehr patent und tapfer sind. Sie kommen jeden Tag in die Klinik, mit den Kindern, streicheln die Hand des Vaters und hoffen, dass er etwas davon spürt, dass etwas zu ihm durchdringt. Das wird zur Lebensaufgabe.

Sind Sie selbst ein optimistischer, pessimistischer oder realistischer Mensch?

Makatsch Ich würde mich als realistisch bezeichnen, was manchmal als pessimistisch angesehen wird. Somit beuge ich großen Enttäuschungen vor.

Sie waren an Ostern erstmals im "Tatort" zu sehen. Es sind zwei sehr unterschiedliche Rollen. Welche hat Sie mehr gefordert?

Makatsch Jede Rolle braucht ihre eigene Vorbereitung. Wenn man sich eine veränderte Sprache aneignen muss wie im Fall der Komapatientin, dann liegt darauf der Fokus. Bei Ellen Berlinger steht die Biografie im Mittelpunkt, das, was sie mit sich herumträgt. Deshalb habe ich mich damit mehr beschäftigt. Von der Herausforderung oder von dem, was man der Rolle schenkt, nimmt sich das nichts.

Die Figur der Ellen Berlinger blieb in weiten Teilen nebulös. Anders gesagt: Die Geschichte hätte das Potenzial für eine Fortsetzung. Sind weitere Folgen geplant?

Makatsch Es ist noch verfrüht, darüber zu sprechen, wie es weiter geht. Denn bis jetzt ist unklar, ob es überhaupt weitergeht. Das sind Entscheidungen, die nicht von mir getroffen werden. Aber soweit ich weiß, ist der Wunsch da, und wir sind auch schon im Brainstorming.

Sollte es einen Düsseldorf -"Tatort" geben, wäre das auch was für Sie?

Makatsch Das ist ein ungelegtes Ei. Natürlich würde ich auch gerne mal wieder in die Heimat zurückkehren, das wird aber sicher nicht als "Tatort"-Kommissarin sein. Aber ich muss sagen, ich vermisse die Stadt.

Wann waren Sie zuletzt dort?

Makatsch Das ist länger her. Meine Familie kommt sehr gerne zu Besuch nach Berlin, und viele Freunde wohnen auch hier. Aber Düsseldorf würde ich gerne wiedersehen. Es kommen viele Erinnerungen hoch, wenn man durch die Straßen läuft.

Sie haben einen tollen Modegeschmack. Woher stammen Ihre Ideen?

Makatsch Meine Inspirationen kommen von Musik, die ich gerne höre, oder Filmen, die ich gerne mag, Büchern oder Magazinen, die ich gelesen habe. Es ist ein Sammelsurium von Lebenseinstellungen, die man in sich trägt und die sich in der Mode widerspiegeln, die man wählt.

Quelle: RP
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