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VW-Skandal bei Günther Jauch
"Das Massenverstecken von Politik und Wirtschaft"

VW-Skandal bei Günther Jauch: Steht "Made in Germany" auf dem Spiel?
Die Talkrunde bei Günther Jauch. FOTO: ARD / Günter Jauch
Berlin. In seiner ersten Sendung nach der Sommerpause knöpfte sich Günther Jauch den Abgasskandel von VW vor. Zu Beginn kassierten aber erst einmal diejenigen verbal Prügel, die gar nicht erst in die Sendung gekommen waren. Unter ihnen auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Von Ludwig Krause

Am Anfang eine Liebeserklärung, Günther Jauch fährt in einem alten VW Käfer vor. "So einen habe ich 30 Jahre lang gefahren", erzählt er. Echte deutsche Wertarbeit. "Der lief und lief und lief." Aber auch wenn es mal Probleme gab: Selbst im Scheitern sei Jauchs Käfer eine richtig ehrliche Haut gewesen. "Das kann man bei den heutigen Hightech-Schlitten nicht mehr unbedingt sagen", meint er.

In der ersten Sendung nach der Sommerpause kam auch Günther Jauch nicht am viel diskutierten Abgasskandal vorbei. Unter dem Titel "Der VW-Betrug – steht "Made in Germany" auf dem Spiel?" hatte Jauch eine Reihe von Besuchern in sein Studio eingeladen, von denen einige durchaus dafür bekannt sind, auch mal deftige Worte zu finden.

Die großen Skandale der Auto-Industrie

Selten aber dürfte ein Moderator seinen Gästen bereits zu Beginn klar gemacht haben, dass er viel lieber mit anderen über das Thema gesprochen hätte. Viele würden sich fragen, so Jauch, wer noch von den VW-Betrügereien gewusst habe und wie sicher wir sein können, ob nicht noch weitere Automarken betroffen sind. "Diese Fragen stellen sich Millionen Menschen, aber die, die am ehesten antworten können, die ducken sich interessanterweise allesamt nur weg."

Der Autohersteller VW selbst, der in der vergangenen Woche noch den Neuanfang beschworen habe, sei nicht in der Lage gewesen, einen Sprecher in die Sendung zu schicken. Gleiches gelte auch für Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Alexander Dobrindt (CSU), zuständiger Verkehrsminister und Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, der für Niedersachsen 20 Prozent an VW halte und dort im Aufsichtsrat sitze, wie Jauch erklärt. Alle hätten der Sendung abgesagt. "Dieses Massenverstecken von Politik und Wirtschaft, wenn es für alle ein bisschen unangenehmer wird, ist schon sehr bemerkenswert. Da scheint für viele doch sehr viel auf dem Spiel zu stehen", sagt Jauch.

Und so mussten eben fünf andere Gäste herhalten, um sendefähiges Material zusammenzubekommen. Anton Hofreiter (Grüne), Wolfgang Kubicki (FDP), Anja Kohl (ARD-Börsenexpertin), Axel Friedrich (Verkehrsberater und Umweltexperte) und Dietmar Hawranek (Wirtschaftsjournalist, "Der Spiegel") stritten über die Zukunft der deutschen Automobilindustrie. "Ich kann Ihnen versprechen, dass Sie über manches staunen werden, was sie heute erfahren", meint Jauch. Und tatsächlich musste man das ein oder andere Mal verblüfft sein.

Fotos: Müller – Werkzeugmacher, Informatiker, VW-Chef FOTO: afp, EJ/agz

Etwa, dass ARD-Börsenexpertin Anja Kohl durch ein betrügendes Unternehmen in den Grundfesten ihrer Wertevorstellung erschüttert zu sein scheint "Woran sollen wir noch glauben?", fragte sie. Um dann gleich hinterher anzudeuten, die Aufklärung des Skandals hänge mit einer großen Verschwörung der USA gegen den deutschen Automobilhersteller zusammen. Schließlich setze kein anderer so viele Diesel-Fahrzeug in den Vereinigten Staaten ab. Gleich mehrere Gäste protestierten.

Der anscheinend gerne schimpfende Grüne Anton Hofreiter zeigte sich unterdessen wenig überrascht von den Nachrichten aus dem Hause Volkswagen. Schon seit Jahren hätten Tests gezeigt, dass die Werte nicht stimmen können. "Mich würde es nicht überraschen, wenn bei vielen Herstellern die Autos auf der Straße anders reagieren als am Teststand." Auch Verkehrsberater Axel Friedrich, der den Test, mit dem VW überführt wurde, laut Jauch mitentwickelt hat, und "Spiegel"-Journalist Dietmar Hawranek sehen Zeit- und Kostendruck als Problem der gesamten Branche. VW sei dabei aber nochmal ein Sonderfall. Kaum ein Unternehmen werde so straff geführt wie Volkswagen, betont Hawranek

Bleibt noch Jurist Kubicki, der für die Boulevard-Schlagzeilen sorgen könnte. Schließlich handele es sich um Betrug, und zwar im besonders schweren Fall. Und darauf stehe Gefängnisstrafe. Die VW-Chefs bald hinter Schloss und Riegel? Nur eine von vielen Andeutungen am Sonntagabend bei Günther Jauch.

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