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"Brief an mein Leben"
Wenn die Seele schlapp macht

Hamburg. Im ZDF-Film "Brief an mein Leben" spielt Marie Bäumer eine Karrierefrau, die an Burnout erkrankt.

Ausgebranntsein, Erschöpfung und Nicht-Mehr-Können sind kein schönes Thema. Aber eines, das viele interessiert: Der Kommunikationswissenschaftlerin und Publizistin Miriam Meckel gelang 2010 mit ihrem Burnout-Erfahrungsbericht "Brief an mein Leben" ein Bestseller. Denn in einer Gesellschaft, in der gefühlt alles immer schneller und hochtouriger läuft, betreffen diese Phänomene mehr und mehr Menschen vieler Berufsgruppen. "Das Thema lag in der Luft", sagte auch ZDF-Redakteur Günther van Endert bei der Präsentation des Films in Hamburg, der den gleichen Titel wie das Buch hat.

Frei nach Motiven aus der Vorlage der 49-Jährigen hat Regisseur Urs Egger ein ungewöhnliches und intensives Fernsehdrama geschaffen. In der Hauptrolle spielt der Kino- und TV-Star Marie Bäumer ("Das Adlon") eindringlich und in sich selbst nicht schonender Weise eine weltweit erfolgreiche Ozeanografin, die ihre Erschöpfungssymptome solange ignoriert, bis Körper und Psyche endgültig schlapp machen.

Und die sich dann - ganz pragmatische, willensstarke Karrierefrau - selbst in eine Klinik einweist, um sich mal eben kurieren zu lassen. Doch diese Toni Lehmstedt muss erkennen, dass es so nicht geht. Es braucht Zeit, Kraft und viele Tränen, sich selbst auf den Grund zu gehen. Und dafür nicht nur das eigene übersteigerte Arbeitsethos, sondern auch die schwierigen Beziehungen zur spröden Mutter (Jutta Wachowiak) und der Geliebten Maria (Christina Hecke) zu klären. Am Ende wird Toni ihr "inneres Kind" befreien - und es hoffentlich mit in ein neues, entschleunigtes Leben nehmen.

Selbst wenn die Spannung gelegentlich nachlässt, vermittelt Eggers' Drama Wesentliches: Dass Burnout mehr ist als eine Lifestyle-Krankheit für Besserverdiener - sondern ein Leiden der Seele mit vielen Ursachen.

Bei den Filmfestspielen in Biarritz (Frankreich) wurde die 46-jährige Marie Bäumer für ihre Leistung mit dem "Fipa d'Or" geehrt.

Für sich selbst habe die Schauspielerin früh ein Gegenmittel gefunden: "Ich konzentriere mich immer mit Haut und Haaren auf das, was ich gerade tue - und pflege Ruhephasen", erklärte die Mutter eines 18-Jährigen.

"Brief an mein Leben", ZDF, 20.15 Uhr

(dpa)
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