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Berlin
Was für eine verschrobene Frau

Berlin. Der ZDF-Film "Frau Roggenschaubs Reise" zeigt, wie das Alter Menschen zu Zynikern werden lässt.

Rosemarie Roggenschaub (Hannelore Hoger) lebt allein in einem gutbürgerlichen Haus in Hamburg und arbeitet schon seit einer Ewigkeit für eine Reederei im Kundenservice. Bis sie eines Tages gefeuert wird. Und nicht nur das: Ihr Mann Klaus (Christian Redl) ist ausgezogen, will nun mit seiner Freundin Carola (Michaela May) in eine Alten-WG ziehen und endlich seine Sachen aus dem Haus holen. Rosemarie sinnt auf Rache und will all den Plunder (Münzsammlung, Pokale, Whiskygläser und eine angekokelte Gitarre) an einen jungen Mann verkaufen, den sie zufällig auf der Straße trifft und als "Zigeuner-Hippie" bezeichnet.

Nur stellt sich heraus, dass auf der Klampfe angeblich schon Jimi Hendrix 1967 gespielt und sie sogar angezündet haben soll. Rosemarie macht sich auf die Suche nach dem jungen Sinto (Rahul Chakraborty), findet und erpresst ihn mitsamt seiner Mutter (Rigoletta "Loli" Weiss).

Zu sehen ist eine verschrobene, missmutige, böse ältere Dame, eine Misanthropin und Intrigantin, die niemandem über den Weg traut und voller Vorurteile steckt. Zu Beginn telefoniert sie in der Firma und sagt: "I talked with the Transportabteilung, a colleague named Roland Umschlag", den die Mitarbeiterin in Indien prompt als Roland Envelope bezeichnet - woraufhin Frau Roggenschaub verächtlich murmelt: "Warum müssen indische Frauen bloß in so geschmacklose Tücher gewickelt sein?" Sie schimpft über Südländer, Mütter, Kinder, eigentlich über alles - und benutzt dabei sehr diskriminierende Worte. Am Rande geht es noch um das Schicksal der Sinti und Roma unter den Nazis, die Hamburger Sturmflut von 1962 und Mehlwürmer, die als Holzböcke getarnt ganze Dachstühle auffressen.

Dem Zuschauer entlockt sie mehrfach ein Schmunzeln. Der gelungene Film vereint Elemente von Komödie und Tragödie: Eine einsame Frau entdeckt, was Familie bedeuten kann. Im Vordergrund steht die Suche nach der Gitarre. Das ist aber im Grunde egal, geht es doch viel mehr um Werte wie Familie, Freundschaft, Nächstenliebe und Akzeptanz - etwas, das Frau Roggenschaub erst ganz zum Schluss in Ansätzen schätzen lernt.

"Frau Roggenschaubs Reise", ZDF, 20.15 Uhr

(dpa)
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